Alsdorf: Kriegsgräbereinsatz im Flecktarnanzug

Alsdorf: Kriegsgräbereinsatz im Flecktarnanzug

Es ist schon ein ungewöhnlicher Anblick, der sich Besuchern des Hoengener Friedhofs dieser Tage bietet. In ihren Flecktarnanzügen hantieren 14 Soldaten mit Hochdruckreinigern und Lappen, Spaten und Rechen auf dem Gräberfeld. Schleppen Steine, stutzen Hecken. Zehn Tage lang sind die Männer hier im Einsatz. Im so genannten Kriegsgräbereinsatz. Ihre Mission: 70 Ruhestätten von im Zweiten Weltkrieg Gefallenen auf Vordermann zu bringen.

1952 wurde das letzte Opfer des Krieges in Hoengen bestattet. „Seitdem wurde dieser Bereich wohl nicht mehr so umfangreich überholt”, sagt Doris Keller, die heute die Bürgerdienste in Alsdorf leitet. Umso mehr begrüßt sie das Engagement der Truppe.

Ein Bundeswehrangehöriger hatte den Stein ins Rollen gebracht, als er das Grab eines entfernten Verwandten in Hoengen fand. In schlechtem Zustand fand er es obendrein. „Er hat uns informiert und darum gebeten, uns mal darum zu kümmern”, sagt Nikolaus Neuville, Obergefreiter und Mitglied der Fachschule des Heeres für Technik in der Aachener Lützow-Kaserne.

Solch eine Bitte erhält er nicht oft. „Ich hatte erst einmal so einen Einsatz, das war in Frankreich.” Doch dem Wunsch nachkommen konnte er rasch. „Es haben sich sehr viele Freiwillige bei mir gemeldet”, sagt er, „ein paar musste ich sogar wieder von der Liste streichen.”

Junge Burschen im Grundwehrdienst und erfahrene Berufssoldaten schippen und harken nun gemeinsam in Alsdorf. Nicht nur, „weil das für sie mal was anderes ist”, wie Neuville ahnt. „Es ist für uns auch eine Ehrensache, die Gräber gefallener Kameraden zu pflegen.” Mit ihrem Einsatz unterstützen die Soldaten den Volksbund deutsche Kriegsgräberfürsorge (VdK). Auch das Deutsche Rote Kreuz, das Technische Hilfswerk, Pfadfinder oder Jugendgruppen gehen dem VdK bei der Pflege von Grabanlagen häufiger zur Hand.

Der Stadt Alsdorf kommt das Engagement unterm Strich wohl relativ preiswert. Doris Keller: „Wir stellen die Arbeitsgeräte zur Verfügung und später den Rollrasen, der neu auf die Fläche gelegt wird.” Zudem steht der Verein für Allgemeine und Berufliche Weiterbildung (VABW) parat. Dessen Küche liefert den Soldaten ein Frühstück, wenn sie punkt 7.30 Uhr auf dem Friedhof antreten.

Viel zu tun gibt es dort. Zu Beginn hatten die Männer alle Grabplatten vorsichtig von den Sockeln abgenommen und oberflächlich gereinigt. Der Feinschliff wird nun bei einem Steinmetz erledigt, mit dessen Hilfe die Soldaten die Platten mehrfach schleifen und polieren, so dass die verwitterten Inschriften wieder lesbar werden. Die steinernen Sockel selbst haben die Helfer ebenfalls abgetragen und auf einer Wiese auf dem Friedhof deponiert.

Dort sollen in den nächsten Tagen Frostschäden mit Mörtel ausgebessert werden: es gibt viele abgeplatzte Ecken und tiefen Risse zu beseitigen. Derweil vertikutieren und düngen andere den Boden, damit der neue Rasen gut anwächst. Das ist ein Schauspiel für so manchen Friedhofsbesucher. Neuville: „Viele machen sogar Umwege, um uns bei der Arbeit zuzusehen und ein wenig mit uns zu sprechen.”

Das Thema Kriegsgräber ist dieser Tage auch abseits der Aktion nicht weit weg. „Wir denken täglich an unsere Kameraden in Afghanistan”, sagt Neuville. Auch deshalb seien sie alle mit dem Herzen bei der Sache. Doris Keller kann es nachfühlen. „Wir haben doch eigentlich gedacht, dass Kriegsgräber für uns Deutsche kein Thema mehr sind. Und nun müssen wir erleben, wie wieder Soldaten sterben.”

Bis Ende kommender Woche wird in Hoengen noch kräftig gearbeitet. Dann wird der frische Rasen etwas Zeit bekommen. Ende Mai soll dann das „neue” Gräberfeld mit einem Festakt der Bundeswehr der Öffentlichkeit vorgestellt werden.