Würselen: Krieg, Zerstörung, aber auch Liebe

Würselen: Krieg, Zerstörung, aber auch Liebe

In der Pfarrkirche St. Sebastian erklingt „As slow as possible“ von John Cage. Zum getragenen, etwas düsteren Orgelstück blicken die Besucher auf eine Leinwand vor dem Altar. Bilder aus der Zeit des NS-Regimes werden vom Beamer an die weiße Fläche geworfen. Keiner spricht ein Wort, Schweigen.

Der Jüdisch-Christliche Arbeitskreis hat zu einer Gedenkfeier zur Erinnerung an die Befreiung vom Nationalsozialismus und an die Befreiung von Auschwitz eingeladen. Die Bilder des Beamers wechseln zu Fotos der heutigen Zeit. Darunter zahlreiche Fotos von Vladimir Shvemmer. Der Würselener Fotograf hat — quasi als Gegenpol — in zahlreichen Aufnahmen das heutige jüdische Leben in der Region dokumentiert. Auf der Leinwand ist ein ergrauter Mann mit vielen Orden zu sehen, die er anscheinend immer noch voller Stolz trägt. In seiner Hand eine Zigarette, die ihn in dichten Qualm hüllt.

Der Kantor unterstützt mit seinem Orgelspiel die optischen Eindrücke und schafft so eine Atmospäre, die zwar bedrückend ist, aber gleichzeitig zum Nachdenken anregt. „Erinnern an die grauenvollen Taten der Nationalsozialisten, heißt auch, nie wieder den Nährboden bereiten für rechtsextremes Gedankengut“, heißt es in der Einladung zu dem Gedenkabend. Vom Krieg, Zerstörung und Verfolgung wird erzählt, aber auch von Wiederaufbau und vor allem Liebe.

Die Beamerpräsentation geht weiter und zeigt Bilder aus Familienalben, von Bahngleisen nach Auschwitz, von Gräbern und schließlich Fotos vom Besuch in einem Konzentrationslager, das heute als Gedenkstätte dient. Um niemals zu vergessen.

(es)
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