Alsdorf: Kosten und Kulturen: Jugendarbeit steht vor neuen Herausforderungen

Alsdorf: Kosten und Kulturen: Jugendarbeit steht vor neuen Herausforderungen

Semik Arslan und Emre Aydogan kommen gerne in die Räume der Kleinen offenen Tür (KOT) der evangelischen Kirchengemeinde Alsdorf an der Weinstraße. Dort treffen sie unter anderem ihre Freunde Hikmet Cetinkaya und Hüseyin Marim, bevor sie etwa gemeinsam zum Kampfsporttraining gehen.

„Chillen” und „planen, was heute oder morgen gemacht wird”, das kann man hier besonders gut, finden sie.

Über so ein Lob freut sich Heinz Wolke. Er ist der verantwortliche Jugendleiter der evangelischen Kirchengemeinde Alsdorf. Zwischen 20 und 25 Jugendliche kommen am Tag in die KOT, die an vier Tagen in der Woche geöffnet ist.

Doch etwas an der Jugendarbeit ist anders geworden. Das liegt zum einem an der Verbindung von Kirche und Jugend, erklärt Wolke. Die Jugendlichen, die in die KOT an der Weinstraße kommen, sind nicht zwangsläufig christlichen Glaubens, sind sehr unterschiedlich in Herkunft, Kultur und persönlichen Lebensumständen.

Die Zugehörigkeit zur kirchlichen Gemeinde ist in den Hintergrund gerückt; „was nicht ausschließt, dass in der pädagogischen Konzeption auf christlicher Wertebasis gehandelt und vermittelt wird”, betont Wolke. Hinzu komme, dass „die Jugend heute mit anderen Erwartungen behaftet ist als frühere Generationen. Früher verband man mit der Gruppe feste Termine und Themen, gewisse Regelmäßigkeiten. Die gibt es heute nur noch selten.”

Das Verständnis und das Interesse für Gruppe und Gemeinschaft fehlt, bedauert Heinz Wolke weiter. „Mit unserer offenen Einrichtung gehen wir auf die Situation und Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen ein.” Dazu zählt auch das Vorhandensein von Computern, Billard- oder Kickertischen. „Mit buntem Bastelpapier, Stift und Kleber können wir heute keinen mehr begeistern.”

Durch das offene Angebot ist indes ein erhöhter Personal- und Angebotsaufwand notwendig - die Kosten steigen. „Die finanzielle Situation von Kirchengemeinden ist schwierig”, sagt Heinz Wolke. Andere Quellen wie Sponsoren müssten gesucht werden, um etwa Freizeitangebote oder einen Ausflug ins Schwimmbad für alle zu ermöglichen.

Umzug in die Luisenpassage

Für Heinz Karsznia ist dieser Zustand Grund genug, der KOT unter die Arme zu greifen. Der Erlös des Frühlingsfestes der Paul-Gerhardt-Kirche in Ofden, das von Heinz Karsznia mitorganisiert wurde, sowie der Ertrag eines Getränkekühlschranks im Gemeindesaal ließen eine Summe von 150 Euro zusammenkommen. „Ein gutes Ergebnis”, freut sich Karsznia. Er weiß aber auch, dass man damit „keine Welten bewegen kann. Darum suchen wir nach Gelegenheiten, wo gegebenenfalls mehr abfällt.”

Die bisherige Summe reicht, um Gesellschaftsspiele zu kaufen oder Jugendliche bei einer Wochenendfahrt zu unterstützen. Wolke wird gut überlegen, wie der Betrag eingesetzt wird, und ihn an die sich gegebenenfalls ändernden Anforderungen durch den Umzug in die Luisenpassage aufgrund der Alsdorfer Bildungs-, Beratungs-, und Begleitungs-Angebote (ABBBA) im Zuge des Vorhabens „Soziale Stadt” anpassen. Der Einzugsbereich für die Stammbesucher wird bleiben.

Was unterdessen mit den Räumlichkeiten an der Weinstraße passieren wird, ist noch unklar. Die Verwertung würde einen hohen Kostenaufwand bedeuten, ein entsprechendes Architektengutachten liegt vor. „Es fließt gerade alles”, sagt Heinz Wolke. Vieles sei noch in Planung, auch das Ergebnis der Umfrage in der Gemeinde wird in die Entscheidung einfließen. „Es ist eine spannende Zeit”, findet Heinz Wolke, „die aber auch drängt.”