Würselen: Konzept für die Singer-Höfe: Verkehrsprobleme ohne Denkverbote lösen

Würselen: Konzept für die Singer-Höfe: Verkehrsprobleme ohne Denkverbote lösen

„Eine der letzten Industriebranchen in der Stadt soll städtebaulich entwickelt werden. Nun wollen wir mit der vom niederländischen Investor Albert C. Blok vorgelegten überarbeiteten Singer-Höfe-Konzeption zu seinem Ergebnis kommen.”

So begrüßte der Vorsitzende des Stadtentwicklungsausschusses, Hans Carduck, die recht zahlreich erschienenen Bürger zur Beteiligungsveranstaltung im Sitzungssaal des Rathaus. Unter den Teilnehmern waren auch zwei Repräsentanten der Firma Groz-Beckert, des Eigentümers des rund 26.000 Quadratmeter großen Areals. Es gehe darum, vorhandene Kaufkraft, die leider abwandere, in Würselen zu binden, weckte er allgemeine Aufmerksamkeit für die Ausführungen des Investors. Blok legte anschaulich dar, wie in seinem Projekt alle städtebaulichen Funktionen integriert werden. Ein 1750 Quadratmeter großer Frischmarkt solle der tagtägliche Frequenzbringer sein. Die Einzelhandelsfläche belaufe sich insgesamt auf 9200 Quadratmeter. Für den Miet- und Eigentums-Wohnungsbau stehen 13.600 Quadratmeter zur Verfügung. Rund 250 Parkplätze sollen geschaffen werden. Wie die hochwertige Architektur aussehe, darüber müsse noch nachgedacht werden. Damit die Bürger sich in etwa ein Bild davon machen konnten, präsentierte Blok Referenzbilder.

Es sei wichtig, dass ein Gebäude als Industriedenkmal erhalten bleibe, unterstrich der Vorsitzende der Kulturstiftung, Achim Großmann. Nicht er, sondern auch der Ex-Stadtplaner Heinrich Kummer konnte sich mit der Konzeption sehr wohl anfreunden. Vom Vorsitzenden der Interessengemeinschaft Kaiserstraße/Markt, Günter Dümont, nach der Finanzierung befragt, betonte der Investor, für die Stadt bestehe kein finanzielles Risiko. Mit der Vermarktung sei bereits begonnen worden. Weiter: Die Schadstoffbeseitigung sei Sache von Groz-Beckert, werde aber mit ihm abgestimmt. Der Kaufvertrag sei so gut wie unterrichtsreif, setzt Blok darauf, dass der Bebauungsplan Anfang nächsten Jahres Rechtskraft erlange und 2013 mit der Realisierung der Singer-Höfe begonnen werden könne. Bis 2015 solle das Projekt dann abgeschlossen sein.

Sorgen machen sich Anwohner der mittleren Bahnhofstraße wegen der Anlieferung des Frischmarktes. Sie soll - so weit konnte sie Blok beruhigen - über einen Innenhof abgewickelt werden. Inwieweit der vorhandene Kanal die zusätzliche Belastung verkraften könne, wurde nachgefragt. Das Tiefbauamt führe im Augenblick die Überprüfung durch, versicherte Carduck, der die Bürgerversammlung souverän leitete. Den besorgten Anwohnern versprach er, alle ihre Anregungen und Bedenken ernst nehmen zu wollen. „Wir stehen am Anfang des Verfahrens”, bat Technischer Beigeordneter Till von Hoegen um Verständnis, dass die Ergebnisse noch nicht vorliegen.

Da es an der Aachener Straße Probleme mit den Verkehren aus den Seitenstraßen gebe, schlug Verkehrsgutachter Dr. Harald Blanke eine Veränderung der Signalprogramme vor. Der eigentliche Knackpunkt sei die Kreuzung Bahnhofstraße/Kaiserstraße. Zu seiner Entzerrung brachte er erneut eine Signalanlage ins Spiel. Er mache sich nach den vorliegenden Berechnungen, die sowieso auf 20 Prozent höheren Zahlen für den Einzelhandel basierten, keine Sorge, dass das Verkehrsnetz zusammenbrechen könne. Eine separate Rechtsabbiegespur aus Richtung östlicher Bahnhofstraße in die Kaiserstraße müsse angelegt werden.

Hildegard Schieren brachte die Befürchtungen der Anwohner der Aachener Straße und der westlichen Bahnhofstraße auf den Punkt. Über die Aachener Straße rollten jetzt schon 32.000 Fahrzeuge pro Tag. Bei Realisierung der Singer Höfe kämen bis zu 300 weitere Autos auf die Aachener Straße zu. „Ihre Anwohner haben einen Anspruch auf ein gewisses Maß an Wohnqualität”, forderte sie, mehrere Straßen für den Abfluss des Verkehrs zu öffnen. An die Adresse der Politiker: „Wir bitten Sie, die stark frequentierten Straße nicht einseitig zusätzlich zu belasten.”

„Die umliegenden Straßen sind nicht in der Lage, die Ziel- und Quellverkehre aufzunehmen”, zeichnete Dümont ein ganz düsteres Bild. Es müsse mit noch mehr Staus und Wartezeiten gerechnet werden. Seine Forderung, die Verkehre müssten möglichst schnell zum Ziel gebracht werden. Dümont räumte ein, Rat und Verwaltung stünden vor einer enorm schwierigen Entscheidung. Er erinnerte den Technischen Beigeordneten daran, dass die Landesmittel für den Ausbau der Kaiserstraße unter der Prämisse geflossen seien, dass der Verkehr an der Kaiserstraße zurückgebaut werde. „Es darf keine Denkverbote geben”, wies Achim Großmann den Weg aus der möglichen Misere. Es müsse noch jede Menge Gehirnschmalz investiert werden. Zu bedenken gab er aber auch, dass auf dem Singer-Gelände Einkaufsmöglichkeiten neu geschaffen würden, die am Morlaixplatz beispielsweise „weggebrochen” seien.