Nordkreis: Kommentiert: Strafe muss sein, aber Einsicht tut Not

Nordkreis : Kommentiert: Strafe muss sein, aber Einsicht tut Not

Gegenseitig Rücksicht nehmen, runter vom Gas, nicht immer auf die eigene Vorfahrt pochen — diese und ähnliche Appelle im Sinne des gesunden Menschenverstands im Straßenverkehr lassen sich auch nach der Pressekonferenz des Polizeipräsidenten zu den Verkehrsunfallzahlen 2017 machen.

Auf dem Weg zurück in die Redaktion war da dann prompt der kleine Junge, etwa sechs Jahre alt, der in Würselen in Höhe Stadtgarten mit seinem Rädchen über die stark befahrene B57 rollen wollte.

Was folgte, war der Klassiker, wie er leider immer noch viel zu oft im Straßenverkehr zu beobachten ist: Eine Fahrerin bremst und gewährt dem behelmten Mini winkend Vorrang, der daraufhin etwas wackelig bis zur Querungshilfe in der Straßenmitte strampelt und dort dann unsicheren Blicks abwartet, wie sich denn wohl die Fahrer aus der anderen Fahrtrichtung verhalten.

Es dauert unfassbare drei vorbeibrausende Wagen lang, bis endlich jemand stoppt und den Kleinen aus der Gefahrenzone entlässt ... Alltägliche Beispiele wie diese verdeutlichen, welch Kärrnerarbeit es mitunter ist, Leuten, die ein Fahrzeug lenken können, auch noch die nötige Um- und Einsicht einzutrichtern. Gedankenlos aufgeklappte Autotüren oder der fehlende Blick über die Schulter beim Abbiegen können Menschenleben kosten.

Lernt man eigentlich schon in der Fahrschule. Als komplett schwarz gekleideter Fußgänger im Dunkeln noch schnell über die Straße zu springen oder als Radfahrer aus einer Seitenstraße herauszuflitzen, ohne die weitere Verkehrslage auch nur eines Blickes zu würdigen, ist auf der „Gegenseite“ auch nicht unbedingt ein Intelligenzbeweis.

Eines dürfte aber generell klar geworden sein: Sanktionen alleine reichen nicht, um im Aufgabenfeld „Senken der Unfallzahlen“ nachhaltig Erfolge zu erzielen. Auch wenn Polizeipräsident Dirk Weinspach den 25-prozentigen Rückgang von durch zu hohe Geschwindigkeit verursachten Unfällen ausdrücklich auch auf den Kontrolldruck (8000 zusätzliche Blitzer in 2017) durch die Polizei zurückführt.

Bußgelder und Fahrverbote sind ärgerlich, aber leider kein Garant dafür, dass im Kopf des Verkehrssünders der Hebel umgelegt wird. Hier ist Einsicht vonnöten. So möchten die Ordnungshüter ihren Blick neben „Bordsteintraining“ für die Kleinsten auch verschärft auf Maßnahmen für die anderen Problemgruppen — etwa Fahranfänger und Kradfahrer — richten. Auf dass diese Arbeit auch weiter auf fruchtbaren Boden fällt, kann man nur hoffen ...

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