Kohlscheider Lydia-Gemeinde: Kita für die Rappelkiste

Grundsteinenthüllung : Ökologische Standards für die Rappelkiste

Die evangelische Lydia-Gemeinde baut auf ihrem Gelände in Kohlscheid eine neue dreigruppige Kindertagesstätte. Jetzt ist feierlich der Grundstein enthüllt worden.

Von „besonders großer Freude“ sprach Dr. Britta Schwering. Und zwar, so die Vorsitzende des Bevollmächtigten-Auschusses der seit Jahresbeginn zur Lydia-Gemeinde fusionierten evangelischen Kirchengemeinden Herzogenrath und Merkstein, weil sie zum ersten Mal überhaupt eine „Grundsteinlegung“ eröffne. Überdies, weil ihre Gemeinde in einer Zeit, wo vielerorts kirchliche Gebäude verkauft würden, sogar neu baue. Nämlich eine Kita, deren Mietern die Elterninitiative „Rappelkiste“ sein wird. „Ich kann das Kinderlachen schon hören“, sagte Schwering und konstatierte mit Blick auf die gute Kooperation zwischen Bauherrin und Mieterin: „Ich freue mich auf die Dinge, die da kommen!“

Kitas seien immer „eine sehr schöne Aufgabe“, bestätigte auch Volker Adolf, Architekt aus dem Aachener Büro „Glashaus“, dessen Schwerpunkt eigenen Angaben nach auf ökologischem Bauen liegt und das mit der Gesamtplanung des Kita-Projekts betraut worden ist. Basis war eine erste Planskizze der Architektinnen Katrin Odinius und Kristin Karl von der Elterninitiative.

Gründächer und eine Fassade in Holzständerbauweise: Ökologische Gesichtspunkte sind für den Kita-Neubau in der evangelischen Lydia-Gemeinde in Kohlscheid wesentlich. Foto: Glashaus Architekten/Quelle: Glashaus Architekten

Mit in die Planung einbezogen worden ist das ehemalige Pfarrhaus der Kohlscheider Gemeinde in der Linen. Hier sind die Personalräume, Küche und Mehrzweckraum vorgesehen sowie Büroräume für die Elterninitiative, wie Adolf erläutert. Die Gruppenräume der dreigruppigen Kita sind im Neubautrakt vorgesehen. Wobei es galt, mit dem begrenzten Platz innerhalb des Wohngebiets umzugehen.

Natürliche Materialien

So werden die Kita-Gruppen 1 und 3 jeweils zwei Gruppenräume im Obergeschoss erhalten und die Gruppe 2 eingeschossig und barrierefrei konzipiert. Die Außenwände der gestaffelten Anordnung werden verputzt respektive in Holzständerbauweise verkleidet. Holz-Alu ist für die Fenster vorgesehen, Abhangdecken sollen für eine gute Raumakustik sorgen, natürliche Materialien wie Holz, Linoleum und Silikatfarben kommen im Innenausbau zum Einsatz. Im Altbau wird für den gesamten Kindergartenbereich eine neue energiesparende Gas-Brennwerttherme eingebaut, zudem gibt es im Neubau eine Fußbodenheizung, deutlich erhöhten Wärmeschutz, eine „feuchtegesteuerte“ Lüftungsanlage und Trinkwasserstationen, wie der Architekt weiter darlegt. Die Elektroinstallation werde halogenfrei, die Beleuchtung „grundsätzlich in LED-Technik“ ausgeführt. Mit allen diesen und weiteren Aspekten entspricht der Planer dem ausdrücklichen Wunsch von Bauherrin und Nutzerin nach ökologischer und energiesparender Bauweise.

Eine Immobilie auf diesem Wege in neuen Wert zu setzen und durch Vermietung Einnahmen zu generieren, das würdigte ganz besonders auch Bürgermeister Christoph von den Driesch, der Glückwünsche für das ehrgeizige Projekt aussprach. Er war sichtlich erfreut, dass die „Rappelkiste“, die an der Weststraße zwar bislang in guter Lage zum TPH sei, nun eine Lösung finde angesichts der Probleme in Sachen Verkehr und Brandschutz.

„Es passt gut“, bestätigte auch Pfarrer Frank Ungerathen, „das Pfarrhaus und die Gemeindewiese als Platz für Kinder herzurichten.“ Denn es brauche eine neue Spiritualität und Achtsamkeit im Umgang mit sich selbst und der Schöpfung. Von Kindern könne man das Staunen wieder lernen ... Viel Mut und Kraft wünschte er allen Verantwortlichen für diese „anspruchsvolle und gleichzeitig schöne Aufgabe“.

Einweihung Ende 2019

Ursprünglich, so erläutern die Baukirchmeister Dr. Bernd Fasel und Britta Rosen im Gespräch mit unserer Zeitung, sei auf dem Gemeindegelände ein Wohnhaus geplant gewesen, bis dann bekannt geworden sei, dass die „Rappelkiste“ neue Räume sucht. Daraufhin habe sich eine fruchtbare Zusammenarbeit entwickelt.

Gemeinsam mit Pastor Ungerathen nahm „Rappelkiste“-Vorsitzender Marcel Offergeld denn auch die Enthüllung des schlichten Grundsteins mit der Jahreszahl 2018 vor.

Rund 1,1 Millionen Euro sind für das Projekt vorgesehen. Planer Volker Adolf macht keinen Hehl daraus, schon ein Einsparpaket geschnürt zu haben, denn im Baugewerbe habe es viele Jahre „nur moderate Erhöhungen“ gegeben, und zurzeit werde dort „nachgeholt“.

Ende kommenden Jahres, da ist der Architekt hoffnungsfroh, könne Einweihung gefeiert und das neue Haus mit Leben gefüllt werden.

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