Herzogenrath: Kohlscheider Karvenal: Zusammenlegung der Traditionsvereine

Herzogenrath: Kohlscheider Karvenal: Zusammenlegung der Traditionsvereine

Was machen Karnevalisten im Sommer? Sie gründen einen neuen Verein. So geschah es in Kohlscheid, wo sich die beiden alteingesessenen Karnevalsgesellschaften „Narrengilde“ und „Narrenzunft“ zur neuen KG „Scheeter Jecke“ zusammenfanden - und das mit Erfolg: die erste Veranstaltung war bereits ein Erfolg.

„Aus der Situation heraus, dass es zwei Vereine gab, die alleine nicht leben und nicht sterben konnten, haben wir uns dazu entschlossen“, erzählte Bernd Simons beim ersten Sommerfest der Karnevalisten unter dem neuen Namen. Die Kooperation zwischen den KGs läuft seit gut drei Jahren, in denen sich die organisierten Narren immer wieder durch Aktionen unterstützten.

Keimzelle des ganzen war das Männerballett „Pink Panther“ mit Mitgliedern aus beiden Vereinen, die bei der Vereinsvorstellung im AWO-Haus an der Klosterstraße nicht fehlen durften. Dass es sicherlich nicht schnell ging, die beiden aus der Historie Kohlscheids heraus gewachsenen Vereine unter eine Narrenkappe zu bringen, bestätigen Simons und sein Stellvertreter Josef Kugler. „Jeder einzelne Verein bestand schließlich 77 Jahre“, weiß Kugler. Gewachsene Traditionen in 7x11 jecken Jahren sorgten dafür, dass keine Feindschaft, aber doch eine gesunde Konkurrenz herrschte.

In den vergangenen Jahren, da sind sich die erfahrenen Karnevalsfreunde sicher, sei es immer wieder darum gegangen, das Brauchtum Karneval zu stärken und die jecken Fahnen hochzuhalten. „Kohlscheid hat sich von der beruflichen Seite her in den vergangenen 30 Jahren zu einem High-Tech-Standort entwickelt“, weiß Bernd Simons. Das habe natürlich auch Auswirkungen gehabt auf die Interessenlage der Menschen, die im Ort leben und dort ihre Brötchen verdienen. „Früher warst Du mit dem Verein verheiratet“, ergänzt Josef Kugler, da war es normal, in mindestens einem Verein aus der eigenen Familiengeschichte heraus Mitglied zu werden. Das habe sich aber verändert, auch und gerade bei den jüngeren Menschen.

Darüber braucht sich der Vorstand des nagelneuen Vereins mit den sehr erfahrenen Mitgliedern aber derzeit nicht den Kopf zu zerbrechen. „Wir haben seit Bekanntwerden der Vereinsneugründung im Vergleich zu beiden Vereinen alleine bei den Kindern schon einen Zuwachs von 50 Prozent“, freut sich Simons. „Wir müssen derzeit sogar Kinder, die bei unseren Tanzgruppen auf der Bühne mitmachen wollen, vertrösten“, sagt er. So können viele der Nachwuchs-Jecken zwar mittrainieren, aber die „Bühnenplätze“ sind voll.

Natürlich ist das Interesse am Sommerfest der „Scheeter Jecke“ riesig, alleine 160 KGs aus dem Verband der Karnevalsvereine Aachener Grenzlandkreise (VKAG) und 60 aus dem Aachener Raum waren eingeladen, viele kamen, um sich die frisch gewandeten Jecken anzuschauen. Und das mit den Gewändern war auch so eine Sache, schließlich gab es in den Altvereinen verschiedene Vereinsfarben: Rot für die Narrenzunft, Blau für die Narrengilde.

Statt sich nun mit Rot-Blau oder Blau-Rot zu schmücken, griffen die Vereinsmacher in die Geschichtskiste und schwören ab sofort auf die Kohlscheider Farben schwarz und weiß. „Das Ganze wird mit Gold aufgepeppt“, schließt Kugler augenzwinkernd. „Natürlich ist das schwierig nach so vielen Jahren, da erinnert man sich immer wieder an die alten Vereine“, sagt Simons mit leicht verklärtem Blick. Doch klar sei auch gewesen, dass den Vereinen keine andere Wahl blieb. „Sekt oder Selters“, unterstreicht Simons: „Entweder kaputtgehen oder gemeinsam nach vorne gehen, das war die einzige Wahl, die wir hatten.“

Eine gute Wahl, wie die Resonanz aus dem Ort zeigt. „Die Menschen kommen zu uns, klopfen uns auf die Schulter und sagen: Alle Achtung, damit hätten wir nicht gerechnet.“ So sind Karnevalisten auch in der wärmeren Jahreszeit für eine Überraschung gut und zeigen, dass auch sie echte Motoren des Vereinslebens sind.

(mabie)