Kohlscheid: Keine separate Zufahrt für Schwimmhalle

Neue zentrale Schwimmhalle für Herzogenrath : Die nächste Hürde: Eine Zufahrt finden

Auf einem Ackergrundstück an der Roermonder Straße (L 232) in Kohlscheid soll die neue zentrale Schwimmhalle für Herzogenrath gebaut werden. Wie sie erschlossen werden soll, ist indes noch unklar. Denn Straßen.NRW will an dieser Stelle keine weitere Zufahrt zulassen.

Egi Laufen ist ein geduldiger Mensch. Als Vorsitzender des Kohlscheider Schwimmclubs (KSC) würde er aber allmählich gerne wissen, wie und wann es denn weitergehen soll mit der Bäderlandschaft in der Stadt, mit den Schwimm- und Trainingsmöglichkeiten für die schwimmsporttreibenden Vereine – kurz gesagt: mit dem Bau der neuen zentralen Halle, für die nach eingehenden Prüfungen durch eine eigens bestellte Gutachterfirma der Standort auf einem Acker an der Roermonder Straße in Höhe Forensberg auserkoren worden war. Denn irgendwie, so scheint es ihm, ruhe der See, seit eine zurückhaltende Einschätzung durch den Straßenbaulastträger Straßen.NRW publik geworden ist, was die Anlage einer Grundstückszufahrt an dieser Stelle angehe …

Gemeinsame Erschließung?

In der Tat ist diese erste Einschätzung bei einem Ortstermin quasi untermauert worden, wie Herzogenraths Technischer Beigeordneter Ragnar Migenda im Gespräch mit unserer Zeitung bestätigt. Die Vertreter von Straßen.NRW hätten zwar nicht generell „geht nicht“ gesagt, allerdings sei noch einiges zu prüfen. So werde eine neue Zufahrt, zwischen Haus Forensberg und der Gärtnerei, zwar ausgeschlossen. Allerdings sei eine gemeinsame Erschließung mit einem der beiden Nachbaranlieger durchaus denkbar. Die Kosten dafür würde dann die Stadt tragen müssen. Ein Kreisverkehr scheide an dieser Stelle aus, da die Roermonder Straße generell ampelgesteuert sei.

Alfred Sebastian, der als Abteilungsleiter Betrieb und Verkehr der Regionalniederlassung Ville-Eifel beim Ortstermin in Kohlscheid zugegen war, erläutert auf Nachfrage unserer Zeitung, warum Straßen.NRW in dieser Frage so rigoros ist: „Wir befinden uns hier auf freier Strecke.“ Und die gelte es von jeglichen Störstellen freizuhalten, „um die Verbindungsfunktion der Straße hochzuhalten“. Im Sinne eben eines möglichst reibungslosen Verkehrsflusses auf der Roermonder Straße, die ja bekanntlich recht stark befahren sei. Bei Zufahrten auf freien Strecken handele es sich um Sondernutzungen, die zunächst nicht zulässig seien.

Gemäß Bundesfernstraßengesetz, das auf Landstraßen zu übertragen sei, genießt der fließende Verkehr Vorrang. Dennoch zeige man sich gesprächsbereit, bestätigt auch Sebastian, dass Straßen.NRW eine Zufahrt zum neuen Schwimmbad von der Roermonder Straße aus „nicht kategorisch abgelehnt“ habe: Wenn denn eine andere an der Stelle wegfalle, das heißt mit der neuen Zufahrt zusammengelegt werde, zeige sich der Straßenbaulastträger kompromissbereit. Sofern – die entsprechende Ingenieurleistung, sprich Verkehrszählung und -analyse, stehe noch aus – durch diese kombinierte neue Zufahrt nicht die Leistungsfähigkeit der L 232 beeinträchtigt werde. „Wir haben viele Stellen, an denen Menschen Grundstücke besitzen. Wenn wir allen Zufahrtswünschen nachgäben, käme alles ins Stocken“, verdeutlicht Sebastian, dass „Private“ heutzutage so gut wie keine Chance auf neue Anbindungen auf freier Strecke mehr hätten. Eine Schwimmhalle hingegen sei von öffentlichem Interesse, diene dem Wohl der Allgemeinheit.

Nun „mit Wohlwollen“ auf den Nachbarn an der Roermonder Straße zuzugehen, lautet in Folge der Rat des Straßen-NRW-Vertreters an die Stadt. Dieser profitiere ja letztlich auch von einer leistungsfähigeren Zufahrt.

Beigeordneter Migenda verweist darauf, dass Gespräche mit einem der Anlieger bereits laufen. Und gibt sich hoffnungsfroh: „Wir haben einen klaren Planungsauftrag der Politik, was Standort und Erschließung angeht, und gehen zielgerichtet vor.“ So erfolge als nächstes die Prüfung der Verkehrszahlen und die Klärung der Kosten. Wenn alles abgearbeitet ist, hat die Politik wieder das Wort. Zurzeit in Vorbereitung ist mit Blick auf die Abwicklung zudem die Ausschreibung für die Projektsteuerung. Was die Zeitschiene angeht, ist Migenda zurückhaltend: „Ich weiß, den Schwimmvereinen sitzt die Zeit im Nacken.“

„Sauber abarbeiten“

Zwar habe die Politik die Vorgabe gemacht, den Hallenneubau so schnell wie möglich umzusetzen, aber die Dinge gelte es auch „sauber abzuarbeiten“. So möchte er die Zeitvorgabe frühestens zusammen mit dem einzustellenden Projektsteuerer abstecken.

Insgesamt fünf Jahre waren für Planung und Bau der neuen Halle schon einmal veranschlagt worden, und damit ein „realistischer“ Fertigstellungstermin in 2023. Wenn es denn so käme, würde es die Vereine in dem Punkt zufriedenstellen, dass dann der Herzogenrather Schwimmverein (HSV) sein Hundertjähriges und der KSC sein 50-Jähriges in der neuen Halle feiern könnten. „Jeder Zeitpunkt früher wäre natürlich besser“, hat Egi Laufen auch die arg geschrumpfte Mitgliederzahl seines Vereins im Blick: Nur noch 343 Mitglieder hat der KSC zurzeit. In den Jahren 2013 und 2014 waren es noch 570 gewesen, dann musste die angestammte und mittlerweile längst abgerissene Schwimmhalle an der Zellerstraße geschlossen werden.

Immerhin fahren die KSCler zusammen mit den HSVlern im Euregio Swim Team gute Erfolge ein. Doch wie lange noch? „Nachwuchs zu trainieren, ist schwierig zurzeit“, gibt der KSC-Vorsitzende zu bedenken.

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