Herzogenrath: Kohle und Kumpels kennen keine Grenzen

Herzogenrath: Kohle und Kumpels kennen keine Grenzen

„Wir haben uns das nicht alleine ausgedacht“, sagt Dr. Jochen Helbig, „wir folgen dem, was man in den Niederlanden seit einiger Zeit praktiziert“. Denn gleich zwei Jubiläen und ein runder Geburtstag waren für den Verein Bergbaudenkmal Adolf Anlass genug, 20 Jahre nach seiner Gründung den ersten euregionalen Knappentag auf dem alte Zechengelände am Grube-Adolf-Park zu veranstalten.

Dabei hätte die Premiere eigentlich schon zum 96. Geburtstag der Dampffördermaschine von Adolf und 96 Jahre nach der ersten Förderung auf Adolf hier stattfinden sollen. „Das haben wir uns zu der Zeit nicht zugetraut“, gibt der Vereinsvorsitzende Helbig zu.

Schon damals gab es rege Kontakte zu den rührigen niederländischen Bergbauvereinen, die in der grenzüberschreitenden Region sehr aktiv sind. In Heerlen gab es schon im Juli 2008 den ersten Bergmannstag, an dem die Herzogenrather ebenso teilnahmen wie am zweiten so genannten „Mijnwerkersdag“ 2011 in Brunssum.

Das schon zu Kriegszeiten als „Digging and Dancing“ (Graben und Tanzen) bekannte Arbeiten und Feiern der Bergleute findet nun aber auf euregionaler Ebene endlich auch auf dem wunderbaren Adolf-Gelände seine Fortsetzung. „Dabei sind wir ganz bewusst euregional geworden“, wie der Vorsitzende des Vereins zu Bedenken gibt.

„Wir haben lange Wege, wenn wir ins Ruhrgebiet gehen, da liegen die Niederlande, Belgien und auch Frankreich näher“, lächelt er. Denn Kohle und Kumpels kennen keine Grenzen. Natürlich wird auch der Landesverband NRW der Berg- und Knappenvereine am kommenden Wochenende in Roda zu Gast sein.

Vorsitzender Uwe Emstepp hat sein Kommen fest zugesagt und wird am Samstag gegen 14 Uhr auch neben Bürgermeister Christoph von den Driesch ein Redner beim Empfang auf dem August-Schmidt-Platz sein. „Wir gehen übrigens ganz bewusst vom Adolf-Park quer durch Streiffeld zum August-Schmidt-Platz“, sagt Helbig. Denn die bis zu 370 angekündigten Bergleute aus Deutschland, Belgien und den Niederlanden werden nicht nur sehr schön anhand ihrer unterschiedlich farbigen Kluften zu erkennen sein.

Sie gemeinsam huldigen in Braun (Niederlande), ganz in Blau (Belgien) und mit blauem Hemd (Deutschland) mit dem Marsch durch Merkstein nicht nur der Bergbautradition am Ort und in der Euregio. „August Schmidt war auch ein wichtiger Motor der selbstständigen Gewerkschaften für jede Industrie“, weist Helbig auf die historische Dimension der Namensgebung hin.

Spannende Bergbaugeschichte

Wie spannend sich das Thema Bergbaugeschichte auch noch Jahrzehnte nach der letzten Förderung gestaltet, erleben die Vereinsmitglieder übrigens beinahe täglich. „Wir haben erst kürzlich herausgefunden, dass es auf den großen Lüftern noch Einschussstellen aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges gibt“, sagt er. Auch haben die Bergbaufreunde, die auf dem Gelände natürlich jeden mit dem passenden „Glück Auf!“ ansprechen, gelernt, dass der noch vorhandene Lüfter nicht der erste seiner Art war.

„Der Lüfter, der heute zu sehen ist, war eigentlich einmal ein Reservelüfter, der erste Lüfter ist nur auf einem einzigen Foto zu erkennen, was wir aber auch nur herausgefunden haben, weil uns jemand bei der Recherche geholfen hat“, berichtet Helbig. Er könnte noch Stunden so weitererzählen und zum Beispiel die Geschichte der Dampfmaschine aufrollen, die zwischenzeitlich schon mal in ein eigenes Gebäude umziehen sollte, weil geplant war, das Fördermaschinenhaus abzureißen.

Mit Blick auf solche Untaten, die in der Region überall begangen wurden und die sichtbaren Zeichen der hiesigen Bergbaugeschichte einfach auslöschten, schüttelt sich der Vereinschef. Er freut sich vielmehr, dass er sehr aktive Mitglieder gefunden hat, die die Sache mittragen. Auch wenn er sicherlich zum Beispiel angesichts des Restaurierungsbedarfs der in der Region einmaligen Lüftergehäuse noch Wünsche offen hat, freut er sich doch auf die anstehende Knappentags-Premiere.

(mabie)
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