Würselen/Herzogenrath: Klares Votum für Sperrung der Brücke

Würselen/Herzogenrath : Klares Votum für Sperrung der Brücke

„Für Frösche wird mehr getan als für Kinder!“ Für erstere ist ein Schutzzaun errichtet worden, Kinder indes laufen auf dem Bürgersteig des schmalen Mühlenwegs Gefahr, von Autos angefahren zu werden, die dem Gegenverkehr ausweichen. Entsprechend emotionsgeladen war die Stimmung am Donnerstagabend am Tannenweg. Die Anwohner von Mühlenweg und Ather Straße wollen nicht länger hinnehmen, was sie verkehrsmäßig tagtäglich unmittelbar vor ihrer Haustür erleben.

Unter dem Arbeitstitel „Schluss mit dem Verkehrswahnsinn in Bardenberg!“ hatten die Familien Palmen und Gossens zur Infoveranstaltung geladen, und im Hinterzimmer von Diana’s Sportschänke drängten sich erwartungsgemäß die Teilnehmer. Per Power-Point boten die Einlader unter anderem Kostproben lautstark pöbelnder Autofahrer im Begegnungsverkehr auf dem nur einspurigen Teilstück des Mühlenwegs. „Das erleben wir hier ständig“, kommentierte Andreas Gossens trocken, „eigentlich zur Belustigung, wenn das hier nicht alles so ernst wäre.“

Gossens wartete mit eindrucksvollen Zahlen offizieller Erhebungen auf: So waren im Juni 2017 innerhalb einer Woche 26.043 Fahrzeuge auf der Bardenberger Kirchenstraße gezählt worden. Im Mühlenweg waren es 11.346 Wagen. Über 25 Prozent der erfassten Fahrzeuge seien zu schnell unterwegs gewesen — auf der nur 2,95 Meter breiten Fahrbahn. Seit Jahren, so die Initiatoren des Protestes, sei man mit Stadt Würselen, Städteregion und der Polizei im Gespräch — Effekt seien die „Frankfurter Hütchen“ gewesen, rot-weiße Klötzchen, die als Begrenzung dienen und eigentlich verhindern sollen, dass Fahrzeuge darüber fahren. Doch, und auch dass konnten die Einlader mit Bildern belegen, diese würden regelmäßig aus der Verankerung gerissen. Vor allem Kinder auf dem Schulweg seien hier in Gefahr, wertete dies ein Anwohner gar als Verstoß gegen die Sorgfaltspflicht der Kommune.

Und Gossens schilderte weiter, dass ihm „Angst und Bange“ werde, wenn er an die Pläne der Herzogenrather denke, am Langenberg auf der anderen Seite des Tals ein Einkaufszentrum zu errichten — dass unter Umständen „von weit her“ Kunden anziehe. Bauchschmerzen bereitet den Anwohnern zudem der bevorstehende Umbau der Landesstraße 223 zwischen Birk und Herzogenrath mit entsprechendem Ausweichverkehr.

Schleichverkehr unterbinden und Kaufkraft erhalten formulierten die Veranstalter als Ziel und die Sperrung der Wurmbrücke als probateste Lösungsmöglichkeit — wie sie denn auch die deutliche Mehrheit der Besucher am liebsten sehen würden. Gossens führte vor Augen, dass die erheblich geeignetere, da besser ausgebaute Alternativroute nach Kohlscheid, nämlich über die Oststraße, zwar einen Kilometer länger, aber dafür auch eine Minute schneller sei ...

Bekanntlich liegt ein Antrag von SPD und FDP in Würselen vor, die Straße Alte Mühle vor der Brücke für Kraftfahrverkehr zu sperren, der von den Grünen unterstützt wird. Was Herzogenrath projektiere, so legte FDP-Fraktionschef Hans Carduck dem Auditorium ergänzend dar, sei „nicht seine Sache“, einen Kaufkraftverlust sehe er auch nicht, wohl aber wachsenden Verkehr und eine „wahnsinnige Steigerung“ bei den Autozulassungen. Da gelte es, Lösungen zu finden. In diesem Fall durch Sperrung der Wurmbrücke, bedauerte er, dass die interkommunale Zusammenarbeit in diesem Punkt „nicht funktioniert“.

Die UWG hat ergänzend einen Antrag auf Installation einer Ampelanlage eingebracht, „die — in Richtung Kohlscheid — ab dem Ende der Bebauung bis zum Ende der Gefällstrecke aufzustellen ist“ — mit Intervallschaltung für nur drei Fahrzeuge pro Grünphase. So könne die Verkehrssituation „deutlich entspannt“ werden, zeigte sich der stellvertretende UWG-Fraktionsvorsitzende Ralf Niederhäuser optimistisch. Das Publikum indes hörte viel lieber Heinz Vie-hoff (SPD) zu, Initiator des Sperrungsantrags, der „alles daran setzen will“, dass dieser auch umgesetzt wird: „Wenn die Politik beschließt, muss die Verwaltung mit Herzogenrath verhandeln. Wenn die nicht wollen, dann setzen wir den Poller einfach auf Würselener Seite. Dann muss Herzogenrath klagen.“

Von Herzogenrather Seite gibt es aber auch Unterstützung: vor allem seitens der UBL, deren Fraktionschef Bruno Barth an den abgelehnten Sperrungsantrag seiner Fraktion im Herzogenrather Stadtrat erinnerte und nun zur interkommunalen Bürgerbewegung aufrief: „Es geht nur über Bürgerproteste. Manchmal bewegen Politiker sich dann!“ Im Verlaufe der Diskussion erntete Barth seinerseits den Auftrag eines Bürgers, „Herrn Billmann zu überzeugen“, den CDU-Stadtverordneten, der fürs Offenhalten der Verbindung durchs Wurmtal votiere.

Den Sperrungsüberschwang dämpfen musste Bürgermeister Arno Nelles, der darauf verwies, dass niemand auf die Idee komme, Umleitungsverkehre auf den Mühlenweg zu leiten, und feststellte, dass die Kommune mit dem Lkw-Verbot auf der Brücke ihrer Pflicht juristisch schon nachgekommen sei (siehe auch „Nachgefragt“)

Eine Bilanz des Abends: Die Unterschriftenliste zur Unterstützung des Sperrungsantrags wird in die Kohlscheider Bürgerschaft weitergetragen. Kommentar

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