Würselen: Kindergarten als echten Wohlfühlort zeigen

Würselen: Kindergarten als echten Wohlfühlort zeigen

Vier Jahrzehnte sind vergangen, da der erste städtische Kindergarten an der Lessingstraße am 1. Oktober 1971 „ohne großen Pomp” eröffnet wurde. Da hatten die 65 Kindergartenkinder mit ihren zehn Erzieherinnen allen Grund zum Feiern. Da der Wettergott mitspielte, nahm eine wunderschöne Geburtstagsfete über Stunden bei strahlendem Sonnensein überwiegend unter freiem Himmel ihren Lauf.

Mit einem kleinen Programm gaben die Kids den Startschuss zum farbenfrohen Treiben. Eltern und Großeltern wurden durch die dargebotenen Tänze an ihre eigene Kindergartenzeit erinnert. Gemeinsam angestimmt wurde „Der Schornsteinfeger ging spazieren”, der auch schon in ihrer Kindheit „unterwegs” war.

Die Ehemaligen Flynn und Lena bereicherten das Programm mit Darbietungen auf Cello und Flöte. Gemeinsam bliesen Bürgermeister Arno Nelles und die Leiterin der Einrichtung, Marie-Luise Frank, die 40 Kerzen auf dem Geburtstagskuchen aus. Ein großer Chor aus Kindern und Ehemaligen, Eltern und Großeltern stimmten ein Geburtstagslied an.

Die Leiterin Marie-Luise Frank, die immerhin schon 39 Jahre, erst als Praktikantin, dann als Gruppenleiterin und seit 1980 als Leiterin Kindergartengeschichte an der Lessingstraße geschrieben hat, begrüßte neben dem obersten Repräsentanten der Stadt viele weitere Gäste von Rat und Verwaltung. Glückwünsche zum Jubiläum ihrer Einrichtung überbrachten die Leiterinnen der übrigen städtischen Einrichtungen und der beiden Kindergärten aus der Nachbarschaft. Bürgermeister Arno Nelles veranschaulichte, welche Aufgabe für die Gesellschaft in Kindertagesstätten wahr genommen wird: „Der Kindergarten ist ein Garten, in dem das Korn für die Zukunft gesät wird.”

Marie-Luise Frank zeigte auf, was sich in 40 Jahren geändert hat: „Aus dem Kindergarten ist eine Kindertagesstätte, aus der Kindergärtnerin eine Erzieherin geworden.” Seit fünf Jahren gebe es die U 3-Betreuung. Dazu sei das Gebäude im vergangenen Jahr um einen Schlafraum erweitert worden. Es war der zweite Anbau. 2001 war bereits ein weiterer Gruppenraum dazu gekommen. Franks Fazit: „Was ist geblieben ist, ist die Liebe zur Arbeit mit Kindern und der Kindergarten als Wohlfühlort.”

Anfangs für 90 Plätze ausgelegt

Dokumentiert war die Geschichte der Einrichtung an der Lessing-straße in Wort und Bild. Die damals noch selbständige Gemeinde Broichweiden hatte das Haus mit 90 Plätzen konzipiert und finanziert. Wie dem Tagebuch von Hans Strack, dem ehemaligen VHS-Leiter zu entnehmen ist, beliefen sich die Gesamtkosten auf 357.000 Mark. Vom Land bezuschusst wurde das Bauobjekt mit 157.000 Mark. Ein Jahr lang wurde an dem von Bauoberamtmann Hennes geplanten Kindergarten mit drei Gruppenräumen gebaut. Neben den Pfarrkindergärten in Weiden und in der Broicher Siedlung, die damals noch zu Broichweiden gehörte, war es die dritte Einrichtung in der Gemeinde.

Alle Anmeldungen für den neuen kommunalen Kindergarten - 120 an der Zahl - konnten berücksichtigt werden. Dazu Marie-Luise Frank: „Das war nur dadurch möglich, dass zwei Gruppen von je 30 Jungen und Mädchen abwechselnd vormittags und nachmittags betreut wurden. Zwei gleichstarke Gruppen konnten ganztägig untergebracht werden, also eine Art Schichtbetrieb.” Es seien Gruppenstärken gewesen, „die heute so nicht mehr denkbar sind”. Kaum eine Mutter sei berufstätig gewesen. „Die Kindergartenkinder waren älter - die meisten schon vier Jahre -, bevor sie zu uns kamen.” Die Kernzeiten von 8.30 bis 12 Uhr hätten ausgereicht. Heute sei an der Lessingstraße schon ab 7 Uhr Betrieb, die letzten Kinder würden erst um 16.30 Uhr abgeholt. Von den 65 betreuten Kindern sind 45 Mittagskinder. Für die Erzieherinnen ist Fortbildung eine Herausforderung, der sie sich mehr denn je stellen müssten, sagte Marie-Luise Frank.

Dass vor allem die kleinen Besucher der Geburtstagsfete auf ihre Kosten kommen konnten, dafür war auf vielfältige Weise gesorgt. Hochbetrieb herrschte am Schminkstand, aber auch bei der Feuerwehr, deren Fahrzeuge eine Runde nach der anderen durchs Viertel drehten. Musikalisch entführte das Duo Wolfgang Eichelmann/Hans Vonhoegen in die 70er. Der Kontrast dazu war die junge Band „Short Staffed” mit ihren rockigen Einlagen.