Würselen: Kein Geld für Parkplätze oder Parkanlage

Würselen: Kein Geld für Parkplätze oder Parkanlage

Was wird aus der immerhin rund 1300 Quadratmeter großen Asphaltfläche zwischen „An St. Sebastian“ und der Kirchmauer in Würselen? Sie ist nach dem Innenstadtumbau seit geraumer Zeit quasi als trister Gegenentwurf übriggeblieben.

In Anlehnung an Rilkes Herbsttag darf man wohl mit Fug und Recht behaupten: Wer jetzt kein Haus hat, baut sich jetzt (dort) keines mehr. Die einst preisgekrönten Pläne im Rahmen des Programms „Stadt macht Platz — Land macht Plätze“, die dort moderne „Markthäuser“ vorsahen, sind von den meisten in Bausch und Bogen verdammt worden, und auch im Rat fand sich keine Mehrheit für eine Hochbebaung.

Rund 200.000 Euro Baukosten

Aber auch der Tiefbau spaltet die Entscheidungsträger im Rathaus in Lager: mehr oder weniger als begrünter Parkplatz oder doch als Parkanlage, die einem Eingangstor in die Innenstadt würdig sein soll. Einen provisorischen Parkplatz aufzumalen, wie einst von der FDP gefordert, damit konnte sich der Stadtentwicklungsausschuss nun gar nicht anfreunden. Die Politik beauftragte auf Initiative der UWG im Februar die Verwaltung, eine Planung auszuarbeiten, wie die Anlage von Parkplätzen mit einer großzügigen, parkähnlichen Begrünung aussehen könnte. Vom zuständigen Fachbereich 3 wurden nun vier Varianten für die 1320 Quadratmeter zu gestaltende Fläche vorgelegt.

Variante 1 sieht 20 Parkplätze und 240 Quadratmeter Grünfläche vor. In Variante 2 sind zwölf Stellplätze und 360 Quadratmeter Grün. Die dritte Variante weist sieben Parkplätze und 420 Quadratmeter Grünfläche aus. In Variante 4 sind gar keine weiteren Parkplätze vorgesehen, die 800 Quadratmeter sind als Grün- und Aufenthaltsflächen konzipiert. Die Baukosten schätzte die Verwaltung für Variante 1 auf 207.730 Euro, für Alternative 2 auf 201.010 Euro, für Plan 3 sind es 197.200 Euro und für die reine Grünanlage sind es 195.420 Euro inklusive sechs Bänke für 21.000 Euro. Die Kosten für ein eingezeichnetes Wasserbecken sind jedoch noch nicht enthalten.

Unter dem Strich gibt es bei der Finanzierung der Varianten gar keine großen Abweichungen. Aber die Kosten für den Pflegeaufwand erhöhen sich mit der Größe der Grünfläche, gibt die Verwaltung zu bedenken. Die befestigten Flächen müssten ohnehin gekehrt und im Winter gestreut, Wildkraut, Laub und Müll beseitigt werden. In den Grünflächen beziehungsweise Beeten sei in den ersten Jahren ein intensiverer Aufwand für Wildkrautbeseitigung und Mulchen erforderlich, später müssen die Gehölzpflanzungen zweimal im Jahr zurückgeschnitten werden. Neu gepflanzte Bäume müssten in den ersten zwei Jahren regelmäßig gewässert werden, danach nur noch bei extremer Trockenheit. Sie müssten alle zwei Jahre, ab dem zehnten Jahr alle vier Jahre geschnitten werden. Hinzu komme die jährliche Baumkontrolle.

Empfohlen wird Variante 2

Nach Auskunft der Kommunalen Dienstleistungsbetriebe Würselen (KDW) sei eine präzise Kostenschätzung erst möglich, wenn genaue Daten bezüglich der Bepflanzung, Technik und der verbauten Produkte vorliege. Dies gelte insbesondere für die Unterhaltung eines Wasserbeckens.

Nach Auffassung der Verwaltung „ist die Fläche aufgrund ihrer Lage an den stark befahrenen Straßen nicht geeignete für eine attraktive Grünfläche mit Aufenthaltsqualitäten“. Es werde jedoch an dieser für das Stadtbild herausragenden Stelle für notwendig gehalten, die zurzeit nur provisorisch hergestellte Parkplatzfläche endgültig auszubauen und mit Grünelementen zu gestalten. Wie die Beobachtungen in den letzten Monaten gezeigt hätten, seien neben den an den neu ausgebauten Straßen vorhandenen Parkplätzen zusätzliche Parkplätze erforderlich, insbesondere bei Gottesdiensten, Beerdigungen und anderen Veranstaltungen in der Kirche. So empfiehlt die Verwaltung deswegen, die Variante 2 mit zwölf Parkplätzen und 360 Quadratmeter Grünfläche zu realisieren.

Provisorium lebt länger

Da die Verwaltung die Ausführungsplanung nicht mit eigenem Personal erstellen könne, seien neben den Baukosten von rund 200.000 Euro auch die Planungskosten von etwa 20.000 Euro zur Realisierung des Ausbaus erforderlich. An einer zügigen Umsetzung des Ausbau ist laut Stadtverwaltung in Anbetracht der finanziellen Situation allerdings nicht zu denken: „Die Gesamtkosten können zurzeit im städtischen Haushalt nicht aufgebracht werden, so dass das vorhandene Provisorium noch länger bestehen bleibt.“ Ob sich die Politik damit abfinden wird, wird sich am Donnerstag, 4. Dezember, 17.30 Uhr, im Rathaus erweisen. Dann wird im Ausschuss für Umwelt und Stadtentwicklung sicherlich erneut die Forderung nach provisorischen Parkplätzen laut.