Baesweiler: „Keimzelle“ ITS in Baesweiler besteht seit 25 Jahren

Baesweiler: „Keimzelle“ ITS in Baesweiler besteht seit 25 Jahren

Als das Ende des Bergbaus besiegelt war, schien Baesweilers Zukunft keinen Pfifferling mehr wert zu sein. 1975, nach dem Aus der Zeche Carl Alexander und dem Wegfall von knapp 6000 Arbeitsplätzen, sah es aus, als werde die Stadt dramatisch schrumpfen. „Die Kaufleute bei uns haben damals die Schwarzen Fahnen gehisst. Da ging gar nichts mehr“, erinnert sich Bürgermeister Dr. Willi Linkens an diese Zeit.

Mindestens 5000 Bürger weniger in ein paar Jahren — das war seinerzeit die Prognose. Und sie hätte sich beinahe erfüllt. Strukturwandel war zunächst gar kein Thema. „Damals dachte man zunächst, dass Baesweiler nur als Wohn- und Schlafstatt weiter existieren kann“, sagt Linkens. Es sollte dauern — und zwar bis Mitte der 1980er Jahre — bevor das in Fahrt kam, was die Stadt heute prägt und ihr ein ordentliches Wachstum beschert hat: eine nachhaltige Wirtschaftsförderung, wie sie seit 25 Jahren im Internationalen Technologie- und Servicecenter (ITS) koordiniert wird.

Vom Land aufgefordert

Unsere „Keimzelle“, so nennt Linkens das ITS gern. Denn am Arnold-Sommerfeld-Ring sprießt das, was später im Umfeld weitere Wurzeln treiben soll. Dort können kleine Firmen erste Schritte tun. „Das Konzept war und ist, jungen Unternehmen, die ein hohes Investitionsrisiko scheuen, ein fertiges und umfangreiches Raum- und Serviceangebot zu bieten.“ 1989 wurde der von Land und Bund zu 80 Prozent geförderte erste Bauabschnitt fertig, bereits 1991 folgte der zweite. „Anschließend hat uns das Land sogar aufgefordert, auch noch einen dritten zu realisieren“, sagt Linkens. 61 Büroräume gibt es in den drei Abschnitten, Laborflächen, Konferenz- und Schulungsräume. Die Auslastung lag im Lauf der Jahre nie unter 90 Prozent, oft sogar über 100 Prozent. „Wir hatten am Anfang noch Duschräume eingebaut, aber es stellte sich heraus, dass die nicht so gebracht wurden“, sagt Linkens. Und so wurde auch dort Platz für Firmen geschaffen.

Platz wird knapp

Keimzelle: der Begriff scheint gut zu passen. „Fast 100 Unternehmen haben als kleine Pflänzchen begonnen und das ITS nach erfolgreicher Startphase verlassen.“ Raus aufs freie Feld — das inzwischen allerdings knapp geworden ist. Immer wieder wurden neue Bereiche erschlossen, zuletzt kam die so genannte „Nordspange“ hinzu.

Mittlerweile umfasst das Gewerbegebiet gut 69 Hektar — vom Beggendorfer Ortsrand bis hin zum Fuß der Bergehalde. „Wir haben derzeit nicht mehr viele Flächen“, sagt Linkens, „aber in zwei, drei Jahren werden wir sicher noch weitere brauchen.“

Wie das Gewerbegebiet weiter wachsen kann, wird sich zeigen. Dass so viele der ehemaligen ITS-Mieter der Stadt treu geblieben sind, freut den Bürgermeister in jedem Fall. Mehr als 50 Firmen sind ins Gewerbegebiet umgezogen. Hinzu kommen die, die von sich aus die Nähe zum ITS gesucht haben. „44 Firmen haben sich für Baesweiler entschieden, weil sie von dem Serviceangebot profitieren wollen.“ Insgesamt 2000 geschaffene Arbeitsplätze verzeichnet das ITS im Jubiläumsjahr in seiner Bilanz. Im gesamten Gewerbegebiet arbeiten rund 3500 Menschen. Ein kleines Pflänzchen im ITS — das war auch Dirk Pfeifferling mal. Als studentische Hilfskraft hatte er 1988 bereits die Konzeptentwicklung dessen begleitet, was er heute gemeinsam mit Linkens als Geschäftsführer betreut. „Der fährt tolle Erfolge ein“, lobt Linkens Pfeifferlings Leistung, die auch international beachtet wird. Vor allem im Bereich Biotechnologie ist Baesweiler als Standort durchaus zu einem „global player“ geworden. „BioTec“-Firmen aus aller Welt haben sich bereits im ITS niedergelassen. „Die profitieren von dem direkten Nebeneinander ebenso wie von der Nähe zum Aachener Hochschulstandort oder dem Jülicher Forschungszentrum“, sagt Linkens. Zukunftstechnologie — an einem Ort, dem lange keine Zukunft beschieden schien.

Vorstellen will sich das ITS zum 25-Jährigen bei einem Tag der offenen Tür, der am 1. Juni stattfinden soll. Auch einzelne Firmen sollen dann ihre Räume und Angebote präsentieren.