Würselen: Kaufkraftverlust in Bardenberg befürchtet

Würselen: Kaufkraftverlust in Bardenberg befürchtet

Gabriele Lafendt findet es natürlich gut, dass in die Zukunft des Medizinischen Zentrums (MZ) kräftig investiert wird, sagt sie im Gespräch mit unserer Zeitung. Allerdings befürchtet die Vorsitzende des Marketingvereins Bardenberg, dass die geplante Umstrukturierung den Standort Bardenberg und das Umfeld schwächen könnte.

Rund 22 Millionen Euro werden bereits am MZ-Standort Marienhöhe investiert, im Rahmen des Masterplans 2018 sollen weitere 18 Millionen Euro folgen, von denen ein Teil in Bardenberg verbaut werden soll. Eigner Städteregion Aachen und Knappschaft Bahn-See wollen demnach, wie von Städteregionsrat Helmut Etschenberg vorgestellt, am Standort Bardenberg Urologie, Gynäkologie und Geburtshilfe konzentrieren.

Kaufkraft in Gefahr: Die Vorsitzende des Marketingvereins, Gabriele Lafendt, befürchtet angesichts des MZ-Masterplans unterm Strich Nachteile für Bevölkerung und Kaufleute in Bardenberg. Foto: Karl Stüber

Zudem soll hier die gesamte Aus- und Fortbildung in Alten- und Krankenpflege in Verbindung mit einem Konferenzzentrum konzentriert werden. Weiterhin will die Städteregion Aachen in diesem Würselener Stadtteil das Amt für Altenarbeit und das Altenseminar der Städteregion unterbringen. Die anderen medizinischen Bereiche des MZ werden alle am Standort Marienhöhe konzentriert. So schrumpft die Bettenzahl in Bardenberg von 278 auf nur noch 116.

„Kaufleute sind Nahversorger“

Unsere Zeitung stellt im ersten „Würselener Stadtgespräch“ am Mittwoch, 20. November, in Kooperation mit dem MZ und mit Unterstützung der Stadt Würselen das Thema Masterplan im Alten Rathaus an der Kaiserstraße zur Diskussion, Beginn 19.30 Uhr. Interessierte Bürger sind hierzu herzlich eingeladen.

Die Bardenberger Kauffrau Gabriele Lafendt, Inhaberin von „Pfennings, Papier, Ideen und mehr“ an der Dorfstraße und eines weiteren Geschäfts an der Kaiserstraße in Würselen-Mitte, sieht gerade in der Reduzierung der Bettenzahl einen Kaufkraftverlust in Bardenberg. Sie macht das vor allem an den Besuchern der Patienten fest.

„Mal kommen an einem Tag drei, mal gar kein Besucher, aber im Schnitt bestimmt ein Besucher pro Tag und Patient“, schätzt sie. Da wird schnell vor Ort noch was eingekauft als Mitbringsel. Oder aber frisch Eingelieferten fehlt noch etwas, was um die Ecke schnell besorgt werden kann. Mit Genesenden wird die Gastronomie besucht, nennt Lafendt Beispiele fürs Geldausgeben dank Krankenhaus.

Heißt: Weniger Betten gleich weniger Umsatz. Lafendt glaubt nicht, dass die angekündigten Schüler in Sachen Kranken- und Altenpflege für Frequenzausgleich sorgen. „Für diese zumeist jungen Leute dürften wir zu dörflich sein“, befürchtet sie. „Wir Kaufleute sind hier Nahversorger. Hier findet in der Regel kein Erlebnisshoppen wie auf der Kaiserstraße in Mitte statt“, will sie nicht Äpfel mit Birnen vergleichen.

Aber wer in Bardenberg lebt, findet (fast) alles Notwendige in seiner Nähe. Leider habe der Schleckermarkt ersatzlos dichtgemacht, so dass als Discounter noch der Netto-Markt bleibt. Ansonsten seien die Branchen nicht schlecht besetzt. Das gelte etwa für Radio/HiFi, Textilien, Friseure, Optiker, Apotheken, Bäckerei, Fleischerei, Blumenladen, Schreibwarenbedarf, Lotto, Poststelle, Banken, Café, Eiscafé, Gaststätten und Schnellimbiss. „Für ausgefallenere Dinge muss man leider fahren.“

Zurück zum Masterplan: „Noch gravierender finde ich die Auswirkungen auf die beim MZ Beschäftigten, die in Bardenberg wohnen und teilweise ihre Häuser gebaut haben“, sagt die Vorsitzende des Marketingvereins. Diese würden einen Großteil ihres Bedarfs in den Geschäften vor Ort decken.

Wenn diese nun nach Marienhöhe versetzt werden, sei die Wahrscheinlichkeit groß, dass sie die Fahrt zur und von der Arbeit zurück zum Einkaufen in anderen Geschäften nutzten. Mittelfristig sieht Lafendt gar die Gefahr, dass Mitarbeiter des Krankenhauses Bardenberg gänzlich Richtung Würselen-Mitte verlassen, Immobilien leerstehen und die Preise für Häuser generell fallen. „So ein Eingriff in die Strukturen zieht einen Rattenschwanz von Auswirkungen nach sich“, sagt sie zu den Plänen des MZ.

Skeptisch sieht sie das Vorhaben des Medizinischen Zentrums, die Krankenhausreserveflächen am Standort Bardenberg neben dem alten Schwesternwohnheim zu vermarkten und dort Bauland für neue Häuser zu schaffen. Ist ein weiteres Neubaugebiet in Bardenberg nach dem „Vier-Höfe-Viertel“ und „Schützenwiese“ vermarktungsfähig? Was ist mit leerstehenden Häusern im Altbestand? Natürlich würde sie es aus Sicht der Kaufmannschaft begrüßen, wenn Neues entstünde. Mehr Bürger seien natürlich willkommen.

Lafendt bedauert sehr, dass der einst gut laufende Marketingprozess eingeschlafen ist. Vor Jahren habe der Marketingverein noch regelmäßig mit Vertretern der Stadt Würselen und den Kaufleuten anderer Ortslagen sowie Verbänden an einem Tisch gesessen und sich unterhalten. „Es hat da ein ganz anderen Austausch und einen besseres Verständnis füreinander gegeben“, erinnert sie sich.

Gerne würde sie sehen, dass daran wieder angeknüpft werde. Auch die Aktivitäten sollten sich gelichmäßig auf die Ortslagen, so auch Bardenberg, verteilen. Vielleicht bringt die Diskussion um die Neuaufstellung des Medizinischen Zentrums die Chance, wieder in einen intensiveren Austausch in Fragen der Entwicklung der Ortslagen und des Marketings einzutreten, hofft sie.

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