Kerkrade: Karneval in Kerkrade bald ein Feiertag?

Kerkrade : Karneval in Kerkrade bald ein Feiertag?

Angefangen hat die Petition einer niederländischen Brauerei als Spaß: In einem Werbespot tritt der ehemalige niederländische Fußballprofi Björn van der Doelen als eine Art Che-Guevara-Figur auf, die für die Einführung von offiziellen Feiertagen an Karneval kämpfen will.

Dieser nicht ganz ernst gemeinte Werbefilm hat aber mittlerweile große Wellen geschlagen: Die Brauerei hat angekündigt, die Petition dem Parlament vorzulegen. Denn innerhalb kurzer Zeit hatten beinah 100.000 Niederländer ihre Unterschrift unter den Antrag der Petition gesetzt.

Dass Karneval vor allem im Süden der Niederlande (Limburg und Nordbrabant) eine lange Tradition hat, ist gerade für die Grenzgänger längst bekannt.

Die Karnevalsvereine aus dem Dreiländereck laden sich gegenseitig zu Umzügen und Veranstaltungen ein. Prinzenproklamation, farbenfroh kostümierte Menschen und Kamelle — die Niederländer im Süden und damit vor allem auch in Kerkrade und Maastricht sind genauso jeck wie jene Karnevalisten in der Region und feiern auch genauso lang und ausgelassen wie hierzulande.

Tradition wahren

Dass die Karnevalsvereine in Kerkrade die Idee daher begrüßen, verwundert nicht. Der Bürgermeister von Kerkrade, Jos Som, sieht das allerdings etwas anders. Er sagt: „Karneval muss kein nationaler Feiertag werden. Wer feiern möchte, kann das auch so.“ Die Arbeitgeber seien da sehr verständnisvoll. Die meisten feierten die Tradition ja ohnehin selbst. So wie Soms. Er mag die Tradition. Er ist allerdings auch der Auffassung, dass jeder, der möchte, dass eine Tradition bewahrt wird, sich auch selbst um den Erhalt dieser kümmern muss.

„Man muss die Tradition des Karnevals spüren und dafür brennen“, sagt Som. Er könne verstehen, dass Karneval für einige eine größere Bedeutung hätte, als so manch anderer Feiertag. Aber er bleibt dabei: Er würde sich bei einem Referendum gegen eine Einführung als nationalen Feiertag aussprechen.

In den Niederlanden ist jeder Bürger berechtigt, eine Petition dem Parlament vorzulegen. 300.000 Stimmen von Wahlberechtigten sind nötig, um ein Verfahrenbeginn zu erzielen. Wenn der Antrag genehmigt würde, müssen die Petitenten innerhalb von sechs Monaten mindestens besagte 300.000 Unterschriften erhalten, um ihre Anfrage beim Parlament vorlegen zu dürfen. Der Wahlrat prüft dann, ob genügend gültige Unterschriften vorhanden sind und entscheidet, ob ein Referendum durchgeführt werden soll.

Allerdings sind nicht alle Gesetze und Verträge zugelassen. Zum Beispiel kann kein Referendum über das Königshaus oder die Budgets beantragt werden. Im Falle des Feiertags an Karneval wäre rechtlich gesehen ein Referendum zumindest möglich. Das unabhängige Referendum-Komitee bestimmt das Datum des Referendums, das innerhalb von sechs Monaten nach der Entscheidung des Wahlrats stattfinden muss. Bis zur eventuellen Umsetzung könnte es also ohnehin noch etwas dauern.

„An Karneval frei zu haben, wäre toll“, sagt Raymond Vlecken, Präsident der Karnevalsvereine der Provinz Limburg, Vizepräsident der Närrischen Europäischen Gemeinschaft (NEG) und Bürgermeister von Landgraaf.

Allerdings könnte es an der Umsetzung am Ende scheitern. Die Provinzen seien nicht so autonom, wie die Bundesländer in Deutschland. Man könne Karneval zwar beispielsweise auch nur in Limburg als Feiertag einführen, das sei aber trotzdem an nationale Richtlinien geknüpft.

Ein anderes Problem könnten die Ladenöffnungszeiten in den Niederlanden sein. Anders als in Deutschland haben die meisten Supermärkte sonntags und auch an Feiertagen geöffnet. Sollte Karneval als nationaler Feiertag eingeführt werden, müsste geklärt werden, wie die Öffnungszeiten an diesen Tagen gestaltet werden.

Diskussion im Netz

Generell gibt es in Sachen Brauchtum kaum einen Unterschied zwischen dem deutschen und dem niederländischen Karneval. Für die meisten Rheinländer ist der Rosenmontag traditionell der Höhepunkt der Session — viele Umzüge finden an dem Tag statt.

In Limburg ist das anders. Da feiert der Straßenkarneval an Veilchendienstag Finale. An diesem Tag steht meist alles im Zeichen des traditionellen „Klonetrekke”. Tausende zelebrieren jedes Jahr auf dem Kerkrader Marktplatz und in den umliegenden Straßen, die für sie schönste Zeit des Jahres. Für viele geht es dabei auch um die Frage, wer der schönste Clown im Lande Limburg ist. Ein Wettbewerb entscheidet darüber.

Im Netz wurde unter dem Hashtag #carnavalvrij über die Einführung des nationalen Feiertags diskutiert. Auf Youtube wurde das Video knapp eine halbe Million Mal aufgerufen. Aber nicht alle begrüßen das Vorhaben. Wer Karneval feiern möchte, solle sich frei nehmen, lautet der Tenor. Vor allem im protestantisch geprägten Norden der Niederlande hat Karneval kaum eine Bedeutung. Für viele, so heißt es im Netz, gehe es im Karneval nur ums Trinken und Tanzen. Mit Tradition habe das wenig zu tun.

Jetzt müssen alle Beteiligten erst einmal abwarten, ob es überhaupt zu einem Referendum kommt.

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