Würselen: Kapelle auf dem Gnadenhof ist fast fertig

Würselen : Kapelle auf dem Gnadenhof ist fast fertig

Die letzten Stangen werden abgeladen und zusammengesteckt, dann noch das obligatorische Werbebanner — fertig. Peter Küppers lächelt in sich hinein. Mit in die kurze Hose gestecktem Polo-Shirt und weißer Kappe steht er vor seiner fast fertigen Kapelle auf dem Gelände des Euchener Gnadenhofs und stellt zufrieden fest: „Keinen Cent bezahlt.“

Die Dürener Gerüstbauer hatten über drei Ecken gehört, dass die ehrenamtlichen Helfer des Tierschutzverein „Die Arche“, die an der Kapelle mitbauen, mit der Dachabdeckung Mühe hatten und sprangen sofort ein.

Letzte Handgriffe am Gerüst an der Kapelle: Jetzt können die ehrenamtlichen Helfer das Dach mit Teerpappe abdecken. Feldbrandsteine und schmiedeeiserne Tür: Peter Küppers vom Gnadenhof in Euchen erzählt, wie froh er ist, Material und Arbeitskraft kostenlos zur Verfügung gestellt zu bekommen. Foto: Verena Müller

Der Gnadenhofleiter weiß das zu schätzen, man muss aber auch sagen, dass Küppers immer sagenhaftes Glück hat. Die schmiedeeiserne Verzierung der Fenster und Tür: eine Schenkung des Landwirts, von dem der Gnadenhof das Heu bezieht. Ein geschätzt 100 Jahre altes Kreuz: eine Schenkung aus einem Nachlass, für den keine Erben ermittelt werden konnten. Die Feldbrandsteine der Außenwand: Überreste eines Hauses in Morsbach, von einem Abrissunternehmen kostenlos vorbeigebracht. Und so weiter.

In vier Wochen könnte die Kapelle schon fertig sein, rechnet Küppers. Die Baugenehmigung wurde in der vergangenen Woche erteilt.

Eigentlich den Papst einladen

Ursprünglich sollte der Andachtsraum unter doppelten Schutz gestellt werden: Franz von Assisi und Papst Franziskus. Den Papst wollte Küppers — mehr im Scherz — sogar einladen. Nicht in der Erwartung, dass dieser tatsächlich zur Einsegnung erscheine, aber in der Hoffnung, ein freundliches Schreiben aus Rom zu erhalten. Aber inzwischen hat der 75-Jährige überlegt, dass eine Einsegnung durch die örtliche Geistlichkeit auch genügt. 60 Kinder von der ortsansässigen Kita erwartet Küppers außerdem, deshalb wird die Einsegnung wohl auch erst nach den Sommerferien erfolgen.

Bis dahin findet der Feinschliff statt: Neben der Dachabdeckung, die später durch Schiefer ersetzt werden soll, muss noch Glas in die Fenster eingesetzt werden, drinnen verputzt Küppers gerade die Wände. „Ein bisschen was darf ich auch selbst machen“, sagt er und lacht. Fünf Helfer — darunter ausgebildete Handwerker — stehen ihm zur Seite. Geredet wird wenig, gearbeitet viel. Hartmut Schwall fährt mit Werkzeug in der Schubkarre hin und her, bis Küppers ihn mit heiserer Stimme ins Haus ruft: „Kaffee! Hartmut!!! Kaffee ist fertig!“ Der brummt nur: „Gleich trinke ich Kaffee“ und kramt weiter.

Küppers lobt derweil seine Helfer — nicht nur beim Kapellenbau, sondern insgesamt auf dem Arche-Gelände mit seinen aktuell rund 100 Tieren — ob ihres Fleißes und Durchhaltevermögens. „Jeden Montagmorgen kommt der Hartmut“, erzählt Küppers. Wenn der Aachener sich mal verspätet und wie heute erst um kurz nach neun aufkreuzt, machen sich er und die Vorsitzende des Tierschutzvereins, Claudia Blumberg, gleich Sorgen. Zum Glück unbegründet. Hartmut Schwall geht es gut, er werkelt im Inneren der Kapelle.

„Das wird traumhaft“

Küppers will in dem Andachtsort Denkanstöße geben. Etwa: Haben Tiere eine Seele? Innen steht ein kleiner Tisch (kein Altar, wie Küppers betont), der aus Beton gegossen auf zwei Beinen steht. Die Platte ist in die Hinterwand eingelassen. Die Tischoberfläche soll später eine schwarze Granitplatte zieren. Der überwiegende Rest der Innenausstattung ist weiß geplant. „Das wird traumhaft“, schwärmt Küppers und man glaubt ihm das sofort.

Außen, in Nischen eingelassen, stehen Steine. Jedem soll ein besonderes Tier des Gnadenhofs zugewiesen werden — und weil sich Küppers sichtlich schwer damit tut, ein Tier einem anderen vorzuziehen, ist zusätzlich an einer Bank in der Nähe der Kapelle eine Art Galerie geplant. Eine „Bank der Erinnerung“, wie der 75-Jährige sagt.

Wenn man Küppers aber fragt, welches Tier ihm als erstes einfällt, das verewigt werden muss, dann ist es ein Haflinger namens Windsor. Küppers hatte, als Besucher in einem Krankenhaus, ein Gespräch mitbekommen, in dem ein Patient sagte, das Pferd solle erschossen werden. Wie sich herausstellte hatte der Patient, ein Landwirt, Windsor vor eine Kutsche gespannt, woran das Tier aber nicht gewöhnt war. Es trat nach hinten aus — und traf den Landwirt, der aufgrund seiner Verletzungen stationär behandelt werden musste.

Küppers sprach den Mann an, der sich bereiterklärte, ihm den Hengst zu überlassen. Damals war das Tier zehn Jahre alt, zweimal so lang sollte es auf dem Gnadenhof noch leben und der Liebling der Kinder werden. Schließlich starb er an einem Schlaganfall. Und das ist nur eine von wahrscheinlich Hunderten anrührenden Geschichten, die Küppers erzählen könnte.

Mit der Kapelle werden sie am Leben gehalten, erinnern daran, wie wichtig es ist, nicht nur mit seinen Mitmenschen, sondern mit allen Lebewesen mitzufühlen. Und wie wichtig Einrichtungen wie die Arche sind.

In der Zwischenzeit, während Küppers erzählt hat, sind die Dürener Gerüstbauer aufgebrochen, der nächste Auftrag wartet. Und Hartmut Schwall ist Claudia Blumberg und Peter Küppers ins Haus gefolgt. Nachher geht es weiter. Unermüdlich, auch in der sengenden Sonne.

Mehr von Aachener Nachrichten