Würselen: Kälte bringt MZ an die Kapazitätsgrenze

Würselen: Kälte bringt MZ an die Kapazitätsgrenze

Nein, auf den Fluren stehen die Betten in den beiden Betriebsteilen des Medizinischen Zentrums (MZ) in Bardenberg und auf Marienhöhe nach eigenen Angaben nicht. Doch die Kapazitätsgrenze ist in den internistischen Abteilungen nahezu erreicht. Schuld daran ist - wen wundert´s dieser Tage - wieder einmal das Wetter.

Die Fälle, mit denen es Ärzte und Pflegekräfte der Inneren Medizin derzeit zu tun haben, erfordern eine intensive Betreuung.

Dr. Heribert Fritz, Leitender Oberarzt Innere Medizin im Betriebsteil Marienhöhe, und sein Team haben es „momentan vermehrt mit drei Diagnosegruppen zu tun”: Patienten mit schweren Infekten der Atemwege mit Lungenentzündungen; Menschen mit Noroviren, die eine schwere Magen-Darm-Erkrankung auslösen; Angina-Pectoris-Patienten, die mit Schmerzen in der Brust eingeliefert werden.

„30 bis 40 Patienten mehr als an Durchschnittstagen” verzeichnet Dr. Christian Köhne, Medizincontroller des MZ.

Hohe Belastung

32 Betten hat die Abteilung Innere Medizin auf Marienhöhe, zurzeit müssen in viele Zimmer zusätzliche Betten gestellt werden, um des Andrangs Herr zu werden. Von einer „hohen Belastung auch für das gesamte Personal” spricht deshalb Oberarzt Fritz. Apropos hohe Belastung: Diese ist verantwortlich für die teils schwerwiegenden Erkrankungen, die zurzeit am MZ diagnostiziert werden.

Denn bei den eisigen Temperaturen ist der - in hiesigen Breiten kälte-ungewohnte - Körper stärker als sonst gefordert. Das kann bei Menschen mit verengten Herzkranz-Arterien zur lebensbedrohlichen Gefahr werden.

„Es ist ein Reflex unseres Körpers auf die Kälte”, erklärt Dr. Heribert Fritz. „Die Gefäße ziehen sich zusammen, die Durchblutung wird zurückgefahren, das Herz muss mehr pumpen.”

Wer dann unter einer Verengung leidet, kann Durchblutungsprobleme des Herzens bekommen - eine Angina Pectoris. Der Mediziner rät zur Vorbeugung: „Sich warm kleiden und nicht übermäßiger Kälte aussetzen.”

Mit schweren Atemwegsinfekten und Lungenentzündungen liegen derzeit vor allem ältere Menschen, Diabetiker und generell Immunschwache Patienten in den MZ-Betten. Auch das Norovirus entwickelt vornehmlich in der kalten Jahreszeit seine größte Angriffslust auf das menschliche Immunsystem.

Oberarzt Dr. Heribert Fritz spricht von einem „wellenförmigen Auftreten des Phänomens”, das aktuell sogar zur Sperrung von vier Zimmern auf der Station für Unfallchirurgie führt. In zwei Zweibettzimmern ist das Virus sicher nachgewiesen, in den anderen beiden „sehr wahrscheinlich”, wie Falko Rapp, MZ-Geschäftsführer, bestätigt. Zu diesen maximal acht Norovirus-Patienten gesellt sich eine infizierte Pflegekraft.

Mit einem „strikten Hygiene-Regime”, so Rapp, will das MZ Neuaufnahmen und Personal schützen. „Wir haben bereits gute Erfahrungen damit gemacht.” Bis zur Wochenmitte soll´s mit den vor allem für ältere Menschen gefährlichen Noroviren - Erbrechen und Durchfall führen schnell zu Austrocknung - sowie der Patienten-Isolation vorbei sein.

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