Baesweiler: Junggesellen lassen es bei Prunkkirmes in Baesweiler wieder krachen

Baesweiler : Junggesellen lassen es bei Prunkkirmes in Baesweiler wieder krachen

Die lange Fahrt aus dem Département Yvelines hatte sich für die französischen Partnerstädter mehr als gelohnt. Aus der Stadt Montesson im Westen von Paris hatte sich die kleine Truppe um Bürgermeister Jean-Francois Bel aufgemacht um den Freunden aus Baesweiler einen neuerlichen Besuch abzustatten.

Bei subtropischen Temperaturen glich die Reise einem Aufenthalt in der Südsee — „Prunkkirmes“ und rheinländisches Brauchtum brachten jedoch die Unverkennbarkeit der Region in den Vordergrund.

Baesweilers Junggesellen widmen sich traditionell in diesen Tagen der Verzierung der Innenstadt. Am „Alten Brauhaus“ wartete am Samstagnachmittag der knapp 27 Meter hohe Maibaum auf seine Reise. Mit einem satten Schwall Bier wurde das Gehölz von Heinz Classen (ehemaliger Hauptmann des Junggesellenvereins Baesweiler) getauft und sogleich von den kräftigen Kollegen geschultert.

Bei Freunden zu Gast

Unter der professionellen Anleitung der Feuerwehr Baesweiler und dem Jubel der gut 300 Schaulustigen an der Kapellenstraße wurde der geschmückte Stamm Zentimeter für Zentimeter in die Halterung eingelassen. Nicht nur Tobias Hermanns (Vorsitzender), Dennis Ortmanns (2. Vorsitzender) und Adjutant Holger Frohnrath lief der Schweiß über die Stirn — das gute Stücke brachte geschätzt zwei bis drei Tonnen auf die Waage.

Gebannt verfolgten auch die 46 Gäste aus Nordfrankreich das bunte Treiben. Tags zuvor kam der Tross in der Löwenstadt an. Marco Engels vom Kulturamt der Stadt Baesweiler hatte im Vorfeld für eine fruchtbares Miteinander geworben. Viele Baesweiler Bürger nahmen die Besucher während ihres zweitägigen Aufenthalts zu Hause auf — Bürgermeister Bel machte gar „Couch-Surfing“ bei seinem Amtskollegen Dr. Willi Linkens.

Einige der Gäste statteten nach der Ankunft auch gleich dem Festzelt an der Peterstraße einen Besuch ab. Beim Disco-Abend wurde bis in die frühen Morgenstunden gefeiert. Pünktlich zum Aufstellen des Maibaums hatten auch die beiden Ehrengäste ihren großen Auftritt: „Miss Montesson“ Audoine Delphine wohnte nebst „Dauphine“ (Kronprinzessin) Holin Mailys dem bunten Treiben bei. Die beiden jungen Damen durften sich traditionell aus dem Pool der Baesweiler Junggesellen für einen Tag bedienen. Beide wählten schnell und vergaben ihre Tanzkarten an die beiden Vorsitzenden Hermanns und Ortmanns.

Der große Festumzug am Sonntag hatte beim „Wetter-Roulette“ auf die richtigen Karten gesetzt. Während der Himmel vor und nach dem Marsch durch die Innenstadt seine Schleusen öffnete, wurden die Zugteilnehmer und Beobachter weitestgehend vom Regen verschont. Bei der Königsparade im Roskaul wagte die Sonne sogar einen vorsichtigen Blick durch die Wolken.

Toller Zusammenhalt

Beim Königsball am Sonntagabend waren die Gäste aus Montesson leider schon längst wieder auf dem Rückweg. Der sympathische Bürgermeister Bel ließ es sich vor der Abfahrt jedoch nicht nehmen, ein paar Worte des Danks unserer Zeitung gegenüber verlauten zu lassen: Nachdem ich im letzten Jahr wegen der Wahl in Frankreich nicht anreisen konnte, freut es mich umso mehr wieder hier zu sein. Eine solche Partnerschaft ist viel Arbeit, aber was Herr Linkens und all die Helfer jedes Jahr schaffen, bereitet einfach nur Vergnügen.“

Besonders freuten sich die Junggesellen über die Teilnahme der Jubiläumspaare. Die Majestäten vor 25, 40 und 50 Jahren waren in „ihre“ Stadt zurückgekehrt und nahmen an der Kirmes teil. Margret Braun war gar vor 60 Jahren das Baesweiler Maimädchen. Von ihrem Sohn Martin begleitet, erlebte sie dieses einzigartige Jubiläum. Die aktiven Majestäten Alexander Nussbaum und Laura Clemens (Königspaar), Sven Nussbaum und Aylin Stefan (Maipaar) sowie Marcel Nelles und Jessica Hagen (ebenfalls Maipaar) zollten ihren Respekt.

Bevor die Prunkkirmes am späten Montagabend ihr rauschendes Ende fand — traditionell wurde die Verwaltung der Kommune von der Festgesellschaft abgeholt und zum Frühschoppen auf das Zelt geladen — wandte sich Bürgermeister Linkens nochmals mit einem flammenden Plädoyer für den Erhalt des Brauchtums an die Feiernden.

Nach eigenen Angaben sei in den sozialen Netzwerken Unmut über den Auftritt des Trommler- und Spielvereins in den frühen Morgenstunden unter anderem vor dem Haus des Bürgermeisters aufgekommen. Aus Sicht des Bürgermeisters sei dies unfair dem Brauchtum gegenüber. „Wir haben einen tollen Zusammenhalt in unserer Stadt — auch gerade wegen des Brauchtums.“

Mehr von Aachener Nachrichten