Nordkreis: Jugendliche auf dem Spielplatz: Großer Ärger über kleines Verwarngeld

Nordkreis : Jugendliche auf dem Spielplatz: Großer Ärger über kleines Verwarngeld

Unter einigen Bürgern in Alsdorf herrscht großer Aufruhr. Das Ordnungsamt hätte Jugendlichen über 14 Jahre zehn Euro abgeknüpft, weil sie sich auf einem Spielplatz aufgehalten hätten. In der Facebookgruppe „Du bist aus Alsdorf, wenn ...“ entbrennt eine heftige Diskussion.

Das „Allerletzte“, „ein Armutszeugnis für die Stadt Alsdorf“, „unverschämt“ und „erbärmlich“ sei das, steht dort in der vergangenen Woche zu lesen. Man wolle persönlich zum Ordnungsamt gehen, schlägt einer der Kommentierenden vor. Eine andere rät, direkt das Fernsehen einzuschalten. Oder solle man sich nicht doch lieber direkt vor dem Haus des Bürgermeisters breitmachen — mit lauter Musik wohlgemerkt? Rechtmäßig könne das Verhalten des Ordnungsamtes schließlich ja nicht sein.

Schilder am Eingang

„Doch“, sagt ganz klar Jürgen Kochs, Leiter des Bürger- und Ordnungsamtes der Stadt Alsdorf. Der Aufenthalt auf einem Kinderspielplatz sei nur Kindern und Jugendlichen bis 14 Jahren gestattet — ausgenommen, man ist als Betreuungsperson da. Gekennzeichnet wird das durch Schilder, die am Eingang von Spielplätzen stehen oder hängen. Gegen die Älteren, die sich dort aufhalten, ein Verwarngeld von zehn Euro zu erheben, sei jedoch nur der letzte Ausweg. „Wir haben es zuerst mit mündlichen und freundlichen Ermahnungen versucht. Doch das hat nichts gebracht“, sagt Kochs.

Anwohner beschweren sich

Häufig hätten sich Anwohner wegen Lärmbelästigung und Vermüllung beschwert. Allein im vergangenen Jahr habe die Stadt 33.000 Euro aufbringen müssen, um die Spielplätze von Müll zu befreien.

Man sitze zwischen den Stühlen: „Diejenigen, die kleine Kinder haben, möchten natürlich saubere Spielplätze. Diejenigen, die jugendliche Kinder haben, sagen dann, wo sollen sie sich denn sonst aufhalten?“ Hinzu käme, dass einige Jugendliche auf den Spielplätzen nicht nur ihren Unrat zurücklassen, sondern auch Alkohol und gelegentlich Drogen konsumierten.

Deshalb hat die Stadt die Verordnung dieses Jahr geändert und einen Passus verschärft, der es nun erlaubt, jeden, der älter als 14 Jahre ist und sich auf den Plätzen aufhält, zu sanktionieren. Vor Ort werden die Personalien erfragt und das Verwarngeld in Höhe von zehn Euro kassiert. Zehn Euro seien vertretbar, findet Kochs. Schließlich soll das Ganze nur noch einmal in Erinnerung rufen, dass der Aufenthalt dort untersagt ist.

Der Bußgeldkatalog des Verbandes für bürgernahe Verkehrspolitik gibt sogar höhere Verwarngelder als Richtwerte an bei Verstößen gegen die Spielplatzregeln. Unerlaubter Aufenthalt ist dort mit 50 Euro gelistet, ebenso wie nicht sachgemäß entsorgter Müll. Etwas günstiger weg kommen Raucher mit 25 Euro.

So gravierend, wie die Probleme in Alsdorf sind, scheinen sie aber nicht in jeder der Nordkreiskommunen zu sein. In Baesweiler gebe es nur vereinzelt Beschwerden, sagt Bürgermeister Dr. Willi Linkens. Bei schönem Wetter oder am Wochenende hielten sich gelegentlich lärmende Jugendliche auf Spielplätzen auf, aber die Stadt beließe es bei einer mündlichen Verwarnung durch den Sicherheitsdienst. „Wir fordern Jugendliche und junge Erwachsene dann auf, den Spielplatz zu verlassen, das hat bisher immer geklappt“, sagt Linkens.

Dialog und Erziehung

Ähnlich hält es die Stadt Herzogenrath. Viel lasse sich im direkten Gespräch regeln, erläutert Manfred Sickert, Leiter des Ordnungsamtes. Ein- bis zweimal im Monat erreichten ihn Beschwerden von Anwohnern. Wenn sich herausstellt, dass die Probleme durch Jugendliche ausgelöst werden, schaltet Sickert das Jugendamt ein. „Die Streetworker setzen auf Dialog und Erziehung“, erklärt er. Eine Kommission begutachte regelmäßig die Plätze in Bezug auf Müll und ihren Gesamtzustand.

Aber auch er sagt: „Es ist ein Kinderspielplatz. Und ab einem Alter von 14 Jahren fällt man nun mal nicht mehr unter den Begriff des Kindes.“ Das habe ja auch einen Sinn, immerhin würden sonst die Größeren die Kleineren verdrängen.

Weniger problematisch sieht das die Stadt Würselen. Im Grunde genommen gebe es das Problem dort nicht, sagt der Pressesprecher der Stadt, Bernd Schaffrath. „Solange sich die Jugendlichen friedlich verhalten und ordentlich sind, bleibt das auch so.“