Baesweiler: Jürgen Beckers lässt tief in sein Leben blicken

Baesweiler: Jürgen Beckers lässt tief in sein Leben blicken

Es sind Augenblicke mit Seltenheitswert. So kennt man Jürgen Beckers nicht. Ernst, traurig, bewegt. Öffentlich sieht man den Kabarettisten sonst nicht in dieser Gefühlslage. Seine jetzt erschienene Biographie „D‘r Jung wird Fuffzisch“ lässt solche Momente zu. Die hat er jetzt in der Burg Baesweiler erstmals im Nordkreis vorgestellt.

In der Reihe „Kultur nach Acht“ beleuchtete Jürgen B. Hausmann seinen beruflichen Werdegang. Er ließ die Zuhörer aber auch an seiner persönlichen Entwicklung teilhaben und packte — sozusagen als Zugabe — in der Alten Scheune noch ein paar „Appetithappen“ aus seinem neuen Weihnachtsprogramm aus. Begleitet, wie immer, von Harald Clahsen. Der Autor sprang viel durch Szenen seines Lebens. Da ist die Kindheit des Mariadorfers, die einen Brückenschlag beinhaltet. Zunächst kommen die glücklichen Tage mit Erinnerungen an seine Fernsehhelden Flipper oder Lassie.

Die Erinnerungen an gemeinsame Samstagnachmittage mit der ganzen Familie vorm Fernseher. Beckers beschreibt das Gefühl der 1960er und 70er Jahre. Man spürt die damalige Lebenslust. Doch dann wechselt die Stimmung. Jürgen Beckers hält den Tag seiner Kommunion fest. Es ist der 29. April 1973. Drei Wochen später stirbt sein geliebter Vater im Alter von nur 44 Jahren. Fünf Tage vor seinem 45. Geburtstag. „Ich fühlte mich nach dem Tod meines Vaters für meine Mutter ganz besonders verantwortlich.“

Nach dem Tod des Vaters hatte das Leben für ihn noch einen schwereren Schicksalsschlag. Sein Bruder starb ebenfalls jung, er nahm sich das Leben. Beckers‘ Bruder wollte Priester werden, war ein Talent in Sachen Sprachen und Musik. „Ich denke jeden Tag an ihn“, bekannte der bundesweit populäre Bühnenstar.

Auf dem Wege bis heute geht Jürgen Beckers in seinem Buch auch die ersten Schritte im Karneval. „Der Virus hat mich in den 1980ern gepackt. Meine Karriere hat damals in der Mariadorfer Pfarre begonnen“. Beckers plaudert aus dem großen Kölner Karneval, dem er zunächst mit sehr viel Skepsis begegnete, aber in dem er auch Fuß fasste. Er erzählt aus seinem „zähen Kampf, die Studienfächer mit guten Noten abzuschließen“ und den anschließenden beruflichen Werdegang, den er als Lehrer für Latein, Geschichte und Griechisch am Heilig-Geist-Gymnasium in Würselen ging.

Pater Gilb, der Zigarren schmauchende alte Lehrerkollege, nimmt breiten Raum in den Erzählungen ein. Und schließlich bekannte Beckers („Bin ich nun ein lehrender Komiker oder ein komischer Lehrer?“) beim Besuch in Baesweiler, dass „La Paloma“ von Freddy Quinn sein Lieblingslied ist. Sein Wunsch: das möge auf seiner Beerdigung gespielt werden. Da flüsterte einer auf den Plätzen: „Loss em leever noch ein Buch schrievve. D‘r Jung wird Hondert“.

(mas)