Herzogenrath: „Invasion aus dem Ruhrgebiet“: Absurde Theorien im Schulzentrum

Herzogenrath : „Invasion aus dem Ruhrgebiet“: Absurde Theorien im Schulzentrum

Die „Invasion aus dem Ruhrgebiet“ umfasste zwar nur zwei Mann, der Frontalangriff auf die Lachmuskulatur traf Roda jedoch mit der vollen Breitseite. Herbert Knebel hatte sich mit seiner Muse Ozzy Ostermann gen Westen aufgemacht.

„Im Liegen geht‘s“ — der Stadtsportverband Herzogenrath hatte Knebels aktuelles Programm in die Aula des städtischen Gymnasiums geholt, zur Bereicherung des städtischen Kulturprogramms.

Das bizarre Rentnerleben in Essen-Altenessen ist durch Funk und Fernsehen seit 30 Jahren in der gesamten Republik bekannt. Knebels Widersetzen gegen den Rat seiner Ärzte — „da steht Aussage gegen Aussage“ — bereitet dem patzigen Gemüt des Ruhrpottlers fortwährend Schwierigkeiten. Die Halunken vom Supermarkt haben doch tatsächlich das billige Pils ganz unten einsortiert. Der Griff zur „Bückware“ verwandelt den rüstigen Rentner immer öfter zum „Steiff-Tier“.

Den Vorschlägen seiner Frau Guste in Richtung Fitness begegnet Knebel ebenfalls mit Voreingenommenheit. Wassergymnastik und Nordic Walking sind keine zufriedenstellenden Alternativen. Bei der Umgestaltung der eigenen vier Wände nach dem Prinzip des Feng Shui hat Knebel dafür das Nachsehen. Flugs wird der Koch des örtlichen China-Imbisses als Experte konsultiert und die Wohnung auf links gezogen. Nach Knebels persönlichem „Cheng Fui“ steht danach nicht nur der Fernseher Kopf.

Zusammen mit dem Ozzy Osbourne aus Altenessen, nämlich Ozzy Ostermann, zeigte der spät berufene Sänger Knebel auch seine musikalischen Fertigkeiten. Mit unverwechselbarem Ruhrpott-Beat brachte er den richtigen Groove in die ausverkaufte Aula. Das Publikum dankte es mit stehenden Ovationen. Was bei einer zünftigen Reise durch die große kleine Welt des Altenessener Rentnerdaseins nicht fehlen darf, sind Nachbarn und Bekannte. Ob Willi („von schräch gegenüber“), Täufling Bernie Kapellmann (68 Jahre alt) oder Fred („Kenn‘ ich seit‘em Kriech — dem Vietnam Kriech“) — die skurrile Kommune zauberte aberwitzige Anekdoten auf die Bühne. Und Nachbar Bernie trägt seit seiner späten Taufe den Namen „Elvis“, Knebel sei Dank.

Als „Seelsorger“ und Könner im (Straßen-)Verkehr hat sich Knebel einen weiteren Namen gemacht. Verhütungssorgen im Alter, angelassene Elektrogeräte im eigenen Haus oder eine Fahrstunde mit der frisch verwitweten Dame aus dem dritten Stock wuchsen zu einem Feuerwerk der Pointen zusammen. Für den Mann vom Kampfmittelräumdienst hatte Knebel noch einen guten Tipp parat: „Denk dran, der Tommy hat Linksgewinde!“ Das wird die ein oder andere Komplikation bei künftigen Fliegerbombenentschärfungen sicherlich lindern.

Manfred Borgs, Geschäftsführer des Stadtsportverbands Herzogenrath, konnte rundum zufrieden sein mit dem Jahres-Highlight: Knebel, der mit seinem „Affentheater“ bereits vor einigen Jahren die Stadt rockte und sich auch diesmal in Herzogenrath sichtlich wohl fühlte, verfehlte seine Wirkung nicht. Folglich passte Knebels Verabschiedung: „Bis die Tage!“

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