Herzogenrath: Info-Abend zum Ausbau der L223: Bürger äußern Kritik

Herzogenrath : Info-Abend zum Ausbau der L223: Bürger äußern Kritik

Was lange währt, wird endlich umgesetzt. Ab Mai werden auf der alten Landesstraße L223 zwischen Herzogenrath und Birk die Bagger anrücken. Die neue Straße soll auf 3,8 Kilometern sicherer für die Verkehrsteilnehmer und weniger beeinträchtigend für die Anlieger sowie die Bürger insbesondere der angrenzenden Ortschaft Niederbardenberg werden.

Die Bürgerinitiative, die sich seit Jahren für den Neubau der Straße starkgemacht hat, und der Landesbetrieb Straßenbau NRW informierten nun in der Gaststätte Coolt Club in Niederbardenberg, was ab Mai auf die Bürger zukommen wird. Geplant ist ein Bau in zwei Abschnitten.

Von Mai bis Jahresende wird am ersten Abschnitt gearbeitet. Hier wird die Straße zwischen Schulzentrum und Einmündung K1 neugebaut. Grob in diesem Zeitfenster müssen die Bürger mit einer Vollsperrung dieser Strecke für den Autoverkehr rechnen. Fußgänger und Radfahrer sollen die Strecke passieren können.

Das gilt auch für den zweiten Bauabschnitt, der im Jahr 2019 für die Strecke zwischen Einmündung K1 und Birk geplant ist. Damit sind rund anderthalb Jahre für die Maßnahme veranschlagt, erläuterte Mischa Miladinovic vom Landesbetrieb.

Die Maßnahme benötigt eine so lange Zeit, weil neben dem reinen Straßenbau auch sämtliche Versorgungsleitungen neu verlegt werden müssen — nicht nur Gas, Wasser und Strom, sondern auch Telekommunikationsleitungen, an denen neben der Telekom der Anbieter Unitymedia beteiligt sein wird. „Im Prinzip benötigen wir rund zwei Drittel der Bauzeit für die Versorgungsleitungen“, klärte Miladinovic auf.

Breitere Spuren

Die Fahrspuren der neuen Straße werden deutlich breiter als die bisherigen, mindestens 3,50 Meter. Die Knoten Bardenberg, Niederbardenberg und Schulzentrum werden mit Kreisverkehren ausgestattet. Die ganze Strecke entlang ist ein Rad- und Fußweg parallel geplant, an dem, wie Miladinovic versprach, „die Radfahrer und Fußgänger noch ihre helle Freude haben werden“.

Ab der Einmündung Kreisstraße K1 in Richtung Bardenberg soll linkerhand ein Lärmschutz verlaufen, der eine spürbare Erleichterung für die Niederbardenberger darstellen soll. Zwischen der Einmündung Duffesheider Weg und Birk sind Unterführungen und Durchlässe für Kleintiere vorgesehen. Als Tempolimit ist in großen Teilen 70 vorgesehen.

Einwände, dass der Lärmschutz bei Erhöhung des Fahrtempos auf Höhe Niederbardenberg letztlich keine Verbesserung biete, ließ Miladinovic mit Hinweis auf den verbesserten, deutlich leiseren Straßenbelag nicht gelten. Er hatte es mit einer Vielzahl interessierter Bürger zu tun. Den Saal des Coolt Club füllten rund 100 Bürger. Moderiert von Bürgerinitiativen-Sprecher Alfred Lange, beantwortete er Frage um Frage, stellte allerdings klar, dass der Landesbetrieb zwar für den Bau verantwortlich sein wird, dies jedoch nicht für die Planung gelte.

Wilfried Milles kritisierte, warum der Kreisverkehr am Schulzentrum offenkundig nur einspurig, ohne Busabbiegespur aus Richtung Würselen wie bislang, geplant sei. „Das gibt das größte Chaos“, sagten auch seine Sitznachbarn kopfschüttelnd. Philipp Gensicki von der Freiwilligen Feuerwehr Herzogenrath wollte wissen, wie er während der Zeit der Vollsperrung Zugang zum Gerätehaus habe, um im Brandfall reagieren zu können. Hier verwies Miladinovic an die Stadt Herzogenrath sowie diverse weitere Partner wie Polizei, Feuerwehr und Schulen, mit denen das Vollsperrungskonzept diskutiert worden sei. Letztlich sei es so die beste Lösung, auch wenn diese zu Beeinträchtigungen führe.

Was nicht machbar sei, betonte Miladinovic, sei die Sperrung nur einer Spur, da in diesem Fall für die baulichen Maßnahmen und insbesondere für die Straßenbauarbeiter keine ausreichende Sicherheit gegeben sei. Der Landesbetrieb könne zudem nur auf klassifizierte Straßen, für die er selbst zuständig sei, umleiten.

Wie man verhindern wolle, dass ortskundige Bürger Schleichwege nutzen, die die Anwohner wiederum belasten, fragten gleich mehrere Zuhörer. Wiederum verwies Miladinovic an die lokalen Verantwortlichen, die dazu Lösungen schaffen müssten.

Eigener Zubringer

Anwohnerin Anke Zander erkundigte sich, warum für den Zugang zu ihrem Haus eigens ein Zubringer gebaut werde: „Bisher sehen wir die Straße, wir hören sie, aber wir erreichen sie zumindest direkt. Demnächst sehen und hören wir sie, müssen aber noch einen Umweg in Kauf nehmen, um sie zu erreichen.“

Ein massiver Kritikpunkt, den mehrere Bürger anbrachten, war das Queren der neuen Kreisverkehre, beispielsweise für schulpflichtige Kinder. Miladinovic erläuterte hier, dass Beleuchtungen der Kreisel sowie Querungshilfen vorgesehen seien. Er berichtete aus Erfahrung, dass sich Kreisverkehre für alle Verkehrsteilnehmer als die sichersten Lösungen an Kreuzungen herausgestellt hätten. Dennoch plädierten viele Bürger für die Einrichtung von Zebrastreifen an diesen Stellen.

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