Im Nordkreis wird zu viel Restmüll in die Biotonne geworfen

Wegen Plastik, Metall und Glas : Die Sorge bei Entsorgung des Biomülls wächst

Im Nordkreis landen immer häufiger Katzenstreu, Kaffeekapseln und Konsorten in der Biotonne. Die Entsorger schlagen Alarm und kündigen Kontrollen an.

Wenn Sie eines kommenden Morgens ihre Biotonne nach der Leerung zurück an den Platz geleiten wollen und sich wundern, warum die noch so schwer ist, dann sollten Sie sich an die eigene Nase packen – höchstwahrscheinlich ist sie nicht geleert worden, weil bei einer Kontrolle aufgefallen ist, dass auch nicht kompostierbarer Abfall darin liegt.

Die „RegioEntsorgung“ hat angekündigt, Biotonnen ab sofort stichprobenartig zu kontrollieren. Zunächst einmal sollen noch alle Tonnen geleert werden. Auch jene, in denen andere Abfälle unter den Biomüll gemischt wurden. Delinquenten werden erst einmal mit einer Verwarnung davonkommen. Im Laufe dieses Jahres sollen die Sanktionen für Mülltrennungssünder aber verschärft werden. Hintergrund ist die extreme Häufung von Plastikmüll und anderen nicht kompostierbaren Stoffen in der Biotonne, die im Nordkreis aufgefallen ist.

Das Entsorgungsunternehmen AWA, das unter anderem die Kompostierungsanlage in Würselen betreibt, hatte im April, Mai und Juni mehr als 1000 Bioabfall-Anlieferungen analysiert und mit einem fünfstufigen Farbsystem bewertet. Ergebnis: Nur 30 Prozent entsprachen einer Qualität, mit der die Entsorgungsprofis anständig arbeiten können. 70 Prozent waren zu einem erheblichen Anteil kontaminiert. Beim Blick auf das, was die Müllfahrzeuge auf der Kompostierung- und Vergärungsanlage abladen, setzt augenblicklich Verstehen ein. Zwischen Grünschnitt und Essensresten – in der Regel changieren die Farben zwischen grün, braun und grau – blitzen überall grelle Farben auf. Was da so gar nicht nach Biomüll aussieht, ist es auch nicht. Mal handelt es sich um bunte Getränkeverpackungen, mal ist es ein Stück blaulackiertes Aluminium, glitzernde Glasscherben, auch Batterien kommen vor. Sogar eine ganze Jacke zieht Joseph Stiller, Betriebsleiter der Würselener Anlage, aus einer frischen Lieferung.

Das ist ein dickes Problem. Denn bei aller Sortierung, allem Sieben und Blasen kann Unerwünschtes nicht gänzlich aus dem Biomaterial herausgefiltert werden. Und so landen Mikroplastik, Metalle, Glas und im Zweifel ausgewaschene Schwermetalle im Kompost und damit später auf dem Acker. Die Felder sind damit von einem ähnlichen Umweltproblem betroffen wie die Ozeane. Auch über diesen Weg können jene Stoffe irgendwann über die Nahrungskette auf dem Teller und schließlich im menschlichen Organismus landen.

Wo schlecht getrennt wird, darüber wissen „RegioEntsorgung“ und AWA gut Bescheid, denn auch das kam bei der Analyse ans Licht: Im Nordkreis sind das etwa Herzogenrath-Mitte, Kohlscheid, ein Teil Bardenbergs oder Würselen-Morsbach, zählt Stephanie Pfeifer, stellvertretender Vorstand und Sprecherin der „RegioEntsorgung“, auf. Dort wie überall gilt, das machen die Entsorger noch einmal deutlich: alte Kaffeepads, Katzenstreu, Verpackungen gehören nicht in die Biotonne. Kein Glas, kein Metall, kein Plastik. Auch dann nicht, wenn „Bio“ draufsteht.

Wer in naher Zukunft nach der Leerung nun ein Kärtchen an seiner Biotonne findet, der ist vorgewarnt: „Falsch befüllt!“ Im Wiederholungsfall könnte das irgendwann ernstere Folgen haben.

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