Alsdorf: Illusion in der Realität angesiedelt: Kölner Künstlerin stellt aus

Alsdorf : Illusion in der Realität angesiedelt: Kölner Künstlerin stellt aus

Die Kölner Künstlerin Claudia Grünig zeigt in einer Ausstellung Fotoarbeiten aus ihren verschiedenen Zyklen. So begegnen den Besuchern hier Arbeiten aus ihren Serien „Geister“, „Märchen und Sagen“, „Wunderland“, „Treuer Hund“ als auch aus ihrem Zyklus „unbreakable“.

Der Beginn dieser Zyklen liegt in der fotografischen Beschäftigung der Künstlerin mit dem Thema der Doppelbelichtung. Das Verfahren ist hier jedoch ein anderes. Das eigentliche Bild entsteht im Experiment der Überlagerung mehrerer Fotos und einzig in der Aussparung einzelner Bildelemente.

Dabei verbindet sie scheinbar nicht zusammenhängende Situationen, Gegenstände, Orte und Personen zu einem Bild, in welchem dadurch ein neuer Bedeutungsinhalt geschaffen wird, der für sie folgerichtig, ein neues eigenes Bild erzeugt. So führt die Bearbeitung der Ursprungsmotive, die Künstlerin selbst auch immer an einen irrealen Ort, den sie zuvor nicht zu beschreiben weiß.

Fotografien erwecken den Anschein die Realität abzubilden. Diese Tatsache macht sich die Künstlerin für ihre Fotozyklen zunutze, indem sie durch die Wahl des Mediums die Illusion in der „Wirklichkeit“ ansiedelt.

Seit Beginn letzten Jahres ist das Thema „Märchen und Sagen“ Teil ihrer Arbeit. Im Gegensatz zu ihren schwarz-weiß Fotografien, die unter der Thematik der „Doppelbelichtung“ bisher entstanden sind, spielt in diesen Arbeiten die Farbigkeit eine übergeordnete Rolle.

Mit diesem Zyklus eröffnet sich die Künstlerin eine breit bespielbare Fläche zur künstlerischer Neubearbeitung. In ihren Arbeiten geht es ihr dabei weniger darum, ein übereinstimmendes Bild zu einem konkreten Märchen zu entwerfen. Vielmehr wird hier beim Betrachter ein emotionales Erinnerungsbild abgerufen, welches dem Charakter eines Märchens entspricht.

Claudia Grünigs Märchenfiguren verhalten sich ihrer Ursprungsgeschichte gegenüber, häufig nicht konform. Dort, wo sich die Figuren aus ihrem Kontext lösen und ihn aufbrechen, öffnet die Künstlerin den Raum für die eigene Wahrnehmung und eine subjektive Interpretation.

Seit Anbeginn ihrer Arbeit tauchen „Zwillinge“ in den Bildern der Künstlerin auf. In allen frühen Arbeiten werden sie durch zwei Personen dargestellt. Demgegenüber erscheint „der Zwilling“ heute, in all ihren Fotoarbeiten, in ein und derselben Person. Immer ist „der Zwilling“ hier in realita eine Person, die uns verdoppelt — meist gespiegelt in unterschiedlichen Situationen begegnet.

Durch ihre konsequente Durchbrechung der Wirklichkeit des Mediums Fotografie und einer darauf aufbauenden bildnerischen Komposition von Wirklichkeit, gelingt es ihr, den Betrachter in eine Welt zu führen, in der die ihm vertrauten Gesetzmäßigkeiten außer Kraft gesetzt sind.

Das Paradoxon, „Fotografien zu erfinden“, gelingt der Künstlerin dabei mit einer Leichtigkeit, die dem Betrachter den Weg öffnet, alle bisherigen Sehgewohnheiten und Konventionen hinter sich zu lassen und an ihrem spielerischen Prozess teilzuhaben.

Die Ausstellung ist zu besichtigen in der Stadtbücherei Alsdorf, Denkmalplatz 2, vom 2. März bis 23. März zu den üblichen Öffnungszeiten der Bücherei. Die Vernissage ist am Freitag, 2. März, 19 Uhr, die Eröffnungsansprache hält Elke Peters.

Mehr von Aachener Nachrichten