Herzogenrath: Ideen für Kohlscheids Zukunft sind gefragt

Herzogenrath: Ideen für Kohlscheids Zukunft sind gefragt

Maria Pütz brachte ein Dilemma auf den Punkt: Die 45-Jährige ist Geschäftsfrau und Anwohnerin der Südstraße. Einerseits leidet sie wie viele andere auch unter dem lautstarken Verkehrsaufkommen in der schmalen Straßenschlucht, andererseits macht sie sich Sorgen um ihre Existenz, sollte der Verkehr aus Richtung Aachen nicht mehr komplett durch die Südstraße fließen.

Ähnliche Befürchtungen hat auch Stephanie Krütten, Mitinhaberin der „Pusteblume“ am Markt, angesichts der beiden ersten Planungsvarianten für eine neue Verkehrsführung durch Kohlscheids Zentrum: „Es wäre eine Katastrophe, den Markt abzuschneiden und die Fahrtrichtung in der Südstraße umzudrehen. Wer von Aachen kommt, fährt nicht über die Markttangente komplett rund, um zu uns zu gelangen.“

Über 250 Besucher hatten den Weg in die Aula der Erich-Kästner-Schule gefunden, um an der ersten Einwohnerversammlung zum Thema teilzunehmen. Angesichts der Tragweite der geplanten Umstrukturierungen zeigten sich die ebenfalls zahlreich vertretenen Politiker und die Verwaltungsmitarbeiter gleichermaßen gespannt auf die Reaktionen aus der Bürgerschaft.

„Dies soll keine Alibi-Veranstaltung sein“, versicherte Bürgermeister Christoph von den Driesch als Moderator des Abends, der es zunächst seinem Technischen Beigeordneten Ragnar Migenda überließ, die planerischen Ziele darzulegen — vom neuen Einzelhandelszentrum als Anker hinter der VR-Bank mit Sicht- und fußläufiger Verbindung zum Markt, der eine neue Aufenthaltsqualität unter anderem mit Gastronomie erhalten soll.

Der Bereich Südstraße soll durch verschiedene Öffnungen und neue Parkmöglichkeiten auch für den Handel aufgewertet werden. Eine veränderte Verkehrsführung sowie die Markttangente — ausgehend von der Südstraße Höhe Kaiserstraße in Schlangenlinie bis hinauf zur Oststraße führend — soll dies unterstützen.

Zwei Verkehrsführungsvarianten gelten als erste Orientierungshilfen. Aber vielleicht gebe es ja noch eine Variante drei, nämlich die, mit der die Kohlscheider letztlich am besten leben könnten, lautete die dringende Aufforderung an die Einwohner, sich an den Planungen zu beteiligen.

Mit Fragen, Bedenken und Anregungen hielten die Angesprochenen denn auch nicht hinter dem Berg. Die geplante Osttangente hatten einige Anwohner auch aus einem anderen Grund im Visier: Bei der Umsetzung dann von hinten und von vorne Lärm zu haben, befürchteten gleich mehrere Versammlungsteilnehmer. Eine Öffnung von hinten, um Anlieferverkehr zu ermöglichen und so Staus zu vermeiden, vielleicht sogar die Ziel- und Quellverkehre nach hinten zu verlagern und die Südstraße als Durchfahrtstraße zu belassen, lautete ein Vorschlag.

Andere indes hoffen auf die Tangente, um nachts wieder schlafen zu können. Das Zentrum für Radfahrer und Fußgänger attraktiver zu machen, war ein weiterer Wunsch. Von einer Fußgängerzone allerdings riet der Bürgermeister sofort ab — mit Blick auf das Geschäftssterben in Stolberg. Über die Notwendigkeit von Parkgebühren allerdings könne man noch mal reden...

Christian Thies vom Werbering Kohlscheid richtete schließlich einen Appell an alle: „Wenn wir das hier nicht gemeinsam auf die Reihe bekommen, versündigen wir uns für die nächsten zwei bis drei Generationen!“

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