Geschichtsrückblick: Historiker Armin Müller referiert über den „hübschen Charles“

Geschichtsrückblick : Historiker Armin Müller referiert über den „hübschen Charles“

Wer begreifen will, warum die Schotten die Engländer nicht mögen, muss weit in die Geschichte zurückgreifen. Genauer: in die Mitte des 18. Jahrhunderts, im Rückgriff auf den Bonnie Prince Charlie (den „hübschen Prinz Charles“), welcher Schottland und ganz Großbritannien für die gestürzte Dynastie der Stuarts zurückerobern wollte — was ihm denn auch fast auch gelungen wäre.

Der Eschweiler Historiker Armin Meißner lieferte ein fesselndes Porträt des charismatischen Anführers vor den Mitgliedern und Freunden des Alsdorfer Geschichtsvereins im gut gefüllten großen Sitzungssaal des Rathauses.

Die katholischen Stuarts oder Jakobiten (einige ihrer Herrscher hießen Jakob bzw. James) hatten im 17. Jahrhundert nicht nur den Thron in ihrer Heimat Schottland, sondern auch in Engand und Irland inne. Wegen ihrer prokatholischen Politik (freundschaftliche Verbindungen zu Frankreich und nach Rom) und absolitistischen Herrschaftsweise zogen sie sich aber die Feindschaft wichtiger Parlamentarier zu, welche die Stuarts 1688 stürzten.

Landferne Dynastien — zunächst die niederländischen Oranier und ab 1714 die Welfen aus Hannover — regierten von nun an die britischen Königreiche bzw. seit 1707 das United Kingdom. Vor allem aber in Schottland gab es in der Bevölkerung nach wie vor stuarttreue Anhänger, welche die Rückkehr der durch den Staatsstreich von 1688 vertriebenen Dynastie herbeisehnten. Auf solche zunächst vage und ungesicherte Stimmungen setzend, wagte Bonnie Prince Charlie 1745 von Frankreich aus die Landung in Schottland mit zunächst nur sieben Anhängern.

Zur Volksbewegung ausgeweitet

Dieser kleine Stoßtrupp weitete sich jedoch zu einer Volksbewegung aus, als der schottische Clanführer Ranald Mac Donald sich dem Stuart-Prinzen anschloss und ihm die Hochland-Clans zur militärischen Unterstützung zuführte. Tatsächlich konnte am 17. September 1745 Edinburgh erobert werden und nach der Einnahme von Derby schien der Weg sogar bis nach London frei. Vor den Toren der englischen Hauptstadt jedoch wurde Bonnie Prince Charlie zurückgeworfen.

Zwischen den zurückflutenden erschöpften Schotten und der nachsetzenden überlegenden englischen Armee kam es am 16. April 1746 zur Entscheidungsschlacht bei Culloden. Die Schotten verloren nicht nur diese Schlacht, sondern es kam auch seitens der siegreichen Engländer zu Gräueltaten; Schottland wurde lange auf den Rang einer englischen Kolonie zurückgeworfen.

Neues kulturelles Bewusstsein

Aus diesem Trauma, so Referent Armin Meißner, entwickelten die Schotten jedoch ab dem 19. Jahrhundert ein neues kulturelles Selbstbewusstsein, hervorgerufen auch durch Dichter wie Walter Scott. Jüngst machten sich Autonomiebestrebungen bemerkbar, zumal Schottland im Gegensatz zu den Engländern einem Brexit (Austritt aus der Europäischen Union) negativ gegenübersteht.

Der rebellische Geist des heute noch verehrten Bonnie Prince Charlie bricht sich also noch heute Bahn bei den stolzen Schotten!

(jope)
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