Baesweiler: Hier kommen auch Zuschauer zum Einsatz

Baesweiler: Hier kommen auch Zuschauer zum Einsatz

Moooment! Bevor Betty LaMinga (die kleine Wuselige) und Katrin Piplies auf die Bühne springen, durchstreifen sie zunächst den Zuschauerraum in der Alten Scheune der Burg Baesweiler. Die beiden „Frizzleinnen“ mögen’s höchstpersönlich und suchen den direkten Kontakt. Also kriegt fast jeder der 200 Anwesenden erstmal die Hand der Improvisationskünstlerinnen geschüttelt. Damit man dann auch gleich ganz stürmisch ins Programm der jüngsten „Kultur nach Acht“-Einheit starten kann.

Einmal die persönliche Atmosphäre hergestellt und das Publikum zum Mitmachen animiert, holen die beiden Frauen — sie werden am Keyboard von Michael Becker begleitet — einen symbolischen „Fragebogen“ heran. „Baesweiler, was bewegt Euch, wo seid Ihr zur Schule gegangen, Lieblingsgericht, Lieblingsmusik aus den Achtzigern oder lieber Vierziger, was habt Ihr früher gehasst?“ Nun geht’s kreuz und quer im Saal. Und damit alles auch schön im Bilde dokumentiert wird, gibt Betty LaMinga ihre Kamera aus der Hand.

Fünf Minuten Durchatmen

Eine Frau aus dem Publikum wird beauftragt, möglichst alles im Bild festzuhalten. Das allein schon ist bei den äußerst sportlichen und quirligen Damen eine echte Herausforderung. Doch nach der Fragestunde für Einwohner darf das Publikum gut fünf Minuten durchatmen. Zur Darstellung, und diesmal ohne „Einsatz“ des Publikums, kommt die Geschichte vom wandernden Cowboy Bill. Ein bisschen erinnern die Improvisationskünstlerinnen in diesen Momenten an „Meister“ Helge Schneider. Der Held wandert über die einsame Landstraße, ein Auto stoppt und der Kutscher steigt aus. Er hat das kleine Ding bei sich, das Bill so begehrt. Irgendwann findet Bill seine Uhr namens Tic Tac wieder. Aus, Applaus, auf ein Neues.

Es geht ins Standesamt. Dort wartet auf die von Zeitnöten geplagte Braut eine gelangweilte Standesbeamtin, die sich partout weigert, die begehrte Heiratsurkunde auszuhändigen. Am Ende des aus der Hüfte hergeholten Dialogs „schwatzt“ die Stadtdienerin der zweifelnden Braut den Beamtinnen-Bruder Egon auf.

Ein Höhepunkt des Programms mit Improvisation pur baut sich auf, als Heidelinde Hundesmut (Betty LaMinga) per Gebärdensprache zum Thema „Wer früher stirbt, ist länger tot“ wild gestikuliert. Das Publikum kreischt. Unbeschreiblich. Dreimal treten die Frauen mit einer Nummer an, als es um die Darstellung des ausgestorbenen Handwerks „Stellmacher“ geht. „Du weißt was kommt, nun spann Dich ein, Du wirst ab jetzt das Pferdchen sein“, blödelt Katrin Piplies. Vorstellung eins folgt die gereimte Version und dann gibt’s noch modernes Tanztheater. Den beiden Auftritten — die Frizzles gastierten 2013 als Gäste von Frank Küster zur „Kultur nach Acht“ — wird ein drittesr folgen. Das müsste sicher und vom Publikum gewollt sein...

(mas)
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