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Vortmann-Uhr in Herzogenrath-Straß: Zur Zeitumstellung wird die Mechanik gestoppt

Vortmann-Uhr in Herzogenrath-Straß : Zur Zeitumstellung wird die Mechanik gestoppt

Die Vortmann-Uhr im Glockenturm der Pfarre St. Josef in Straß ist eine der letzten mechanischen Uhren im Bistum Aachen.

Sie ist ein richtiges altes Schätzchen. Eine der letzten mechanischen Uhren im Bistum Aachen steht im Glockenturn der Pfarre St. Josef in Herzogenrath-Straß. Diese Vortmann-Uhr wurde 1934 zur Erinnerung an seine erste Pfarrstelle von seinen Geschwistern Anna und Jakob und ihm, dem ehemaligen Pfarrer in Straß, Peter Sieger, aus Köln gestiftet.

In diesem Jahr wurden am letzten Wochenende die Uhren in Deutschland und großen Teilen Europas auf Winterzeit umgestellt, also eine Stunde zurück auf die normale Mitteleuropäische Zeit (MEZ). Für die Ehrenamtler Elmar Schlösser, Leo Odinius und Nils Kuckelkorn, die das Projekt Uhr und Glocken seit ein paar Jahren betreuen, kein Problem. „Wir haben bereits am Samstagvormittag vor dem offiziellen Termin das Pendel, was die Uhr antreibt, angehalten und nach einer Stunde wieder in Betrieb gesetzt“, erklärt uns Leo Odinius.

Genauigkeit regelmäßig prüfen

„Wir kümmern uns um die Mechanik und einmal pro Woche wird deren Genauigkeit überprüft und gegebenenfalls korrigiert. Neben der Uhr müssen natürlich auch die Glocken und die Antriebe regelmäßig überprüft werden, dazu gehört auch, dass die Glocken zur Kontrolle geläutet werden. Für alle anfallenden Arbeiten existiert ein Arbeitsplan, in der die festgestellte Zeitkorrektur, Wartung usw. festgehalten wird“, so Odinius.

Von der interessanten Historie der Uhr berichtet Odinius: „Bis in die 1960 Jahre musste der Küster zweimal am Tag die Gewichte hochziehen. Diese treiben die Uhr an und die Glocken wurden auch noch von Hand geläutet. Heute wird das nicht mehr manuell gemacht. Die Gewichte werden zweimal am Tag von einem Elektromotor hochgezogen. Die Ansteuerung erfolgt über eine Zeitschaltuhr.“ Die Glocken würden von einem Motor angetrieben, der über einen Schalter betätigt wird.

So sieht die Vortmann-Uhr in Straß von außen aus. Die Gangabweichung beträgt nur zwischen 0 und 20 Sekunden in der Woche. Foto: Wolfgang Sevenich

Die Uhr hat einen 12-Stunden-Rhythmus und ein Laufwerk mit einem 24-Stunden-Rhythmus ist angeschlossen. „Dieses steuert das Angelusläuten und das Hochziehen der Gewichte. Die Uhranlage insgesamt besteht aus dem Gangregler, dem Räderwerk, und damit Zeigerwerk, Schlagwerk und dem Antrieb. Sie arbeitet rein mechanisch.“ Das aus Messingbronze gefertigte Räderwerk ist zusammen mit dem Gangregler in einem gusseisernen Gehäuse untergebracht.

Als Gangregler dient ein Pendel. „Seine Schwingungszeit hängt nur von der Pendellänge und der Größe der Erdbeschleunigung ab, nicht jedoch von der Größe des Pendelgewichts und seiner Ausschlag-Amplitude. Über die Pendellänge wird die Ganggenauigkeit der Uhr eingestellt.“ Das Pendel schwingt völlig frei, ohne Verbindung zum Räderwerk, erklärt Odinius weiter. Bei jeder Schwingbewegung nach rechts dreht sich ein angebrachtes Sägezahnrad durch Anstoßen an eine Klinke um einen Zahn weiter.

Jede Minute eine Umdrehung

„Während einer Minute macht dieses Rad genau eine Umdrehung. Dann löst es durch Anstoßen eines mitgedrehten Fingers an den Auslösehebel die schrittweise Fortbewegung des Räderwerks und damit den Minutenzeiger aus.“ Innerhalb einer Minute steht die komplette Uhr still, nur das Pendel schwingt hin und her. Das Sägezahnrad hat 26 Zähne, entsprechend betrage die Zeit für eine Pendelschwingung 2,31 Sekunden.

Auf dieser kleinen Uhr kann die aktuelle Uhrzeit auch innen abgelesen werden. Foto: Wolfgang Sevenich

Das Pendel komme auf eine Länge von 132,3 Zentimeter. „Das Pendel ist reibungsfrei in einer Biegefeder aufgehängt.“ Außerdem sei es aus einem besonderen Holz gefertigt, das in Öl abgekocht ist. Dadurch sei es besonders stabil gegen Temperaturschwankungen und Witterungseinflüsse. Das Holz hat einen sehr geringen Ausdehnungs-Koeffizienten, besser als andere Holzarten und Metalle. Bei guter Pflege sei eine Gangabweichung von nur 0 bis 20 Sekunden pro Woche erreichbar. „Am Ende des Pendel befindet sich eine Rändelmutter mit einem Gewinde M 11. Mit dieser Feinsteuerung erfolgt die Veränderung der Pendellänge. Dieses Gewinde hat eine Steigung von 1,5 Millimeter. Eine Umdrehung bewirkt, dass die Uhr am Tag 60 Sekunden schneller oder langsamer geht.“

Viele mechanische Uhren sind mittlerweile auf Elektronik umgestellt. Diesen Weg will die Pfarre St. Josef nicht gehen. Die Uhr und die Glocken werden seit vielen Jahren ehrenamtlich betreut. 25 Jahre hat sich Achim Gauchel darum gekümmert, die drei oben genannten haben diese Arbeit inzwischen übernommen und wollen dafür sorgen, dass diese historische Uhr und die Glocken weiterhin ihren Dienst in der Gemeinde verrichten. Und Spaß haben sie dabei obendrein.