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Das Aixpertentheater und die Corona-Krise: „Wie lange hält eine Truppe das aus?“

Das Aixpertentheater und die Corona-Krise : „Wie lange hält eine Truppe das aus?“

Das Aixpertentheater, ein freies Amateurensemble unter professioneller Regie in der Städteregion Aachen, ist seit dem Frühjahr lahmgelegt. Geht das noch gut?

Der letzte Eintrag auf der Facebook-Seite des Aixpertentheaters stammt vom 14. März: „Leider müssen wir wegen der neuen Erlasslage alle weiteren Aufführungen unseres Stücks absagen. Ob es irgendwann eine Wiederaufnahme geben wird, wissen wir noch nicht“, heißt es dort. „Sein oder Nichtsein“ konnte das freie Amateurensemble unter professioneller Regie nur drei Mal spielen, bevor im März alle Veranstaltungen abgesagt werden mussten.

Schon bald wurde klar: Die verbliebenen fünf Aufführungen der bitterbösen Komödie von Nick Whitby konnten nicht mehr nachgeholt werden. Jetzt sollten gerade die Proben im Soziokulturellen Zentrum „Klösterchen“ in Herzogenrath für das neue Stück „Willkommen“ von Lutz Hübner beginnen, als das erneute Herunterfahren der Kultur- und Freizeitbranche verkündet wurde.

Michael Strack, seit 22 Jahren Ensemble-Mitglied beim Aixpertentheater, hat gemischte Gefühle: „Wir haben absolutes Verständnis für die Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie“, betont er einerseits. Andererseits: „Die Aufführungen sind das Salz in der Suppe. Ohne Auftritt kommt der Lohn nicht für die viele Arbeit, die man sich macht. Wie lange hält eine Truppe das aus?“

Noch ist das Ensemble zuversichtlich, im Februar oder März Premiere feiern zu können. Auch wenn vier ausgefallene Wochen Probenarbeit kompensiert werden müssen. Um die angefallenen Produktionskosten einzuspielen und möglichst einen Puffer für die nächsten Produktionen anzulegen, müsste das Team (sechs Amateurschauspieler, ein professioneller Regisseur und Leute für die Technik) mindestens acht Mal auftreten. „Besser wären zwölf Mal“, erklärt Strack.

Wegen der Gepflogenheiten bei der Rechtevergabe durch die Verlage, können die Aufführungstermine allerdings nicht nach Belieben geschoben werden. „Die Vertragsbedingungen sehen einen festen Zeitraum für die Aufführungen vor. Man kann die Termine nicht einfach immer weiter nach hinten schieben. Zumindest gibt es bislang noch keine Corona-Formel, die das zuließe“, berichtet Strack von den Zwängen hinter den Kulissen. Zudem macht sich Strack Sorgen, dass das erneute Schließen der Theater und Bühnen eine dauerhafte Verunsicherung beim Publikum hinterlasse: „Viel Publikum in kleinen Räumen? Das werden viele bestimmt länger nicht wollen.“

Man könnte sagen: Würde das Aixpertentheater auf Dauer auseinanderbrechen, ließe sich das rein arbeitsplatztechnisch verschmerzen. Abgesehen vom Regisseur ist Schauspiel für die meisten ein Hobby. Sie verdienen auf andere Art ihre Brötchen. Doch Strack warnt vor anderen Konsequenzen: „Ensembles wie wir sind für viele Zuschauer die Einstiegsdroge fürs Theater. Die Hemmschwelle zu uns zu kommen, ist niedriger als Karten für das Große Haus im Theater Aachen zu kaufen“, findet er und meint das nicht nur aus finanzieller Sicht. „Egal, wo Menschen sich mit Kultur beschäftigen, bekommen sie Anregungen zum Nachdenken. Sehe ich das gleiche Stück von unterschiedlichen Ensembles, sehe ich drei unterschiedliche Ansätze – egal ob es ein Amateurtheater, ein freies Ensemble oder das Stadttheater ist.“ Die Vielfalt mache es.

Geld werde zur Rettung der Kulturlandschaft benötigt, aber das allein reiche nicht. „Es braucht ein Zusammenstehen der Politik, wenn sie nicht nur die städtische, sondern auch die freie Szene halten will. Wir brauchen ideele Unterstützung.“ Kontakte zwischen Kultur und Unternehmen knüpfen, größere Räume finden und den Zugang ebnen – zum Beispiel in leerstehenden Kaufhäusern. So etwas stellt sich Strack vor.

Für ihn ist klar: Es gibt kein Entweder oder von freier und städtisch getragener Kulturszene, von Profis oder Amateuren. „Es gibt nur ein Zusammen!“