Umsetzung des Radschnellwegs Euregio eingefordert - ohne Wurmtal

Radschnellweg Euregio : „Hat man überhaupt mit Kerkrade gesprochen?“

Kritiker an der Trassenführung des Radschnellwegs Euregio durchs Naturschutzgebiet Wurmtal bringen erneut die vor Jahren schon vorgeschlagene Route entlang der Neustraße/Nieuwstraat ins Spiel. Aber noch gibt es mehrere Varianten.

Wieder sind zwei Radfahrer im Straßenverkehr schwer verletzt worden, kurz hintereinander am vergangenen Donnerstagabend in Aachen. In beiden Fällen wurden sie laut Polizeibericht von den unfallbeteiligten Autofahrern übersehen. Zwei Gründe mehr, um den Protest der Aktivisten in Sachen Tempo beim Radschnellweg und Ausbau eines Radwegenetzes zu untermauern.

Dass Radfahrer auf unseren Straßen nicht sicher sind, darüber sind sich alle einig. Doch in Sachen Radschnellweg Euregio (RS) gibt es neben der Forderung, die Dinge vor allem mit Blick auf das schwierige Teilstück Herzogenrath zu beschleunigen, noch eine andere Sichtweise, wie Bruno Barth, UBL-Fraktionschef und Vorsitzender der Naturfreunde, anführt: nämlich die massive Kritik an der geplanten Trassenführung durch Schutzgebiete im Wurmtal von Pannesheide bis Pilgramsweg, „die erhebliche Erdbewegungen, Baumfällungen, Aufkauf von Grundstücken und Häusern notwendig machen würde“. Was „deutlich mehr Probleme“ bedeute als der Streckenabschnitt vom Pilgramsweg in die Innenstadt.

Zu den von der Städteregion ins Auge gefassten drei Trassenvarianten sagt UBL-Vorstandsmitglied Ute Kurig: „Keine verdient den Namen Radschnellweg, da Herzogenrath eng bebaut und mit Verkehrsadern zugepflastert ist.“ Die wichtigsten Anforderungen an einen RS, Sicherheit und Schnelligkeit, könnten nicht erfüllt werden. Variante 1 östlich der Bahn biete Einblick in Häuser und Gärten, es müssten im großen Stil Bäume gerodet werden und sie habe keine Anbindung ans Schulzentrum. Variante 2 westlich der Bahnlinie führe noch enger an Häusern vorbei und beiße sich mit dem Handlungskonzept für Herzogenraths Innenstadt.

Bei Variante 3 komme es gar zum „Desaster“: eine Ampel an der Wiesenstraße mit 95 Sekunden Wartezeit, viel zu enge Albert-Steiner-/Uferstraße mit hohem Verkehrsaufkommen und Schwerlastverkehr, „im höchsten Maße gefährlich“. Was die Streckenführung durchs Wurmtal angeht, erinnert Kurig an Herzogenraths symbolischen Ausruf des „Klimanotstands“: „Daraus sollten doch konkrete Maßnahmen pro Klimaschutz abgeleitet werden ... Stattdessen Zerstörung von Schutzgebieten, Baumfällung im großen Stil ...“ Wie Barth verweist auch Kurig auf die schon vor Jahren vorgeschlagene Routenführung über die Aachener Straße/Nieuwstraat: „Ohne Ampelanlage, mit attraktivem Zwischenstopp am neugestalteten Kirchenplatz St. Mariä Himmelfahrt, schöner Aussicht Aachener Straße, Fahrradtankstation Nieuwstraat ...“

Kreativ zu sein und verschiedene Fördergelder zu nutzen, appelliert sie, beispielsweise mit den Niederländern einen Erlebnis-Radweg mit historischem Hintergrund zu gestalten. Auch Barth hinterfragt die Stichhaltigkeit des damaligen Gegenarguments, eine Trasse an der Neustraße/Nieuwstraat sei wegen niederländischer Beteiligung nicht umsetzbar: „Heißt der geplante RS nicht Euregio-RS? Gibt es nicht Eurode? Hat man überhaupt mit der Kerkrader Seite ernsthaft gesprochen?“ Auch das Kriterium „Steigung“ will er hinsichtlich der Alternativroute nicht gelten lassen, an anderer Stelle würden schließlich auch Ausnahmen gemacht. Die Planer wollten offensichtlich „mit dem Kopf durch die Wand“, kündigt Barth an, dass es deshalb „so noch erheblich mehr Widerstand, Stolpersteine und Verzögerungen geben“ werde.

Naturfreunde, Bürgerinitiative gegen die Trasse im Wurmtal und andere Umweltorganisationen sind am Samstag, 14 bis 18 Uhr, mit einen Infostand auf dem Hoffest zum 20-Jährigen des Guts Paulinenwäldchen vertreten.

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