Trauer um Theo Kutsch: Ein grenzenloses Europa lag ihm sehr am Herzen

Trauer : Ein grenzenloses Europa lag Theo Kutsch sehr am Herzen

„Er hatte immer noch Pläne“, auch im 97. Lebensjahr, hat seine Familie zum Abschied über ihn geschrieben. In der Tat hatte Theodor („Theo“) Josef Kutsch noch einiges vor, war bis zuletzt engagiert und in Sorge um das Gemeinwesen.

Und seiner Energie und seinem Engagement ist es wohl zu verdanken, dass er ein so langes und erfülltes Leben führte. Der bekannte Herzogenrather, großer Promoter des Eurode- und Europa-Gedankens, sah sich bis zuletzt in selbst gewählter Pflicht und beileibe nicht alle sich selbst auferlegten Aufgaben als erfüllt an. Nun hat „ein Kämpferherz aufgehört zu schlagen“, so seine Hinterbliebenen.

Nur wenige Wochen vor seinem Tod hatte sich Theo Kutsch im Gespräch mit unserer Zeitung vor der Europawahl für das grenzenlose Europa eingesetzt, das war ihm eine Herzensangelegenheit. Er, der zwischen den Weltkriegen hautnah erlebte, was Stacheldraht und Grenzposten zwischen Ländern und Nachbarn wie Herzogenrath und Kerkrade bedeuten, stemmte sich ein letztes Mal gegen die wachsende Gleichgültigkeit gegenüber der Idee von Europa und appellierte, zur Wahl zu gehen und für eine „vernünftige Besetzung“ des Parlaments in Brüssel zu sorgen. Er wandte sich gegen die Einführung der Autobahn-Maut, weil diese aus seiner Sicht ein Hemmnis für die Entwicklung der Euregio wäre.

Kutsch ist im letzten Haus vor dem Schlagbaum zu den Niederlanden aufgewachsen. Nach dem Besuch der Volks- und Handelsschule absolvierte er eine kaufmännische Ausbildung bei der Nadelfabrik Schmetz in Herzogenrath. Dort verbrachte er sein ganzes Berufsleben in unterschiedlichen Funktionen. Er war zudem 20 Jahre Prüfer und Vorsitzender verschiedener Kommissionen der IHK, Arbeitgebervertreter der AOK Stolberg, AG-Vertreter im Vorstand des Krankenkassenverbands für den Bezirk Aachen, Mitglied im Verwaltungsrat der Kreissparkasse Aachen, ehrenamtlicher Richter bei den Finanzgerichten in Düsseldorf und Köln. Er war immer in Bewegung, körperlich wie geistig. Für ihn war Ruhe gleich Stillstand. 2015 errang er zum 50. Mal das Deutsche Sportabzeichen.

Kutsch war vieles, in Anerkennung seiner Verdienste unter anderem Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande, Inhaber des Verdienstordens Nordrhein-Westfalen und des Rheinlandtalers. Aber vor allem war Kutsch ein Mensch, dem andere am Herzen lagen. Zu seinem „grenzenlosen Engagement“ gehörte es, den Verein Burg Rode Herzogenrath mit zu begründen und dessen erster Vorsitzender zu sein. Nur ein Verein von vielen, in denen er – oft in verantwortlicher Funktion – mitarbeitete.

Kutsch setzte sich maßgeblich für die Gründung des Eurode-Business-Centers ein. Er hat sein Leben lang geschrieben, viel geschrieben. Anregungen, Eingaben, Kritik, Zuspruch seine Korrespondenz ist immens. Und immer wieder hat er sich mit der Historie seiner Heimat befasst. Die Seligsprechung des Ailbertus D‘ Antoing, Gründer der Abtei Rolduc, betrieb er mit zielstrebiger Geduld, die „Stichting Ailbertus Rolduc“ lag ihm am Herzen.

Kutsch‘ Verdienst liegt darin, als „geborener Grenzgänger“ in seinem lokalen und doch so europäischen Umfeld Schranken überwunden zu haben, besonders die in den Köpfen anderer. Zuletzt sah er aber sein Lebenswerk in Gefahr. Im Mai sagte er: „Ich mach‘ bald die Augen zu. Aber die anderen müssen wieder mit den Grenzsperren leben und sie werden vielleicht höher sein, als sie damals waren.“

(ks)