Radrennbahn Herzogenrath-Kerkrade

Heimatgeschichte : Vor 80 Jahren fand das letzte Rennen auf der Bahn an der Grenze statt

Vor allem zu Beginn des letzten Jahrhunderts erlebte der Radsport in unserer Region einen wahren Boom. Dabei standen vor allem die Bahnrennfahrer im Mittelpunkt des Interesses, überall entstanden nach 1910 Radrennbahnen.

Die Ovale gab es als Asche-, Schotter- oder auch als Holzbahnen. Eine der schnellsten von diesen gab es in Herzogenrath, genau an der Grenze zu den Niederlanden.

Schon 1931 arbeiteten die Menschen hier zwischen den Ländern recht eng zusammen. Die auch für heutige Verhältnisse imposante Sportarena wurde nämlich rein privat sowohl von Herzogenrather als auch von Kerkrader Bürgern finanziert. Viele Einzelheiten darüber hatte der Würselener Radsport-Experte Franz Kropp zusammengetragen. Er wusste zu berichten: „Die Idee war beidseitig der Grenze in der Hochzeit des Bahnsportes entstanden, die deutschen und niederländischen Investoren konnten sogar den weltbekannten Bahnbauer Clemens Schürmann aus Münster für ihre Sache begeistern. Er entwarf eine 200 Meter lange und sechs Meter breite Bahn der Extraklasse – nur die Bahn in Dortmund war damals länger.“ Alle rund 6000 Zuschauerplätze waren überdacht. Gut 100.000 Mark wurden hier 1932 und 1933 auf rund 6500 Quadratmeter investiert.

Am 6. Mai 1933 gab es dann mit dem ersten Rennen die feierliche Eröffnung, Radsportaktive wie Fans aus Deutschland und den Niederlanden strömten auch zu den folgenden Rennen, doch schon schwebte das „Damoklesschwert der braunen Herrschaft“ über der Sportarena. Die Schergen unter dem Hakenkreuz hatten kein Interesse an gemeinsamen Aktivitäten mit nichtdeutschen Sportlern, zudem, wie Willi Schultheis vom Kohlscheider Heimatverein zu berichten weiß, wurden bereits 1934 Sportveranstaltungen mit mehr als 30 Prozent Teilnehmer ausländischer Herkunft verboten.

Man versuchte noch, die Rennbahn als rein deutsche Sportstätte weiter zu betreiben, doch mit dem ausbleiben der auch mit Gewalt eingeschüchterten Niederländern war das Schicksal der Bahn besiegelt. Nach 16 Radrennen und einer Boxveranstaltung schlossen sich die Türen der Sportarena.

Doch noch einmal öffneten sie sich, allerdings nicht für das „gemeine“ Volk. Praktisch unter Ausschluss der Öffentlichkeit – nur geladene Gäste der braunen Truppen hatten Zutritt – fuhr am 16. August 1939 Hermann Schild, der ein Jahr zuvor die Deutschlandtour gewonnen hatte, einen neuen Stundenrekord mit 43.298 Kilometer.

Dann kam endgültig der Krieg und als die Zeiten schlechter wurden, suchten die ersten Plünderer die Bahn auf. Dabei sollen sogar Wachleute erschlagen worden sein. Auch gleich nach dem Krieg hatten die Menschen ganz andere Sorgen, das Holz des Gebäudes wurde viel dringender zum Heizen benötigt, selbst die Metallstreben konnte man verwenden.

1952 wurde dann schließlich der inzwischen traurige Rest durch die Stadt Herzogenrath abgerissen und verschrottet. Als auf dem Gelände 1968 eine neue Bebauung errichtet wurde, nannte man eine der Straßen „An der Rennbahn“, das letzte heute noch sichtbare Zeichen einer früheren, großen Sportarena unserer Region.

(da)
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