Matthias Matussek zu Gast bei den Montagsgesprächen in Herzogenrath

Aussagen und Positionen : Matthias Matussek zu Gast bei den Montagsgesprächen

Man könnte ihn als gefallenen Journalisten bezeichnen. Er war Kolumnist der Welt, arbeitete für den Spiegel und den Stern. Doch Matthias Matussek ist ein streitbarer Geist, der Position bezieht. Das gefiel „der Journaille“ in der Vergangenheit nicht, und so zählt Matussek heute zu den Ausgestoßenen.

Grund für Dr. Guido Rodheudt, den namhaften Autor und Publizisten zu den Herzogenrather Montagsgesprächen zu laden. „Benutzen Sie Ihren gesunden Menschenverstand“, forderte der Veranstalter zu Beginn das Auditorium auf.

Begeben wir uns also auf eine Reise durch Matusseks Aussagen und Positionen. Die Verfasserin dieser Zeilen übernimmt keine Gewähr dafür, dass ihre Auswahl subjektiv und ihrem Menschenbild entsprechend gefärbt ist. Der Münsteraner Matussek nennt den Journalismus verkommen und ist froh, dass durch die sozialen Medien eine Art Kompensation entsteht für das, was seine Berufskollegen heute angeblich nicht mehr leisten. Er macht unwirsch klar, dass er den Klimawandel für kein menschengemachtes Phänomen hält und zitiert zur Untermauerung eine wissenschaftliche Studie.

Dazu vermerkt das Wissenschaftsmagazin Geo vor ziemlich genau einem Jahr: „Über 90 Prozent der Klimaforscher sind überzeugt, dass maßgeblich der Mensch den Klimawandel verursacht. Es ist wissenschaftlich gesichert und gut belegt, dass der Mensch Hauptverursacher der bereits laufenden globalen Erwärmung ist. Diesem Konsens stimmen Wissenschafts-Akademien aus 80 Ländern zu, außerdem viele weitere wissenschaftliche Organisationen und – laut mehrerer Studien – rund 97 Prozent der Klimawissenschaftler.“

Greta Thunberg skizziert Matussek als „Heiligenfigur einer Ersatzreligion“ und erklärt lapidar seine Sicht der Dinge: „Der liebe Gott macht das Wetter.“ Er gibt freimütig zu, einen Identitär als Freund zu haben und sagt andererseits: „Unser Deutschland ist mir fremd geworden.“ Die Öffnung der Grenzen 2015 ist für ihn ein „Staatsversagen“ mit der Folge einer „nicht enden wollenden Reihe von Attentaten“. Mit der AfD ist für seinen Geschmack endlich eine „reale Opposition zu begrüßen“. Die Ablehnung der als Kandidatin auf das Amt der Bundestagsvizepräsidentin angetretenen AfD-Politikerin Mariana Harder-Kühnel kritisiert er harsch und stellt der nicht gewählten Kandidatin, die er als examinierte Juristin und Mutter dreier Kinder darstellt, die Grünen-Politikerin Claudia Roth gegenüber, wie in sozialen Medien schon über Gebühr beschrien.

Wichtig ist ihm, dass die Würde des Menschen unantastbar ist, zumindest für den Katholiken. Gilt das für Claudia Roth mit ihrer Form der Berufswahl und ihrem Familienstand etwa nicht? Von der AfD weiter zum Islam bzw. zum Islamismus, da macht er keinen Unterschied. Warum heutzutage viele Menschen einem verquirlten Gesellschaftsbild anhängen? Matussek bezeichnet sie als Wohlstandskinder, vielleicht liegt da die Wurzel allen Übels, spekuliert er.

„Wir wollten die Überhand ideologischen Denkens in unserem Montagsgespräch relativieren“, schildert Pfarrer Dr. Guido Rodheudt. Er lieferte sich im Anschluss an Matusseks Lesung aus seiner publizistischen Arbeit eine Debatte mit ihm. Dass es fatale Folgen hat, wenn der Journalismus die Fairness verliere, kritisiert auch der Geistliche. „Die Geister scheiden sich heute an etwas, woran sie sich früher nicht geschieden haben.“

Vielleicht weil früher nicht Menschen auf dem Mittelmeer ertranken auf ihrem verzweifelten Weg in ein vermeintlich gelobtes Land? Das Plädoyer für die Freiheit in Form des Herzogenrather Montagsgesprächs wird demnächst auch auf Bonifatius.TV zu sehen sein. Mal schauen, ob Matthias Matussek Recht behält, dass alle ideologisch gefärbten Weltbilder – so die große Mehrheit denn aktuell unter einem solchen leidet – eines Tages alle in sich zusammenbrechen...

(ust)
Mehr von Aachener Nachrichten