Literaturdinner der etwas anderen Art in Herzogenrath

Herzogenrath : Literaturdinner der etwas anderen Art

Bei der Lesung des Journalisten und Autor Günther Wessel trifft inhaltliche Stimmigkeit auf regen Zuspruch des großen Publikums. Eine bunte Vielzahl von Menschen kamen zum Literaturdinner in der Herzogenrather „Kulturkirche“.

Das war ein Abendmahl der etwas anderen Art – freilich nicht ohne moralischen Mehr- und Nährwert: Zum zweiten „Literaturdinner“ traf sich eine ziemlich bunte Vielzahl von Menschen am Freitagabend im Altarraum der „Kulturkirche“ St. Josef im Herzogenrather Stadtteil Straß.

Zu Gast war der Journalist und Autor Günther Wessel aus Berlin. Zusammen mit seiner Frau Petra Pinzler als Mitverfasserin sowie seinen Kindern Franziska und Jakob hat er das Buch „Vier fürs Klima“ zur Welt gebracht – will sagen: Bevor er und seine Gattin alles aufgeschrieben haben, haben Eltern und Sprösslinge jede gedruckte Zeile erst mal gelebt – will sagen: Erfunden ist nichts; alles war mal Wirklichkeit bei den Wessel-Pinzlers.

Kein Sitzplatz mehr

Scharen von Menschen hatte das Lust auf dieses etwas andere Zusammensein an geweihter Stätte gemacht. Spätestens 15 Minuten vor Beginn gab es an den Tischen rund um den Altar und davor keinen Sitzplatz mehr. Aber da von den freundlichen Helfern aus Straß der vordere Teil der Kirche ausreichend bestuhlt worden war, stellte das kein Problem dar. Die Klimakrise („Klimawandel“ klingt Günther Wessel noch zu positiv) brennt vielen Herzogenrathern auf den Nägeln. Das Dinner in St. Josef weckte dieses Bedürfnis nach Austausch und authentischer Information. Die Veranstaltung ließ das zum Selbstläufer werden.

Diesem Aspekt zollten auch Gemeindereferent Wilfried Hammers und Abteilungsleiter Markus Offner in ihren kurzen Begrüßungsansprachen Tribut. „Ich hoffe, dass heute Abend hier etwas deutlich wird von Mahlgemeinschaft“, betonte der Theologe aus dem Generalvikariat.

Hammers, als Seelsorger und Motor des Lebens rund um den Straßer Kirchturm, rief dazu auf, „mit kleinen Schritten etwas zu verändern“, und begrüßte den Akkordeon-Virtuosen HeJoe Schenkelberg, der als „Hexer auf den Tasten“ (Hammers) die Zuhörer zwischen den einzelnen Blöcken der Lesung mit seinem Spiel erfreute. Dazwischen trugen Mitglieder der Gemeinde sowie Männer und Frauen, die sich in ihrem Umkreis sozial betätigen, die Speisen auf. Zucchini-Kaviar mit Frischkäse gab es und auch ein leicht scharfes Rote-Bete-Süppchen – alles aus einheimischer, zertifiziert biologischer Produktion (schon der CO2-Bilanz wegen) und zuverlässig lecker. Zwischen den Gängen gab es dann immer wieder phasenweise Ausschnitte aus „Vier fürs Klima“ (Verlag Droemer) – Satz für Satz offenherzige, witzige und vielschichtige Momentaufnahmen aus dem Leben einer Familie, die sich in ihrem Alltag mit der Klimakrise auseinandersetzt – Fleischverzicht hin, Flugscham her.

Dialog bis Mitternacht

Das hat die Geduld der Teilnehmer allerdings kaum bis nicht strapaziert. Ganz im Gegenteil: Bis gegen Mitternacht blieben sie zusammen und traten mit dem Gast aus Berlin in einen Dialog. Zuspruch des Publikums trifft auf inhaltliche Stimmigkeit.

(chh)
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