Jahreshauptversammlung der AG Wurmtal

Jahreshauptversammlung : Naturschützer sorgen sich um das Wurmtal

Die AG Wurmtal übt bei der Jahreshauptversammlung Kritik an der Hundewiese und der Trassenführung des Radschnellwegs. Doch es gibt auch positive Entwicklungen.

Der stellvertretende Vorsitzende der Naturschutzgruppe AG Wurmtal, Dr. Hans-Jürgen Weyer, begrüßte zur Hauptversammlung zahlreiche Gäste, darunter die stellvertretende Bürgermeisterin Marie-Theres Sobczyk. Kurz erläuterte Hans-Jürgen Weyer das Selbstverständnis der AG Wurmtal, deren Aufgabe ausschließlich im Schutz und im Erhalt des Naturschutzgebietes Wurmtal liegt.

Seine etwas provozierende Aussage lautete: „Wir haben keinen Grund, uns über brennende Wälder im Amazonasgebiet aufzuregen, wenn wir nicht in der Lage sind, das vor unserer Haustüre liegende Naturschutzgebiet Wurmtal zu schützen.“ Dabei spielte er auf den allgemein ungezügelten Flächenverbrauch ebenso an wie auf den nach wie vor erheblichen Druck auf die Flächen im Naturschutzgebiet. Den ersten Vortrag hielt Diplom-Biologe Ulrich Haese aus Stolberg. Diesmal berichtete er über Flusslibellen. Aufgrund der Tatsache, dass sich in den letzten 25 Jahren die Wasserqualität der Wurm deutlich verbessert hat, sind mehrere Flußlibellenarten an die Wurm zurückgekehrt. Einige von ihnen galten sogar bereits als ausgestorben. Hervorragende Fotos der unterschiedlichen Arten und ihrer Besonderheiten beeindruckten die Zuhörer. Die gezeigten Larvenstadien der Libellen waren für viele neu und stießen daher auf besonderes Interesse. Günter Kalinka, langjähriger Vorsitzende der als eingetragener Verein agierenden AG Wurmtal, ließ die Arbeitsschwerpunkte der letzten zwölf Monate Revue passieren. Die AG besitzt einige Flächen im Wurmtal, andere hat sie gepachtet.

Regelmäßige Arbeitseinsätze

Diese Flächen erfordern regelmäßige Arbeitseinsätze. Weitere Arbeiten gelten den Nistkästen, von denen die AG über 100 im NSG aufgehängt hat. Diese müssen kontrolliert, gesäubert, gegebenenfalls repariert oder ersetzt werden. Auch der Amphibienschutz gehört zu den wiederkehrenden Aufgaben der AG Wurmtal, deren Mitglieder im Wesentlichen aus Herzogenrath und Würselen stammen. Alleine im Bereich des Bergerplatzes und der Zufahrt zum Herzogenrather Hallenbad sind in den letzten fünf Jahren rund 20.000 Amphibien durch geeignete Maßnahmen (zum Beispiel Sammeln in Behältern und Tragen über die Straße) vor dem Überfahrenwerden gerettet worden.

Günter Kalinka sparte jedoch auch nicht an Kritik und an berechtigter Sorge über den Fortbestand des Naturschutzgebietes, das darüber hinaus als FFH-Gebiet einen europäischen Schutzstatus genießt. Der Forst ist nach wie vor an Gewinn orientiert. Flächenhafte Abholzungen bedrohen den Artenreichtum ganz erheblich; ebenso wie der Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft. Völlig verständnislos reagierten die Naturschützer auf den Plan der Stadt Herzogenrath, im Kerngebiet des Naturschutzgebietes unterhalb von Straß eine Hundefreilaufwiese einzurichten. Wegen der FFH-Schutzausweisung sei dieses Vorhaben schlichtweg illegal.

Nach wie vor lehnen die Naturschützer den Trassenverlauf des geplanten Radschnellweges entlang der Bahnstrecke vehement ab. Die Flächen westlich der Bahnstrecke bis zur Bebauung sind Landschaftsschutzgebiet, puffern den NSG-Bereich ab und weisen teilweise eine überraschend hohe Dichte an unter Naturschutz stehenden Pflanzen und Tieren auf (zum Beispiel ist dort die Ringelnatter anzutreffen). Eine Aufnahme dieser Flächen in das Naturschutzgebiet hat die Städteregion kürzlich jedoch abgelehnt.

Den letzten Vortrag hielt Diplom-Biologe Daniel Lück, ein Mitarbeiter der Biologischen Station aus Stolberg. An einem Beispiel als dem Kalltal in der Eifel zeigte Daniel Lück eindrucksvoll, wie es durch intensive Maßnahmen gelingen kann, entgegen dem Trend den Vogelbestand zu erhöhen und artenreicher zu machen. Die Teilnehmer an der Jahresversammlung nutzten die Gelegenheit, sich noch bis in den späten Abend hinein auszutauschen und mit den Referenten ins Gespräch zu kommen.Informationen zur Arbeit der AG Wurmtal, die „Arbeitsgemeinschaft zur Erhaltung bedrohter Pflanzen und Tiere im Wurmtal“ heißt, finden sich auf der Homepage www-ag-wurmtal.de.

(fs)
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