Herzogenraths TPH ist 30 Jahre alt, ein Jahr Geschäftsführer Eßers

30 Jahre TPH : „Nachhaltige Stärkung des Standorts“

Der Technologiepark Herzogenrath feiert sein 30-jähriges Bestehen und ist das Flaggschiff für den Strukturwandel der Stadt. Fünf neue Hochtechnologie-Unternehmen konnten jüngst auf einen Schlag angesiedelt werden.

Ein Verlag raus, fünf junge Hochtechnologie-Unternehmen rein – das ist eine Formel, die aufgeht. Und die Michael Eßers so richtig zufrieden macht. Denn der Technologiepark Herzogenrath (TPH), mit insgesamt 25.000 Quadratmetern Nutzfläche der größte seiner Art in der Region und einer der größten in ganz Deutschland, steht für Innovation. Eßers ist hier seit einem Jahr Geschäftsführer.

Und wenn drei der unter seiner Ägide neu angesiedelten Firmen vorher ihre Adresse am Campus Aachen hatten: Was will man mehr? Die Ansiedlung von Spin-offs, von Engineering generell, das bedeutet eine „Stärkung des Standorts in Qualität und Nachhaltigkeit“, sagt Eßers. Ein Standort, der nicht nur punkten kann mit der Nähe zur Elite-Uni, sondern auch zur Autobahn und zum Dreiländer-Eck. Und mit einem serviceorientierten Geschäftsführungsteam, wie Eßers betont, sowie flexiblen Raumzuschnitten – „alles zwischen 15 und 2500 Quadratmetern ist möglich“.

30 Jahre ist der TPH mittlerweile alt und Herzogenraths Flaggschiff für den Strukturwandel. Einst auf dem Zechengelände der Grube Laurweg errichtet – immer wieder gerne wird von den garstigen Windböen erzählt, die die Mikrofonanlage zum Erliegen brachte, als Wissenschaftsministerin Anke Brunn 1989 den Zement über dem Grundstein glattstrich – wurde schnell Erfolgsgeschichte geschrieben. Der Bau von TPH II und III folgte 1992 bzw. 1994, diverse Anbauten ab 1995, die Ansiedlung des Ericsson Eurolab schon 1991, Head Accoustics (1996), Cerobear und Meta (1997), Hitec Zang (1998), Aixtron (2000). Seit 2002 wird die TPH-Erweiterungsfläche Dornkaul besiedelt, mit CleanLaser und M.Tec als „Pionieren“. Ihnen folgten unter anderen das Aixtron-Forschungszentrum und Arnoldi Zerspanungstechnik. 2018 hat Griptech gebaut, aktuell baut Matricel. 2011 wurde das Starterkonzept „Co:forward“ als Business-Inkubator am TPH etabliert. Mit Ein-Büro-Lösungen und der Mit-Nutzung von Serviceräumen.

Individuell zugeschnittene Räume: Neu im TPH ist unter anderen die Aixemtec GmbH, Spin-off des Fraunhofer Instituts für Produktionstechnologie IPT. Foto: Beatrix Oprée

80 Firmen, über 2500 Mitarbeiter

Rund 80 Firmen mit insgesamt über 2500 Mitarbeitern verzeichnet der TPH derzeit. Was in diesem Jahr einer Auslastung von 94 Prozent entspricht. Bei rund 2500 Quadratmetern frei werdendem Raum – durch den Wegzug des Shaker-Verlags, der nach 30 Jahren TPH in ein eigenes Gebäude gewechselt sei, und der Rückgabe von Flächen durch ein weiteres Unternehmen – hätte der Auslastungsprozentsatz in diesem Jahr allerdings auch „richtig runterrauschen“ können, sagt Eßers. Auch mit Blick auf die „Gründeroffensive“, wie er es nennt, bei der AGIT und auf dem Campus.

92 Prozent Auslastung waren es 2017 gewesen, 96 Prozent erwartet er zum Jahresende, sagt Eßers und verweist überdies auf ein positives Jahresergebnis von über 60.000 Euro im vergangenen Jahr.

Zum Konstrukt: Die angesiedelten Firmen sind im Prinzip Untermieter der TPH-GmbH, die wiederum Hauptmieterin der Stadt Herzogenrath ist. Was dem Geschäftsführer auch stete Kostendisziplin abverlangt. Doch Modernisierungen müssen sein, um attraktiv zu bleiben für junge Unternehmungen. So präsentiert sich der Konferenzbereich im Erdgeschoss des TPH I seit kurzem in neuem, ansprechenden Ambiente, aufteilbar in drei Räume und nicht nur mit neuem Teppichboden und guter Beleuchtung, sondern auch mit modernster Medientechnik ausgestattet. Einzig die Foyer-Renovierung stehe jetzt noch auf der To-do-Liste.

Gründlich renoviert und auf die individuellen Bedürfnisse angepasst wurden auch die Räume, die nun den fünf „Neuen“ zur Verfügung stehen. Die Aixemtec GmbH wurde 2016 als Spin-off des Fraunhofer Instituts für Produktionstechnologie IPT gegründet und beschäftigt sich mit Entwicklung und Vertrieb von Montageprozessen, Maschinenkomponenten, Maschinen und Software-Lösungen für die Präzisionsmontage sowie von Montagedienstleistungen für optische Systeme. Weiterer Neuzugang im TPH ist Conbility, ein mehrfach ausgezeichnetes Spin-off der RWTH Aachen mit ausgewiesenen Experten aus den Bereichen Werkstoffentwicklung und Produktionssysteme.

Weiterer neuer Mieter ist die AZL Aachen GmbH, spezialisiert auf Leichtbauproduktionstechnik.

Neu im Hause ist auch TorqueWerk, vorher Institut für Stromrichtungstechnik und Elektrische Antriebe (ISEA) der RWTH Aachen und 1. Preisträger des Innovation Award der RWTH 2017.

Fünfter im Bunde ist die IME Aachen GmbH, die Ende 2010 als Spin-off des Instituts für Maschinenelemente und Maschinengestaltung (IME) der RWTH gegründet worden ist. Ihre Schwerpunkte sind Maschinenelemente, Antriebstechnik, Tribologie (die Wissenschaft von Reibung, Verschleiß und Schmierung gegeneinander bewegter Körper), Strukturanalyse sowie Maschinendynamik und -akustik.

Maschinenbauer, Lasertechnik, Automotive, Ingenieurbüros, Dienstleister – der Mix ist für Eßers der Garant für den Erfolg des TPH, da er „für nachhaltige wirtschaftliche Stabilität“ sorge.

Fachkräfte vor Ort halten

Überdies setzt Eßers auf neue Veranstaltungsformate: So waren die „Early Birds“ – Technologiefrühstück in der Städteregion – im Haus. Aktiviert wird zudem das Technologiefrühstück des TPH. Im Juli erstmals erfolgreich über die Bühne gegangen ist „University goes Company“, das Studenten die Möglichkeit gibt, in TPH-Firmen die Praxis kennenzulernen. Um beizeiten den nötigen Überblick zu verschaffen und Kontakte zu knüpfen. Eßers: „Es ist wichtig für die Region, heranwachsende Fachkräfte nicht an andere Standorte zu verlieren!“

Doch am heutigen Freitag soll erst einmal gefeiert werden, Freunde und Partner sind ab 15 Uhr in die Erschließerstraße von TPH I geladen, um mit Städteregionsrat Dr. Tim Grüttemeier und Herzogenraths Bürgermeister Christoph von den Driesch anzustoßen – auf mindestens weitere 30 Jahre erfolgreiche Innovation.