Herzogenrath und die Regiotram: Appell für Start mit der Basisversion

Herzogenrath und die Regiotram : Appell für einen Start mit der Basisversion

Die Vision von der Regiotram trifft im Herzogenrather Bau- und Verkehrsausschuss durchweg auf gute Resonanz. Um das Konzept nicht zu überladen, will man mit der Basisversion anfangen.

Was im Würselener Stadtrat, wo man noch eine Reihe Fragen auf Lager hatte, keiner ahnt: Als der dort entfleuchte frühere AVV-Geschäftsführer und jetziges Vorstandsmitglied der Initiative Aachen zu seinem zweiten kommunalen Vortagstermin am Dienstagabend im Herzogenrather Ratssaal eintrifft, ist dort die heiße Diskussion um die Umgestaltung des August-Schmidt-Platzes noch in vollem Gange. Geraume Zeit muss Hans-Joachim Sistenich warten, bis er auch in der Rodastadt das Konzept der Regiotram vorstellen kann, die einmal Entlastung bringen soll auf einer der stärksten Verkehrsachsen von Aachen in den Nordraum mit den Städten Würselen, Alsdorf und Baesweiler, wobei peripher, nämlich am Merksteiner Freibad, auch Herzogenrath angebunden werden soll.

Parteiübergreifend Applaus erntet er schließlich für seine Ausführungen über das Vorhaben, Euregiobahn und Tram dereinst zusammenzuführen: „Der Haltepunkt Merkstein wäre für uns wirklich wichtig“, konstatiert Reimund Billmann (CDU) unter Hinweis auf die hohe Besucherfrequenz des einzigen Freibads im Nordkreis, die regelmäßig zu Parkplatzproblemen führe. Wie hoch denn die Chancen für die angedachte Anbindung an die Regiotram stünden? Das zu querende Landschaftsschutzgebiet weist Sistenich als „Hauptknackepunkt“ in dieser Sache aus, „das muss bei der Städteregion geklärt werden“, die damit auch befasst sei.

Auch bei Dr. Bernd Fasel (Grüne) hat Sistenich offene Türen eingerannt: „Wir brauchen ein Mobilitätskonzept. Und das hier ist definitiv der Weg, den wir gehen sollten“, sagt Fasel und spinnt den Gedanken prompt noch weiter: Warum die Tram, die ja eine Straßenbahn sei, nicht die Geilenkirchener Straße entlang mitten durch Merkstein fahren lassen, wo es dann drei Haltepunkte geben könnte? Sistenich verweist auf die Erfahrungen mit der Aachener Campusbahn: „Wir brauchen zeitnahe Lösungen.“ Und eben keine jahrelangen Planfeststellungsverfahren. Bewusst wolle man also mit einer Basisvariante anfangen, das Konzept nicht von Anfang an überladen. Die Erfahrung zeige, dass die Akzeptanz wachse.

Ob die Trassenführung nicht doch durch ein Naturschutzgebiet verlaufe, will Norbert Voß (FDP) noch wissen. „Meines Wissens ist das Landschaftsschutz- und kein Naturgebiet“, entgegnet Sistenich und versichert, dass es sich bei der avisierten „superniedrigflurigen“ Tram keinesfalls um eine schwere Bahn, sondern ein „sehr verträgliches Verkehrsmittel“ handele. Im französischen Bordeaux etwa, wo das ganze Mobilitätskonzept auf den Kopf gestellt worden sei, fahre es sogar durch die gesamte Altstadt, hat Sistenich zuvor ausgeführt.

Ob die Regiotram-Pläne nicht auch Trassen tangieren, auf denen sich Radwege befinden, kommt ein letzter Einwand aus dem Gremium. Der Radfernweg, so versichert Sistenich, sei „gesetzt“. Zwar gebe es Punkte, „wo es knirscht“, aber auch Lösungsansätze dafür. Die Radfahrer, so sein Versprechen, sollen die Radwege weiter haben.

Dieses politische Gremium scheint vorerst zufriedengestellt. Zu vorgerückter Stunde ist endlich Feierabend für Sistenich, den engagierten Reisenden in Sachen ÖPNV, der seit einem Jahr eigentlich schon im Ruhestand ist.

Mehr von Aachener Nachrichten