Herzogenrath: Stadt muss Hundewiese wieder rausrücken

Einstweilige Verfügung : Stadt muss Hundewiese wieder rausrücken

Um ein gut 3000 Quadratmeter großes Gelände in Merkstein tobt seit langem Streit: Der Hundesportverband hat eine einstweilige Verfügung gegen die Stadt Herzogenrath erwirkt. Die muss die Wiese nun herausgeben.

Wilhelm-Josef Schäfer, Vorsitzender und Präsident der Europäischen Rassehunde Zucht- und Sportverbands (EHV), hat am Amtsgericht Aachen eine einstweilige Verfügung gegen die Stadt Herzogenrath erwirkt. Die Stadt wird gemäß richterlichem Beschluss dazu verpflichtet, eine gut 3000 Quadratmeter große Wiese in Merkstein (An der Waidmühl) an Schäfer und den EHV herauszugeben. Die Kosten des Verfahrens trägt die Stadt. In der Posse um die Hundewiese wird damit ein neues Kapitel aufgeschlagen.

Konträre Interpretationen

Ihren Lauf genommen hat die Angelegenheit bereits vor knapp fünf Jahren. Damals kündigte die Stadt Schäfer den Pachtvertrag und begründete dies mit dem verwahrlosten Zustand des Geländes. Schäfer hatte gegen eine entsprechende Androhung zuvor Widerspruch eingelegt. Beide Seiten betrachteten die Angelegenheit als in ihrem jeweiligen Sinne erledigt. Die Stadt ging davon aus, Wilhelm-Josef Schäfer als Pächter quitt zu sein. Und Schäfer ging davon aus, weiter Pächter zu sein. Wenn ein und derselbe Sachverhalt von zwei Seiten derart konträr interpretiert wird, geht das selten lange gut.

Diesen Sommer hatte Wilhelm-Josef Schäfer eine neue Idee. Er trug sich mit dem Gedanken, aus dem Gelände An der Waidmühl eine öffentliche Hundelaufwiese zu machen. Jeder Hundebesitzer solle diese an einem einmal wöchentlich stattfindenden Termin nutzen können, damit der Liebling sich dort nach Herzenslust austoben kann. Die entsprechenden Einladungen waren schon raus. Die Stadt indes hält das Vorhaben für eine „unrechtmäßige Nutzung“ und will dort selbst eine von drei Hundelaufwiesen einrichten.

Das Rathaus versuchte auf relativ rabiate Weise, Wilhelm-Josef Schäfer loszuwerden, indem sie Schlösser am Tor anbrachte. Sie ging ja davon aus, dass Schäfer kein Recht mehr hat, den Platz zu nutzen.  Schäfer knackte die Schlösser. Er ging ja davon aus, nach wie vor Pächter zu sein. Im August verschwand schließlich das ganze Tor. Schäfer nahm an, dass Diebe am Werk gewesen waren, und erstattete Anzeige bei der Polizei. Später stellte sich allerdings heraus, dass die Stadt das Tor hatte entfernen lassen. Aus ihrer Sicht begeht Schäfer Landfriedensbruch. Der hingegen fiel aus Wolken, als er erfuhr, dass die Stadt am Werke gewesen war, und musste erst einmal gegenüber der Polizei kräftig zurückrudern.

Wilhelm-Josef Schäfer reagierte diese Woche mit Genugtuung auf den nunmehr ergangenen Beschluss des Amtsgerichts. „Das eigenmächtige Handeln der Stadt Herzogenrath hat mich sehr enttäuscht“, sagte er – und kündigte weitere rechtliche Schritte an. So werde er auf die Behauptung, er begehe Landfriedensbruch, mit Unterlassungsklagen reagieren. Trotz allen Verdrusses bekräftigte er sein Angebot, eine „Hundelaufwiese für Jedermann zum Nulltarif, aber unter Leitung des EHV“ zu schaffen. Im Gegenzug wolle er lediglich Hilfe bei der Pflege des Geländes.

Von der Stadtverwaltung war am Mittwoch keine Stellungnahme zu der jüngsten Entwicklung zu bekommen. Dass sie Schäfers Angebot freudestrahlend annehmen wird, darf angesichts der Vorgeschichte allerdings vorsichtig bezweifelt werden.

(jpm)
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