Herzogenrath prüft die Möglichkeit, Schottergärten einzudämmen

Thema Schottergärten : Zahl versiegelter Gärten in Herzogenrath soll eingedämmt werden

Die wachsende Zahl an Schottergärten zu verhindern, ist ein ebenso wachsendes Anliegen von Naturschützern. Die sind in Herzogenrath mit einer entsprechenden Bürgeranregung vorstellig geworden. Die Stadt hat daraufhin die Rechtslage geprüft und legt die Optionen dar.

Er ist – aus welchen Gründen auch immer – zum Trend geworden: der Schottergarten, nicht zu verwechseln mit dem guten alten Steingarten. Gemeint ist hier die Variante mit dicker wurzelfester Folie, zugekippt mit grauem Grobschotter, garniert mit ein paar Steinskulpturen und zwei, drei Buchsbaumkugeln –  fertig. Und nur vermeintlich pflegeleicht. Denn Herbstlaub aus einer Schotterfläche zu entfernen respektive die hier ja unerwünschten Wildkräuter, die eben doch zwischen Steinen wachsen, ist alles andere als ein leichtes Unterfangen. Die Folge, so die Kritik von Umweltschützern: Unerwünscht Sprossendem wird mit Essig, Salz oder gar Giftigem der Garaus gemacht.

„Gärten des Grauens“ wird diese Art der Gartengestaltung von vielen mittlerweile spöttisch genannt. Doch abgesehen vom optischen Eindruck einer „Steinwüste“ sehen Kritiker in der wachsenden Zahl solcher Beetanlagen auch ein ökologisches Problem. Denn vor allem in Städten sind grüne Gärten wichtige Refugien zu Erhalt und Förderung der Artenvielfalt. In Zeiten des Klimawandels kommt Grünflächen zudem eine wichtige Bedeutung zur Verbesserung des Mikroklimas zu, unter anderem, weil sie sich nicht so schnell aufheizen wie graue Granitbrocken.

In vielen Städten gibt es mittlerweile Initiativen, Schottergärten einzudämmen. In Herzogenrath waren es die in Sachen Naturschutz aktiven Organisationen Naturfreunde, BUND und NABU Aachen-Land, AG Wurmtal, Soziokulturelles Zentrum Klösterchen und der Biolandhof Paulinenwäldchen, die eine entsprechende Bürgeranregung gemäß Paragraph 24, Gemeindeordnung, eingereicht haben. Um grundsätzliche rechtssichere Möglichkeiten zur Regelung, etwa in Form von Satzungen zur Gestaltung von (Vor-)gärten, zu eruieren.

Das ist zwischenzeitlich geschehen, die Stadtverwaltung hat dazu Kontakt mit dem Städte- und Gemeindebund aufgenommen. Und herausgefunden, dass das Ganze gar nicht so einfach ist. Eine stadtweite Satzung für gestalterische Vorgaben von (Vor-)Gärten auf rechtlicher Grundlage ist nicht möglich, lautet ein Ergebnis der Erkundungen. „Auch eine Satzung zur Einflussnahme auf die Gestaltung bereits bestehender (Vor-)Gärten, für ein parzellenscharf definiertes und begründetes Stadtgebiet, ist nach der neuen Interpretation des §89 Abs. 1 Nr. 5 Landesbauordnung NRW durch das Bauministerium voraussichtlich nicht mehr möglich“, legt das Fachamt weiter dar.

Die einzige Möglichkeit zur Einflussnahme für „Bestandsgebiete“ bestehe ausschließlich über Bebauungsplanänderungen. Will heißen: In gültige Bebauungspläne müsste eine Festsetzung integriert werden, die das Anlegen von Kies- und Schottergärten „auf ein angemessenes Maß beschränkt oder ganz ausschließt“. Was sich dann nur auf das Neuanlegen solcher Gärten beziehen würde. Denn bestehende Kies- und Schottergärten würden in diesen Gebieten nach Artikel 14 Grundgesetz (GG) „Bestandsschutz“ genießen.

Die Verwaltung hat nun drei Handlungsoptionen erarbeitet, nämlich 1. „Aufklärung und Information“, 2. „Anreize schaffen“, etwa durch einen Vorgartenwettbewerb (Alsdorf hat in diesem Jahr beispielsweise den Wettbewerb „Insektenfreundliche Vorgärten“ ausgelobt), oder 3. durch die oben beschriebenen B-Plan-Änderungen. Letzteres halten Städte- und Gemeindebund und Verwaltung indes nicht für ein „sinnvolles und zielführendes Instrument“ mit Blick auf bestehende Schottergärten, alleine schon, weil Änderungen und Kontrollen „nicht leistbar“ wären. Bei neu aufzustellenden B-Plänen aber seien Vorgaben zur Gestaltung von Vorgärten in Neubaugebieten „aus städtebaulichen Gründen“ möglich. Finanzielle und personelle Auswirkungen „zielführender Kontrollen“ seien noch zu prüfen.

Am Dienstag, 17. September, ist die Politik zum Thema gefragt, im Umwelt- und Planungsausschuss, der ab 18 Uhr im Rathaus tagt.

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