Herzogenrath: Erschließung "An der Herrenstraß" soll im Juli beginnen

Neubaugebiet „An der Herrenstraß“ : Erschließung soll im Juli beginnen

Jetzt soll es vorangehen im Neubaugebiet „An der Herrenstraß“ im Süden von Merkstein. Zurzeit werden Angebote für Kanal- und Straßenbau eingeholt.

Ehrgeizige Pläne hatten einmal den Spätsommer 2018 ins Visier genommen, um mit der Erschließung des größten Bauvorhabens der Stadt auf dem rund 14 Hektar großen Plangebiet an der Herrenstraß am südlichen Rand Merksteins zu beginnen. Doch dann ergab sich eine Verzögerung bei der Ausführungsplanung: Das städtische Tiefbauamt hatte die Reißleine ziehen und den Auftrag der Grundstücksentwicklung Herzogenrath GmbH (GEG) zurückgeben müssen.

Grund: personelle Engpässe aufgrund der Fülle an anderweitig in der Stadt abzuarbeitenden, teils termingebundenen Projekten, vom Bebauungsplan Langenberg samt Verkehrskonzept bis zur verkehrstechnischen Anpassung am Lörschpülgen, wo hinter dem Supermarkt ein Drogeriemarkt verwirklicht wird. Herzogenraths Technischer Beigeordneter Ragnar Migenda verwies gegenüber unserer Zeitung auf eine „absolute Spitzenbelastung“, wie es sie zumindest in seiner Amtszeit in der Stadt noch nicht gegeben habe.

Ein neues Planungsbüro war trotz baulicher Hochkonjunktur dann doch noch relativ schnell gefunden, wie GEG-Geschäftsführer Markus Schlösser jetzt auf Nachfrage unserer Zeitung darlegt. Und nun soll es zügig vorangehen: „Wir müssen ja auch nicht europaweit ausschreiben“, sagt Schlösser, „sondern können gezielt Straßenbaufirmen auffordern, Gebote abzugeben.“ Im Juli, so Schlössers Schätzung, könne nunmehr mit einem Baubeginn zu rechnen sein.

Bis zu 300 Wohneinheiten

Rund 15.500 Quadratmeter Straßenfläche und über fünf Kilometer Kanal (davon ein Großteil über die Felder hinweg zwecks Regenwasserentwässerung, die im Westen hinter dem Klösterchen entlang führen soll), gilt es anzulegen.

Insgesamt 14 Hektar misst die bislang landwirtschaftlich genutzte Fläche, die bald schon mit bis zu 300 Wohneinheiten bebaut werden soll. Foto: grafik

Ein- und Mehrfamilienhäuser (zweigeschossig mit Staffelgeschoss) sind auf der bisherigen Ackerfläche vorgesehen, die sich von der Geilenkirchener Straße im Süden bis zur Römerstraße respektive An der Herrenstraß im Norden erstreckt.

Seniorengerechte Gebäude (eingeschossig mit ausgebautem Dach) sollen ebenfalls dazu gehören, im Westen des Plangebiets in Richtung Marie-Juchacz-Straße, wo auch Kurzzeit- und Tagespflegeplätze realisiert werden können.

Mindestens 15 Prozent der bis zu 300 Wohneinheiten, so der politische Wille, sollen sozialgebunden, das heißt öffentlich gefördert, errichtet werden. Im Sinne der Nachfrage nach günstigem Wohnraum.

Das Baugebiet teilt sich in zwei Bereiche auf, die in einem erschlossen und durch einen großzügigen öffentlichen Grünstreifen unterteilt werden, der nur fußläufig oder per Rad, nicht aber mit Kraftfahrzeugen überquert werden darf – um möglichen Schleichverkehr von vornherein zu unterbinden. Spielgeräte sollen den Grünstreifen bereichern. Zudem soll der Spielplatz am Rande des Plangebiets „ertüchtigt“ werden.

Des einheitlichen Bildes wegen sind für die Häuser Putzfassaden „im Farbspektrum weiß“ zulässig, eine grelle Farbgebung und glänzende Oberflächen indes ausgeschlossen. Die Dächer der „Hauptbaukörper“ sind als Flach-, Pult- oder Satteldächer vorgegeben. Auch für Dachgauben und sonstige Dachaufbauten, Zwerchhäuser und Zwerchgiebel gibt es genaue Festsetzungen.

Im Süden, nahe der verkehrlichen Erschließung von der Geilenkirchener Straße aus, ist auf städtischem Grund eine fünfgruppige Kindertagesstätte eingeplant. Im Westen wird das Kita-Gelände durch eine schützenswerte Streuobstwiese abgegrenzt, die im Bereich des ehemaligen Betonwerks steht. Letzteres soll in Bälde verschwinden, der Abrissantrag, so Schlösser, werde derzeit erstellt.

Zurzeit laufe unter anderem noch die dazu erforderliche Artenschutzprüfung. „Es kann ja sein, dass sich zum Beispiel Fledermäuse in der alten Ruine angesiedelt haben“, erklärt Schlösser. Da gelte es vor weiteren Maßnahmen die Brutzeit abzuwarten. Auf alle Fälle sei der Abriss der Ruine für dieses Jahr geplant. Im Sinne des „vorsorglichen Artenschutzes“ sind im Bebauungsplan entsprechend Fledermauskästen in der nahen Umgebung anzubringen.

Gemäß der Empfehlung des Landschaftspflegerischen Fachbeitrags, so eine weitere Festlegung, sind überdies als „insektenfreundliche Leuchtmittel“ ausschließlich LED im öffentlichen Raum und im Bereich privater Freiflächen zu verwenden.

Im Süden wird das Baugebiet  durch einen breiten Grünzug mit Regenüberlaufbecken begrenzt.

Die Erschließung des nördlichen Bereichs soll an zwei Stellen über die Römerstraße erfolgen, die aufgrund ihres Zustands irgendwann ohnehin hätte ausgebaut werden müssen, wie Schlösser darlegt.

Noch hat die Vermarktung der dann voll erschlossenen Grundstücke (ohne Architektenbindung) nicht begonnen. Das Interesse indes ist ungebrochen groß, berichtet Schlösser von nahezu täglich zahlreichen Anrufen und E-Mails potenzieller Bauherren.

Aber erst gelte es, die Ausschreibungsergebnisse abzuwarten und diese dann mit der bisherigen Kalkulation abzugleichen. „Dann werden wir der Gesellschafterversammlung Vorschläge zu den Grundstückspreisen unterbreiten.“ Bis zum Sommer dürfte das erledigt sein: „Wir wollen jetzt so schnell wie möglich starten. Weil wir wissen, es brennt den Leuten auf den Nägeln!“, sagt Schlösser. Während der Erschließung könnten die Bauherren dann ja schon Finanzierung, Architektenpläne etc. parallel vorantreiben.

Blickt man auf die schnelle Entwicklung des Neubaugebiets Kämpchenstraße in Kohlscheid sowie das bereits rege Interesse am Anfang September 2018 vom Stadtrat verabschiedeten Bebauungsplan III/31 – „An der Herrenstraß“, so ist davon auszugehen, dass sich im Süden Merksteins schon in wenigen Jahren ein neuer Stadtteil gebildet haben wird.

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