Herzogenrath: Bahnbrücke über der Kleikstraße soll bemalt werden

Herzogenraths Innenstadt : Die Bahnbrücke soll endlich schöner werden

Durch illusionistische Malerei soll der Bereich der Bahnbrücke in Herzogenraths Innenstadt aufgewertet werden. Ein Berliner Büro hat den Planungsauftrag erhalten. Aber zunächst müssen Grundvoraussetzungen geklärt werden.

Sie führt mitten durch die Stadtmitte und ist baulich wahrlich kein Meisterwerk: die rund 50 Meter lange Bahnbrücke über dem Kreisel Kleikstraße/Glasstraße. Über Jahrzehnte hinweg war das Anfang der 1950er Jahre zusammengenietete Behelfskonstrukt nicht nur optisch ein Ärgernis, sondern auch wegen der hohen Lärmbelästigung aufgrund des permanenten Zugverkehrs auf dieser wichtigen Strecke. Die Verschönerung der Brücke wurde zum Bestandteil des „Masterplans Grenzland Wurmtal“ im Zuge der Strukturfördermaßnahme Euregionale 2008.

Namhafte Planer entwickelten seinerzeit unter anderem die Idee des Heliports auf dem Kreisverkehr unter der Bahnbrücke, nachts mit Lichtkegeln angestrahlt. Den ungemütlichen Ort nicht etwa durch Grünanlagen verniedlichen, sondern noch absurder erscheinen zu lassen, war eine der Intentionen hinter dem provokanten Vorschlag. Der stieß allerdings schon deswegen auf wenig Gegenliebe, weil der halbe Helikopter, der dazu unter der Brücke hätte installiert werden sollen, nicht mit den darunter herfahrenden Transportern der Vegla in Einklang zu bringen gewesen wäre.

Eine private Initiative hatte es im Jahre 2005 auch einmal gegeben, die die damals noch völlig offene Stahlkonstruktion mit farbigen Aluminiumplatten verkleiden wollte. Was bei der DB Netz AG durchaus auf offene Ohren stieß. Viel Wasser ist dann aber doch noch die Wurm runtergeflossen, bis die Brücke im Jahr 2011 schließlich „entdröhnt“ wurde – dem Konjunkturpaket II sei Dank, von dem seinerzeit auch die Deutsche Bahn profitierte. Flankierend galt es, den über 50 Jahre auf dem Bauwerk angesammelten Dreck zu entfernen.

Auf Knien sind die Arbeiter dazu in alle Zwischenräume gekrochen, um Zentimeter für Zentimeter Taubenkot, Nestreste und weiteren über die Jahrzehnte festgebackenen Schmutz von den Eisenteilen zu kratzen. Rund 42 Kubikmeter Taubenkot fielen dabei an. Anstelle der korrodierten alten Stahlplatten und Entwässerungsrinnen wurden glasfaserverstärkte Kunststoffplatten angebracht, was die Situation unter der Brücke nicht nur geräuschärmer machte, sondern auch noch angenehm „erhellte“.

Immerhin schon mit „Farbtupfer“: Auch so genannte Angstbereiche sollen umgestaltet werden, etwa das Gässchen vom Schürhof zur Glasstraße. Foto: Beatrix Oprée

Die Dämmungsmaßnahmen beschränkten sich bei weitem nicht auf die Verkleidung der Brückenanlage, sondern umfassten alle Teile, die beim Überfahren eines Zuges in Schwingung geraten: Die Schienen wurden mit Gummileisten gesäumt, um deren Vibration zu minimieren. Unter jeden der vier Längsträger wurden spezielle Brückenabsorber installiert – bestehend aus xylophonartig nebeneinander montierten Vierkant-Aluminiumrohren. Zwischen Brückenbleche und Schwellen wurden überdies wabenartig geformte GFK-Platten (glasfaserverstärkter Kunststoff) geschoben, um die Reibung von Stahl auf Stahl zu verhindern. Mit deutlich hörbarem Erfolg.

Die rund 1,3 Millionen Euro teuren Umbaumaßnahmen waren zugleich Pilotprojekt: Was in Herzogenrath erprobt wurde, war als Standard vorgesehen für Lärmschutz an stählernen Bahnbrücken in der ganzen Republik, wie der Bauleiter unserer Zeitung damals erläuterte. Zu guter Letzt erhielten die Geländer rund einen Meter hohe grauweiße Verkleidungen. Über die bis heute die rostigen Stahlträger hinausragen.

Motivfindung als zweiter Schritt

Im Zuge des „Integrierten Handlungskonzepts Herzogenrath-Mitte“ (InHK) soll aus der einstigen provisorischen Lösung endlich ein echter Hingucker werden. Mit Hilfe eines sogenannten Trompe-l’œil, das heißt illusionistischer, Dreidimensionalität vortäuschender Malerei. Das auf diesem Gebiet renommierte Berliner Büro Creative Stadt hat jetzt in nicht öffentlicher Sitzung des Umwelt- und Planungsausschusses den Auftrag für Planungsleistungen zur Aufwertung der Brücke „zwischen Haupteinkaufsstraße und Altstadt“ erhalten.

Eine „ansprechende künstlerische Gestaltung“ ist laut InHK vorgesehen. Doch dazu bedarf es zunächst noch der Abklärung mit der Deutschen Bahn als Eigentümerin der Brücke. Anfang April, so erläutert der stellvertretende Innenstadtmanager Karl Hamacher vom Aachener Büro BKR auf Anfrage unserer Zeitung, habe es einen Abstimmungstermin gegeben. Denn aus Sicht der Bahn müssen bestimmte Anforderungen erfüllt bleiben, unter anderem regelmäßige Inspektionen möglich und der Zustand der Bahnbrücke jederzeit überprüfbar sein, das heißt, entstehende Risse und ähnliche Schäden müssen sofort erkennbar sein.

Für das Kreativbüro gilt es im Gegenzug ebenfalls, die Grundvoraussetzungen zu klären. Schritt 2 soll dann der Motivfindung gelten. Welches Format dazu gewählt wird, vielleicht Workshops zusammen mit den Bürgern, ist ebenfalls noch nicht klar. Denn zunächst gilt es, die Antwort der Bahn abzuwarten.

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