Gesamtschulerweiterung in Kohlscheid liegt voll im Zeitplan

Erweiterung der Gesamtschule in Kohlscheid : Am 11.11. soll der Rohbau fertig sein

Die Erweiterung der Gesamtschule in Kohlscheid ist in vollem Gange: Generalunternehmer Goldbeck und die Stadtverwaltung Herzogenrath legen dabei einen ehrgeizigen Zeitrahmen vor.

Mitunter richtig eng wird es in der Casinostraße in diesen Tagen, denn zurzeit stehen hier Betonmischer buchstäblich Schlange: Die Streifenfundamente für die Erweiterung der Gesamtschule Kohlscheid werden gegossen und lassen schon deutlich die Ausmaße des L-förmigen Neubaus erkennen. In minutiöser Kleinarbeit haben Eisenformer das Stahlgeflecht für die Armierung gerödelt, jetzt ist Körperkraft gefragt, um das viele Meter lange Rohr zu führen, durch das der Flüssigbeton mit gehörigem Druck in die Metallkäfige fließt.

  Flüssiger Beton wird am laufenden Meter geliefert, das Gießen des Fundaments ist eine logistische Herausforderung. Ab kommender Woche ist dann die Bodenplatte an der Reihe. Foto: Beatrix Oprée

Der Vorarbeiter turnt dazu auf den Armierungen herum und hat die richtige Füllmenge genau im Blick. „Die Zwischenräume werden auch noch verfüllt und verpresst, dann kommt die Bodenplatte darauf“, erklärt Stefan Keppel, Projektleiter des Generalübernehmers Goldbeck, des Unternehmens, das in kürzester Zeit auch die neue Gesamtschule an der Krottstraße in Würselen errichtet hat, in der jetzt schon fleißig gelernt wird.

Inbetriebnahme Sommer 2020

In Herzogenrath soll alles noch schneller gehen: Die Inbetriebnahme der neuen Räume, die einen reibungslosen Schulablauf der schnell und bislang an zwei Standorten wachsenden Gesamtschule II – die längst unter dem viel schöneren Namen Maria Sibylla Merian Gesamt­schule firmiert – an einem einzigen Ort ermöglichen soll, ist für Sommer 2020 vorgesehen. So der politische Wille.

Vom Altbau aus können die Schüler derweil auf dem Weg zur Mensa den Baufortschritt in Augenschein nehmen. Foto: Beatrix Oprée

Trotz der vorgegebenen gerade einmal anderthalb Jahre Bauzeit ist der Projektleiter des Auftragnehmers zuversichtlich: „Zwar haben wir das in dieser Geschwindigkeit so noch nicht gehabt“, sagt Keppel. „Doch hier ziehen alle an einem Strang!“

Der Totalunternehmervertrag über ein Bauvolumen von 11.055.110 Euro war im April mit Goldbeck abgeschlossen worden. Der Bauantrag wurde innerhalb von sechs Wochen eingereicht. Und die Genehmigung durch die Bauordnung sei auch nach nur sechs Wochen erfolgt, berichtet Keppel. Und noch immer sei man „taggenau“. Will in diesem Fall heißen: Auch wenn die Taktung von Rödeln und Betongießen beim Fundamentbau eine logistische Herausforderung darstellt, läuft es bislang wie geschmiert.

Vorgefertigte Systemelemente

In rund drei Wochen schon soll das Fundament samt Ankerplatten fertig sein, und dann werden die Außenmauer-Elemente geliefert. „Komplett mit Alufenstern, Sonnenschutz und allem, was dazu gehört“, sagt Keppel. „Nur die Türen müssen noch eingesetzt werden.“ Dabei handelt es sich um industriell gefertigte Systemelemente aus Stahl und Beton, die im Wesentlichen von Goldbeck in eigenen Werken in Bielefeld, Treuen, Ulm und Hamm, in Kutná Hora und Tovačov (beide Tschechien) sowie in Tosun, Rakowice und Lodz (alle in Polen) hergestellt werden.

Eigenen Angaben nach beschäftigt Goldbeck, ein mittelständisches Familienunternehmen, das 1969 als Stahlbaubetrieb von Ortwin Goldbeck gegründet wurde, mehr als 7000 Mitarbeiter an 70 Standorten in Deutschland und dem europäischen Ausland.

Keppel erläutert aus seiner Sicht die Vorteile der Systembauweise: „Ein klassischer Rohbau braucht drei bis vier Monate, wir können diese Zeit auf sechs Wochen reduzieren.“ Am 11.11., so schmunzelt er, soll der Rohbau stehen, „trocken und fertig“.

Und so soll der Erweiterungsbau an der Casinostraße einmal aussehen: mit roten Akzenten, den Schulfarben entsprechend. Foto: ©Dohle + Lohse Architekten

Das Fundament an der Casinostraße indes wird von einer albanischen Firma geschaffen. „Wir überprüfen täglich, ob alle Arbeiter, die auf der Baustelle erscheinen, auch die entsprechenden Verträge mit deutschem Mindestlohn haben“, versichert Keppel auf Nachfrage mit Verweis auf die neu im Mindest­lohngesetz festgeschriebene Auftraggeberhaftung.

Die Pläne für das vierstöckige Gebäude entlang der Casinostraße mit zweistöckigem Querbau, der eine direkte Verbindung zum Altbau schaffen soll, stammen, ebenfalls wie in Würselen, aus dem Braunschweiger Büro Dohle + Lohse Architekten.

Rund 45 Klassenräume mit Vorbereitungsräumen, dazu Toilettenanlagen und weitere Nebenräume sollen auf 1200 Quadratmetern Grund- und 5300 Quadratmetern Bruttogeschossfläche Platz finden. Zudem die neue Hausmeisterwohnung. Per Überbau wird die Verbindung zur Turnhalle an der Casinostraße geschaffen.

Die alte Hausmeisterwohnung und die Toilettenanlage auf dem bisherigen Schulhof waren Anfang Mai abgerissen worden. „Da war die Hausmeisterin gerade ausgezogen“, schildert Keppel das vorgelegte Tempo. Ein Großteil des dabei entstandenen Bauschutts wurde recycelt und für die Bodenverdichtung wiederverwertet.

Frische Formen und Farbensprache

„Wir hatten auch schon zwei sehr gute Bemusterungstermine bei Goldbeck in Monheim“, sagt der Technische Beigeordnete Ragnar Migenda, der die Baustelle zusammen mit den städtischen Projektleitern Mario Frohn und Jennifer Jussen zufrieden in Augenschein nimmt. Bemusterung heißt: Die komplette Innenausstattung ist zusammen mit Schulleiterin Barbara Onkels und ihrer Stellvertreterin Andrea Bremer-Schmiemann ausgesucht worden. „Passend zu den Schulfarben Rot und Blau“, wie Jussen darlegt. Insgesamt, so Migenda, habe man Wert auf eine frische, aber zurückhaltende Formen- und Farbensprache gelegt. „Und auf eine gute Symbiose zwischen Alt- und Neubau.“

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