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Ernst Lieske vom Heimatverein Kohlscheid über die Nachkriegs-Osterzeit

Damals zur Osterzeit : Eiersuchen im Selbstversorgergarten

Zu Feiertagen gehen gerne auch Erinnerungen zurück, etwa an die Ostertage kurz nach dem Krieg. Ernst Lieske vom Heimatverein Kohlscheid hat Bilder von damals hervorgeholt.

Allgemeine Ausgangsbeschränkungen, Kontaktsperre, Quarantäne, Isolation, Einkäufe auf Vorrat — nicht wenige Ältere unter uns fühlen sich in diesen Tagen des coronabedingten Ausnahmezustands an ihre Jugend erinnert. An Zeiten von Entbehrungen, von Bedrohung, aber auch des Auflebens, nachdem alles vorbei war und die Menschen zuversichtlich nach vorne schauen konnten.

Ernst Lieske, der frühere Vorsitzende und heutige Beirat des Heimatvereins Kohlscheid, wird nicht der einzige sein, der jetzt Bilder aus seiner Kindheit in die Hand genommen hat. Und der zurückdenkt an die Osterzeit kurz nach dem Krieg. Zwei Fotos hat er unserer Redaktion zugeschickt, aufgenommen im Garten des Hauses an der Wilsberger Straße, das 1908 von seinen Großeltern väterlicherseits gebaut wurde und in dem er und seine Frau Brigitte heute noch leben. Eisenbahner war Großvater Karl gewesen, unter anderem am Fahrkartenschalter im Kohlscheider Bahnhof tätig.

Der Bahnhof, der für Ernst Lieske nicht nur deswegen eine besondere Bedeutung hat: Erst im Alter von fünf Jahren, so berichtet er, habe er seinen Vater kennengelernt, der Soldat gewesen war und erst spät aus der Kriegsgefangenschaft heimkehrte. „Er kommt, er kommt!“, habe es plötzlich aufgeregt geheißen, erinnert er sich noch genau, wie alle losrannten, wie er selbst, der kleine Junge, mit ungeschnürten Schuhen zum Bahnhof gelaufen sei — „und da fuhr dann auch schon der Zug aus Friedland ein“. Einer der glücklichsten Momente seines Lebens. „Immer, wenn ich am Bahnhof vorbeikomme, muss ich daran denken“, sagt der heute fast 76-Jährige.

Einige Jahre später: Erich Lieske als Zwölfähriger unter Aufsicht von Mutter und Tante beim Eiersuchen mit der kleinen Schwester Irene. Foto: Ernst Lieske/Lieske

Frohe Jahre im Kreise der wiedervereinten Familie folgten. Die Aufnahmen aus dem Garten zeugen davon. Der kleine Ernst im Pullunder mit Eltern, Großeltern, Tante und einem kleinen Cousin vor dem Schlammweiher. Zwei Kohleloren sind im Hintergrund zu erkennen. „Bis hier fuhr ja das Kohle-Zügsje von der Grube Laurweg“, berichtet Lieske.

Oder 1956 beim Eiersuchen im Garten, mittlerweile war Schwester Irene geboren, die heute in Wuppertal lebt. Weiße Schleifen trägt sie im Haar und der damals zwölfjährige Ernst eine kurze Hose und Kniestrümpfe. Auch damals war es offenbar ein warmer sonniger Tag, als die Geschwister unter Aufsicht von Mutter und Tante auf Ostereiersuche gingen. Im Selbstversorgergarten, wie er nach dem Krieg üblich war. „Für das Färben der Eier waren die Großeltern zuständig“, erinnert sich Lieske, wie er ein Nest in der Hand hält, um die bunt bemalten Fundstücke seiner kleinen Schwester aufzusammeln. Schokolade gab es noch selten.

Nur wenige Jahre nach der Aufnahme vom Eiersuchen im Garten hat auch Enkel Ernst bei der Bahn angefangen. Eisenbahner wie sein Großvater ist er dann aber nicht geblieben: „Nach drei Jahren habe ich zunächst zum EBV gewechselt und 1966 zur Sparkasse, wo ich bis zum Schluss geblieben bin.“