Drei Varianten für Radschnellweg von Kohlscheid nach Herzogenrath

Von Kohlscheid nach Herzogenrath : Drei Varianten für Radschnellweg im Blick

Sie war zumindest im öffentlichen Bewusstsein etwas abgeebbt, die Debatte um den Verlauf des Radschnellwegs Euregio auf dem Teilstück durch Herzogenrath. Im Zuge unserer Berichterstattung in Sachen Neubau einer Brücke am Pilgramsweg über die Bahnlinie Aachen-Mönchengladbach hinweg ins Wurmtal, den jetzt auch die SPD-CDU-Kooperation beantragt hat, ist sie wieder aufgekeimt.

Zur Brücke: Dass es eine neue Verbindung für Fußgänger und Radfahrer ins Wurmtal geben muss, darüber sind sich alle einig. So hatten im Jahr 2015 bereits Grüne, FDP, Linke und Piraten gemeinschaftlich die Prüfung kostengünstiger Alternativen für die seinerzeit als marode erklärte alte Brücke beantragt. Und gleich auch zwei Vorschläge mitgeliefert: ein Referenzprojekt mit zwei Fußgängerbrücken in der Südeifel, Kosten: 42.000 respektive 52.000 Euro, sowie die Idee einer niveaugleichen Querung der Gleise mittels signalisiertem Übergang wenige Meter jenseits der Stelle, wo heute nur noch die Widerlager der Maubacher Brücke stehen.

Bezüglich letzterem verwies die Stadt auf eine negative Stellungnahme der Deutschen Bahn. Und zum Referenzprojekt stellte sie heraus, dass es sich hierbei um „untergeordnete Brücken über kleinere Bäche“ handele. Die lichte Weite der Brücke Pilgramsweg indes betrage 42 Meter über eine elektrifizierte, zweigleisige Bahnstrecke hinweg bei einer Höhe von rund acht Metern. Eine Sanierung der Widerlager einschließlich Stahlüberbau für Fußgänger und Radfahrer hatte die Stadtverwaltung in der Vergangenheit schon mal mit rund 500.000 Euro veranschlagt.

Und da kam der Radschnellweg Euregio ins Spiel: Unter anderem die örtliche Rechnungsprüfung habe darauf hingewiesen, dass die Brücke Maubach „zur Zeit ein Teil der Trassenplanung zum neuen Premium-Radweg Aachen-Heerlen“ sei (womit auch die Ausläufer nach Kerkrade und Herzogenrath gemeint waren). Und sämtliche dort entstehenden Kosten seien förderfähig. Daran hat der Technische Beigeordnete Ragnar Migenda jetzt noch einmal erinnert.

Bis Ende des Jahres

Unsere Zeitung hat dies zum Anlass genommen, mit Stefan Jücker, Dezernent für Bauen, Umwelt und Verbraucherschutz bei der Städteregion Aachen, sowie dem Radwegebeauftragten Ralf Oswald über den Sachstand der Planungen des insgesamt 13,7 Kilometer langen Radschnellwegs Euregio zu sprechen.

Vor den Plänen zum Radschnellweg: Dezernent Stefan Jücker (r.) und Radwegebeauftragter Ralf Oswald. Foto: Beatrix Oprée

Zur zeitlichen Dimension: Bis der rund 3,8 Kilometer lange Abschnitt Kohlscheid-Herzogenrath ausgebaut ist, der von der Forensberger Straße bis zum Kreisverkehr Uferstraße/Kleikstraße reicht, könnten laut Schätzungen von Jücker und Oswald noch rund fünf Jahre ins Land gehen. Zurzeit läuft noch der Prozess der Linienfindung, der bis Ende des Jahres unter Dach und Fach sein soll, um dann in die Entwurfsplanung einsteigen zu können.

Zu steil

Was die Querung der Bahnlinie Aachen-Mönchengladbach angeht, so steht bislang nur eines fest: Auf Höhe Pilgramsweg wird diese, da für einen Schnellweg mit zu großer Steigung verbunden, nicht erfolgen. Falls eine Querung überhaupt nötig ist. Zurzeit werden für dieses Teilstück von Straß bis zur Innenstadt nämlich noch drei Streckenvarianten diskutiert:

Variante 1 sieht überhaupt keine Querung der Bahnstrecke in diesem Bereich vor, sondern einen Trassenverlauf westlich der Bahn ausgehend vom Hundforter Weg über eine eigens zu bauende Brücke über die Schütz-von-Rode-Straße hinweg, dann am Rand des Parkplatzes Schürhof entlang durch das zu öffnende Gässchen (was im Zuge des „Integrierten Handlungskonzepts Herzogenrath-Mitte“ InHK ohnehin erfolgen soll) bis zur Uferstraße.

Variante 2 führt die von Kohlscheid kommende Trasse unterhalb des Pilgramswegs vorbei auf den Hundforter Weg, um rund 300 Meter weiter, kurz vor der Siedlung Hundforter Benden, mittels Unterführung die Bahn zu queren. Östlich der Bahn würde es dann weiter über die Eisenbahnstraße und eine neue Brücke über die Schütz-von-Rode-Straße und ebenfalls im Planungskontext des InHK bis zur Uferstraße gehen.

Variante 3 nutzt ebenfalls die angedachte Bahnunterführung, verläuft dann aber südlich um die Siedlung Hundforter Benden herum durch die als Fahrradstraße umzubauende Wiesenstraße sowie die Albert-Steiner-Straße zur Uferstraße. Diese Route wäre kurzfristig am ehesten umsetzbar, sagt Oswald. Und hätte den Charme der direkten Anbindung an den Radweg zum Schulzentrum Herzogenrath. Die Querung der stark frequentierten Schütz-von-Rode-Straße indes würde mittels Ampel bewerkstelligt. Mit Wartezeiten von bis zu 95 Sekunden, was laut Jücker mit Blick auf die Kriterien für einen Radschnellweg aber eigentlich zu lang wäre. Und: Auf einer echten Fahrradstraße, so erläutert Jücker, seien Autos nur „Gäste“, in der Wiesenstraße noch darstellbar, in der engen Albert-Steiner-Straße hingegen eher nicht.

Quelle: Städteregion Aachen. Foto: grafik

Aus Sicht der städteregionalen Radweg-Planer wäre der Bau einer vom Radschnellweg unabhängigen Fußgänger-/Radfahrerbrücke durch die Stadt Herzogenrath am Pilgramsweg begrüßenswert. Jücker: „Je mehr Anbindungen der Radschnellweg bekommt, umso besser.“ Der an der Bahnlinie deutlich erkennbare illegale Trampelpfad am Eisenbahnweg über das Gleisbett hinüber zeige überdies, wie viel Druck es hier seitens der Bevölkerung gebe.

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