Das Markus-Gemeindehaus ist in Herzogenrath angekommen

Altes Pfarrhaus : Das Markus-Gemeindehaus ist in Herzogenrath angekommen

Seit September 2018 sind die Umbaumaßnahmen abgeschlossen, das alte Pfarrhaus ist zum neuen „Markus-Gemeindehaus” geworden.

Für Pfarrer Joachim Wehrenbrecht begann die ganze Geschichte vor ziemlich genau sechs Jahren. 2013 wurde nach längerer Vakanz der Pfarrstelle in der Markuskirche am Rathaus durch den gebürtigen Westfalen besetzt – Wehrenbrecht folgte auf die in die Gemeinde Übach-Palenberg gewechselte Pfarrerin Angelika Krakau. Mit einem Schmunzeln erklärt er heute, dass einem Detail in der Stellenausschreibung eine besonderer Gewichtigkeit inne wohnte: Der neue Pfarrer durfte seinen privaten Wohnsitz im Stadtgebiet frei wählen, musste nicht zwangsläufig das Pfarrhaus an der Saarstraße beziehen.

Nachdem mit der Familie Krakau die letzte Pfarrfamilie aus der Dienstwohnung ausgezogen war, stand das Haus leer. Turbulente und aufregende Jahre sind seitdem vergangen. Seit September 2018 sind die Umbaumaßnahmen abgeschlossen, das alte Pfarrhaus ist zum neuen „Markus-Gemeindehaus” geworden. Nachdem an Christi Himmelfahrt der offizielle Eröffnungsakt vollzogen worden war, zogen Wehrenbrecht und die Vorsitzende des Bvollmächtigten-Ausschuss Dr. Britta Schwering im Gespräch mit unserer Zeitung ein erste Bilanz.

Die Evangelische Lydia-Gemeinde in Herzogenrath muss sich - wie viele andere Gemeinden auch - mit typischen Problemen auseinander setzen. Sinkende Gemeindegliederzahlen haben unweigerlich Einfluss auf die Kirchensteuer, Standorte müssen verkleinert und zugleich modernisiert werden. Der Spagat zwischen Kostensenkungen und notwendigen Investitionen erfordert Herzblut und Sachverstand – kurzfristige Maßnahmen haben wenig Aussicht auf langfristigen Erfolg. Auch beim alten Gemeindezentrum, welches sich in direkter Nachbarschaft zum ehemaligen Pfarrhaus befindet, wurde ein Verkauf in Betracht gezogen.

„Der Haushalt war defizitär, eine Veräußerung hätte das Loch aber nur einmalig stopfen können. Wir haben die Idee damals verworfen”, erläuterte Schwering. Das Pfarrhaus sollte vermietet werden. Während eine private Vermietung scheiterte, weil der Interessent im letzten Moment einen Rückzieher machte, konnte man sich während der Flüchtlingswelle 2015/2016 mit der Stadt einig werden. 17 männliche Flüchtlinge nannten von nun an das Haus an der Saarstraße ihr neues Heim.

Als „Notunterkunft” wurde die Immobilie nach einiger Zeit nicht mehr gebraucht. Im Hintergrund hatten Schwering, Wehrenbrecht und Kollegen weiter mit Hochdruck an der Zukunft des Hauses gearbeitet. Der Modernisierungsprozess, der laut den beiden „unweigerlich Veränderungen mit sich bringt und zumindest eine gewisse Eingewöhnungszeit erfordert”, sei eine Mammutaufgabe, die die Lydia-Gemeinde objektübergreifend seit über zehn Jahren beschäftige. Neben den beauftragten Baufirmen wurde durch tatkräftige Hilfe von Küster Georg Fleps und seiner Familie das ehemalige Wohnhaus in eine Begegnungsstätte umgewandelt.

Kleine Räume wurden mittels Durchbrüchen zu größeren zusammen gefasst, die sanitären Anlage ausgebaut. Die Küche aus dem ehemaligen Gemeindezentrum wurde im Markus-Gemeindehaus wieder aufgebaut. Das schmucke Häuschen zählt nun zwei Gruppenräume, das Dienstzimmer des Pfarrers, einen Archivraum und eine Küche auf insgesamt zwei Etagen. Hinzu kommt die Gartenanlage, die insbesondere im Sommer gerne für Festlichkeiten genutzt wird. Während im ehemaligen Gemeindehaus die Kindertagesstätte „K.I.D.S.” in Kürze ihre neue Heimat finden soll, hat das Markus-Gemeindehaus seine „Feuertaufe” bereits hinter sich. „Der Anfang war sicherlich nicht leicht. Die Gemeindemitglieder haben jahrzehntelange Erinnerungen an das alte Gebäude und mussten sich erst an die neuen Räumlichkeiten gewöhnen. Es war zunächst ein Verlassen und auch ein Verzicht”, erklärte Wehrenbrecht.

Die verständliche Melancholie nahm jedoch keine Überhand, vielmehr setzte sich die Aufbruchstimmung durch. Eine „transparente Umzugspolitik” führte schnell zu höherer Akzeptanz in der Gemeinde. Nachdem in den ersten Septembertagen des vergangenen Jahres viele ältere Besucher über die umständlichen Treppen im Eingangsbereich klagten und auch die Akkustik im großen Versammlungsraum zu wünschen übrig ließ, legten Fleps und Kollegen noch einmal Hand an: Der Eingangsbereich wurde durch eine Fachfirma um eine sanft ansteigende Rampe und ein Geländer erweitert, die Treppen wurden abgeflacht. Im Versammlungsraum wurde die Decke mit Platten gedämmt, um den Geräuschpegel zu senken. Für Wehrenbrecht ist der emotionale Umgang mit dem Abschied vom alten Haus auch ein „Ausdruck von Lebendigkeit” - Lethargie wäre eine viel schlimmere Reaktion aus seiner Sicht gewesen. Der Wandschmuck im Innern ist schlicht und ästhetisch, der bekennende Kunstliebhaber Wehrenbrecht hat neben Plakaten und Flyern auch Gemälde aufgehangen.

Das Markus-Gemeindehaus entwickelt sich zum Scharnier zwischen den beiden anderen Predigtstätten Merkstein und Kohlscheid. Das Konzept der Fokussierung geht laut den Verantwortlichen voll auf: Bereits jetzt habe sich das Haus zum Brennpunkt für Verwaltungs- und Gremienarbeit entwickelt Sowohl die Eröffnungsfeierlichkeiten als auch das Gemeindefest am 30. Juni haben laut Wehrenbrecht viele Vorbehalte in der Gemeinde gegen die neue Stätte abbauen können.

(yl)