Bergbaudenkmal Adolf: „Wir stehen nur scheinbar auf sicherem Grund“

Erzählabend im Bergbaudenkmal : „Wir stehen nur scheinbar auf sicherem Untergrund“

Die Gefahren lauern auch im Nordkreis unter der Erde. Denn unterhalb der ehemaligen Bergbaugemeinden ist der Boden teilweise ziemlich „hohl“. Die Situation schilderte Ewald Junger beim Erzählabend des Vereins „Bergbaudenkmal Grube Adolf“, wo er zum fünften Mal als Referent auftrat, ohne auf Panikmache zu setzen.

540 Schächte seien seinerzeit kartographiert worden. „Ich denke aber, dass es wesentlich mehr gibt, weil früher nicht so viele Schächte registriert wurden“, glaubt Junger. Es könnten „800 bis 900 Schächte insgesamt allein im Herzogenrather Gebiet“ sein. Aufgrund von Bergschäden wurden in Merkstein seinerzeit sechs bis acht der sogenannten Humboldthäuser abgerissen. Und in Kohlscheid gab es Löcher, die verfüllt werden mussten.

Phasenweise blieben die Münder offen stehen, weil Bilder und Filme zum Thema „Und plötzlich ist die Erde weg. Die Gefahr der Löcher unter uns“, das Ewald Junger sich ausgesucht hatte, so spektakulär waren. Im Fördermaschinenhaus ließ Junger, selbst einmal Bergmann und in dieser Eigenschaft auch mehrere Jahre „unter Tage“ unterwegs, zunächst einen Film aus der WDR-Reihe „Quarks und Co.“ laufen, in dem gezeigt wird, wie Löcher durch Erdrutsche oder Wassereinbruch und auch durch andere Naturereignisse entstanden.

Besonders in den USA und in Japan ist dies ein Phänomen. Entdeckt wurden kraterartige Löcher mit Durchmessern bis zu mehreren Hundert Metern. Sie „verschluckten“ Autos und rissen sogar Menschen in den Tod. An einem Beispiel war dabei zu erfahren, dass sich in einem Wohnhaus unterhalb eines Schlafzimmers ein großes Erdloch gebildet hat, das nachts plötzlich einen Menschen mitriss, der niemals gefunden wurde. Aber auch das sogenannte „Loch von Siegen“, das vor einigen Jahren bundesweit für Aufsehen sorgte, war Bestandteil des Filmes. Er zeigte verzweifelte Menschen, die ihre Wohnungen und Häuser verloren und nur knapp dem Tod entronnen waren.

Der 67-jährige Junger beleuchtete im Rahmen des Erzählabends – das Interesse reichte bis nach Alsdorf und Baesweiler, aus beiden Kommunen waren Gäste da – auch die durch Bergschäden abgesackten Flächen vor dem Dortmunder Westfalenstadion. Plötzlich waren mehrere Hundert Parkplätze nicht mehr befahrbar. Die Löcher wurden zum Teil mit einer Betonmischung verfüllt. Viel Aufsehen erregte auch ein elf Meter tiefes Loch, das unmittelbar an der A 45 in der Nähe Olpes für große Schäden sorgte. Eine prominente Katastrophe war der Einsturz des Kölner Stadtarchivs im Jahr 2009, der sich als Folge von Arbeiten an einem neuen U-Bahn-Schacht herausstellte.

Nach einer knappen Stunde des Studierens von Filmmaterial und Bildern leitete Ewald Junger die Gesprächsrunden ein. So wollte er unter anderem wissen, in welchem Umfang die niederländischen Freunde mit Bergschäden und Löchern befasst sind. Junger stellte fest: „Wir stehen nur scheinbar auf sicherem Untergrund. Denn der Boden unter uns ist keineswegs so stabil wie er zunächst scheint.“ Seine Vermutung: „Unter uns wimmelt es vor Hohlräumen.“ Die Ursachen sind verschiedenster Natur: Natürliche Löcher, menschengemachte Löcher oder unterirdische Explosionen, die riesige Löcher hinterlassen.

(mali)