Ausstellung im Rathausfoyer Herzogenrath zum Thema „Depression“

„Heute ist kein Tag für Energie mehr!“ : Ausstellung im Rathausfoyer zum Thema „Depression“

Eine Enttabuisierung eines wichtigen Themas ist das Ziel der aktuellen Ausstellung im Rathausfoyer Herzogenrath: Die Schau „Heute ist kein Tag für Energie mehr!“ greift das Thema „Depression“ auf.

Seit 2016 nimmt die Stadt Herzogenrath an dem euPrevent-Projekt „Seniorenfreundliche Gemeinde“ der Euregio Maas-Rhein teil. Grenzüberschreitend werden dabei unterschiedliche Aktionen und Aktivitäten durchgeführt, die insbesondere die Bevölkerung auf die Problemlagen von Menschen mit Demenz und Menschen mit Depression im Alter aufmerksam machen.

„Herausgekommen ist keine bloße Aneinanderreihung von berührenden Lebensgeschichten, sondern ein Abbild der bunten Vielfalt von 25 Persönlichkeiten“, erklärt Sozialpädagogin Anja Wessing. Sie hat mit dem Triangel-Treff Herzogenrath-Kohlscheid das Ausstellungsprojekt initiiert. „In unserer Kontakt- und Beratungsstelle des sozialpsychiatrischen Zentrum für den Nordteil der Städteregion Aachen war die Idee entstanden, das Thema mit einer Werkschau aufzugreifen. Im Kreativtreff haben wir mit Seidenmalerei und freiem Malen begonnen“, erzählt Wessing.

Schnell entstanden auch bunte Malereien, die eine andere Facette des Themas aufzeigen – den Lebensmut der Patienten, die den Weg zurück in ein gesundes, normales Leben geschafft haben. Viele Themen sind in der Ausstellung dargestellt, vom Arztbesuch bis hin zu den Medikamenten. „Wir haben auch kleine Kraniche gefaltet, die heute von den Besuchern der Vernissage als Glücksbringer mitgenommen werden können“, erklärt Wessing. Für die Teilnehmer sei es zudem eine besondere Wertschätzung, im Rathaus ausstellen zu dürfen. Es bestehen Überlegungen, die Schau auch in Aachen und Stolberg zu zeigen.

Herzogenraths Bürgermeister Christoph von den Driesch eröffnete die Ausstellung und gab Informationen über die Krankheit Depression: „Zehn Prozent des Krankenstandes sind auf psychische Krankheiten zurückzuführen. Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation wird im Jahr 2020 Depression eine der häufigsten Erkrankungen sein. Aktuelle Studien beschreiben bereits heute, dass knapp neun Prozent aller Erwachsenen jedes Jahr eine zumindest zwei Wochen anhaltende depressive Episode erleben. Aber wie fühlt sich eine Depression an? Und welche Auswege gibt es?“

Das Thema der Ausstellung, die gemeinsam mit Ursula Kreutz-Kullmann vom AWO Projektbüro „Mitten in Merkstein“ realisiert wurde, sind Kunstwerke, Bilder und Texte, die von Personen geschaffen wurden, in deren Leben es um Depressionen geht. „Immer mehr Menschen reagieren offensichtlich mit psychischen Problemen auf ihre Anforderungen im beruflichen und privaten Umfeld. Da diese Krankheiten gravierend zunehmen, muss künftig immer mehr ein besonderer Augenmerk auf die Versorgung von Menschen mit psychischen Erkrankungen gelegt werden“, betonte Christoph von den Driesch.

Die Prävention und Therapie depressiver Störungen solle als vorrangige Aufgabe für die öffentliche Gesundheit geprüft und in Angriff genommen werden. „Es ist jetzt an der Zeit, alle Bereiche der Gesellschaft in die Bekämpfung, aber auch die Enttabuisierung depressiver Störungen und weiterer psychischer Erkrankungen einzubeziehen, bei der eine Vielzahl maßgeblicher Akteure an einem Tisch zusammengeführt werden, um dieses dringliche Problem für die öffentliche Gesundheit zu erörtern und gezielt in Angriff zu nehmen“, betonte Christoph von den Driesch.

Die Ausstellungseröffnung bildete den Auftakt zu einem Aktionszeitraum bis zum 21. November. Durch unterschiedliche Veranstaltungen wie Beratungen, Fachvorträge und Autorenlesungen soll die Aufmerksamkeit auf das allgegenwärtige Thema der Depression gelenkt werden und zu einem offenen Dialog in der Gesellschaft führen. Bei einer Aktion gaben viele Besucher einem zerknüllten Blatt eine neue Form und füllten die Pinnwand mit „schönen“, mutmachenden Gedanken. Die Ausstellung ist bis zum 19. November zu sehen.