Auma Obama erhält in Kerkrade Martin-Buber-Plakette 2020

Auma Obama erhält Martin-Buber-Plakette 2020 : Kleine geografische Verwirrungen

Auma Obama erhält im November die Martin-Buber-Plakette 2020 in Kerkrade. Für die feierliche Übergabe wünschte sich die Halbschwester des ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama den österreichischen Bundespräsidenten. Der Grund für diese ungewöhnliche Wahl liegt in einem Missverständnis.

Die Verleihung der Martin-Buber-Plakette, sagte Werner Janssen, „ist im Grunde gar nicht wichtig“, was insofern überraschend ist, als die von Janssen gegründete Stiftung Euriade diesen Preis alljährlich verleiht und Janssen so etwas ist wie der Erfinder dieser Preises ist. Wichtig sei vielmehr, sagte Janssen also weiter, dass Menschen miteinander ins Gespräch kämen, dass Fremde sich begegneten und insbesondere junge Leute durch neue Begegnungen ihren Horizont erweiterten. Diese Sicht der Dinge hätte dem Namensgeber des Preises, dem Philosophen Martin Buber (1878-1965), vermutlich gut gefallen. Das Prinzip des Dialogs steht im Mittelpunkt seines Hauptwerkes „Ich und du“, das Zuhören ist ein zentraler Bestandteil des Dialogs, wie Buber sich ihn vorstellte.

Obwohl nach Janssens Worten also das von Begegnungen und Gesprächen geprägte Rahmenprogramm der Preisverleihung im Herbst wichtiger ist als die Preisverleihung selbst, haben Janssen und seine Stiftung auch in diesem Jahr wieder einen Preisträger ausgewählt, der gut in die Liste der größtenteils prominenten Preisträger passt: „Auma Obama, die Schwester von Barack Obama“, sagte Janssen gestern Vormittag im Foyer des Theaters in Kerkrade vor Freunden und Journalisten, es gab Applaus.

„Auma Obama Stiftung – Sauti Kuu“

Obama, Jahrgang 1960, wuchs in Kenia auf und studierte später in Deutschland unter anderem Germanistik und Soziologie. Erst in den 80er Jahren lernte sie ihren jüngeren Halbbruder Barack kennen, der damals noch Sozialarbeiter in Chicago war, und bereiste mit ihm Kenia. Janssen erklärte gestern, Auma und Barack sei es wichtig, dass sie „Geschwister“ seien, keine „Halbgeschwister“, auch wenn dies biologisch den Tatsachen entspräche.

Auma Obama betreibt heute die „Auma Obama Stiftung – Sauti Kuu“, die Kindern in Afrika dabei helfen will, ein selbstbestimmtes Leben zu führen und ihnen berufliche Perspektive eröffnet. Ein Lebensthema von Auma Obama, dessentwegen sie Kenia nach der Schule verlassen hatte. Janssen sagte, sie sei, wie alle anderen Preisträger auch, zuvorderst eine Menschenfreundin. Er werde versuchen, für die Preisverleihung eine Grußbotschaft von Barack zu organisieren, die man bei der Preisverleihung in Kerkrade ja per Video zuspielen könne.

Weil Janssen gestern überraschenderweise nicht viel mehr über seine Preisträgerin erzählte, versuchte unsere Zeitung schon zu Beginn der Woche, ein Kurz-Interview mit Auma Obama zu bekommen. Insbesondere deswegen, weil sie bereits seit Montag in der Region ist: Am Montag war sie auf einer Prominenten-Gala in Köln, heute Abend tritt sie im Aachener Eurogress bei der Verleihung des Ordens wider den tierischen Ernst auf. Bereits am Mittwoch sandte unsere Zeitung einer Sprecherin von Auma Obama nach mehreren Telefonaten einen Fragenkatalog zu.

Da die Fragen gestern Nachmittag noch nicht beantwortet waren, meldete sich eine andere Sprecherin von Auma Obama und fragte, welches Interesse ausgerechnet eine in Aachen erscheinende Zeitung an dem Preis habe. Wörtlich schrieb die Sprecherin: „Und was hat die Buba Plakette mit dem Auftritt in Aachen zu tun?“ Die Verleihung sei doch in Wien und habe schlichtweg nichts mit Aachen zu tun.

Bitte?

Eine Rückfrage ergab, dass Auma Obama tatsächlich davon ausgeht, die Plakette in Wien entgegenzunehmen. Dass sie gestern in Kerkrade als nächste Trägerin der Buber-Plakette bekanntgegeben wurde, wisse sie nicht.

Die Verwirrung liegt möglicherweise in der Tatsache begründet, dass Martin Buber in Wien geboren wurde. Dass Obama davon ausgeht, die Plakette dort zu bekommen, erklärt dann vermutlich auch die Wahl ihres Laudators: Österreichs Bundespräsident Alexander Van der Bellen. Wäre ihr bewusst gewesen, dass sie den Preis in den Niederlanden erhält, hätte sie sich dann König Willem-Alexander als Laudator gewünscht?

Wie dem auch sei: Auma Obama fand diese Woche keine Zeit, unsere Fragen schriftlich, telefonisch oder persönlich zu beantworten. Gestern sei sie mit der Vorbereitung ihrer Karnevalsrede für den Auftritt im Eurogress befasst gewesen, teilte eine der Sprecherinnen mit. Nicht schlimm, vielleicht klappt’s ja bei der Preisverleihung, die am 27. November im Theater in Kerkrade stattfinden wird. Spätestens dann wird sich alle Verwirrung gelegt haben.

(red)