August-Schmidt-Platz Merkstein: Pavillon mit Flatterband visualisiert

Gastro-Pavillon auf August-Schmidt-Platz : Die Ausmaße mit Flatterband markiert

In Sachen Gastro-Pavillon auf dem August-Schmidt-Platz in Merkstein steht die Entscheidung über die „finalen“ Pläne am Dienstag bei einer öffentlichen Sondersitzung des Bau- und Verkehrsausschusses an.

Die nochmals überarbeiteten und nunmehr „finalen“ Pläne für den avisierten Gastro-Pavillon auf dem August-Schmidt-Platz liegen vor, am Dienstag, 29. Oktober, 18 Uhr, soll bei einer öffentlichen Sondersitzung des Bau- und Verkehrsausschusses darüber beschieden werden.

Gibt es im Fachausschuss grünes Licht, so zieht dies gemäß bisheriger Beschlusslage automatisch eine Entscheidung des – im Anschluss ab 19 Uhr tagenden – Stadtrats über die Durchführung eines sogenannten Ratsbürgerentscheids nach sich. Denn bekanntlich ist der Graben zwischen Befürwortern und Gegnern des Gastronomie-Projekts, das Tamer Basaran, Betreiber des gut gehenden Restaurants „Gelazzo“ an der Geilenkirchener Straße, auf dem August-Schmidt-Platz umsetzen möchte, mittlerweile so tief, dass die Lokalpolitik eine besondere Möglichkeit der Gemeindeordnung NRW ausschöpfen möchte.

Paragraph 26 (1) sieht vor, dass der Rat mit einer Mehrheit von zwei Dritteln der gesetzlichen Zahl der Mitglieder beschließen kann, über eine kommunale Angelegenheit einen Bürgerentscheid stattfinden zu lassen (Ratsbürgerentscheid). Dies kommt unter anderem in Betracht, wenn sich der Rat in einer wichtigen Entscheidung nicht einigen kann, eine Frage hoch umstritten ist und von der Abstimmung durch die Bürger erwartet werden kann, dass das Ergebnis zur Befriedung in der Gemeinde beitragen kann.

„Knapp sieben Prozent“

Der August-Schmidt-Platz ist rund 3350 Quadratmeter groß, die Grundfläche der geplanten Gastro-Bebauung rund 231 Quadratmeter, das sind knapp sieben Prozent der Gesamtplatzfläche, wie die Stadtverwaltung errechnet hat. Zwei im Bereich des geplanten Gebäudes stehende Bäume müssten zur Umsetzung gefällt werden – ein mittelgroßer und ein kleiner Baum. Darüber hinaus ein weiterer „sehr kleiner“ Baum unmittelbar neben dem Baufeld.

Die beiden letzteren Bäume würden auf jeden Fall weichen müssen, unabhängig davon, ob der Gastro-Pavillon realisiert wird oder nicht, „da sie dem Gestaltungskonzept für den August-Schmidt-Platz entgegenstehen“, so der Hinweis der Verwaltung. Der Ausgleich für die Fällungen soll, „nach Möglichkeit im Bereich beziehungsweise in unmittelbarer Nähe des Vorhabens vorgenommen werden“.

Eine Grundfläche von 16,4x14,1 Metern ist für das Erdgeschoss des Pavillons geplant, mit einer Unterkellerung über 8x14 Meter und einem Staffelgeschoss über 8,4x14,1 Meter. Zuzüglich noch zu genehmigender Außengastronomie.

Um das alles einmal zu visualisieren, hat es am Freitagmittag engagiertes Treiben auf dem August-Schmidt-Platz gegeben. Mitglieder der örtlichen SPD, die sich von vornherein gegen den Bau eines Restaurants auf dem Platz positioniert hatte, sowie aus der Kaufmann- und Bürgerschaft wollten sich vor Ort ein Bild von den Größenordnungen der Baupläne machen.

Gründlich wurde Meter für Meter abgeschritten, nachgemessen und schließlich mit rotweißem Flatterband und roten Luftballons ein beachtliches Karree markiert. Dazu SPD-Ratsverordneter Günter Prast: „Ich war ja immer dagegen, aber so groß hätte ich mir das Ganze doch nicht vorgestellt.“

Ana Maria Nandzik, Unternehmerin aus Merkstein, fasst die Argumente der Pavillon-Gegner zusammen: „Wir haben ja nichts gegen weitere Gastronomie, auch wenn wir in Merkstein dreimal so viel haben wie in Mitte. Doch auf dem August-Schmidt-Platz gibt es für alles, was sonst noch darauf soll, einfach zu wenig Fläche.“

Nandzik verweist damit auf die weitere, bei Bürgerworkshops erarbeitete Wunschmöblierung für den öffentlichen Platz: Spielgeräte, ein Wassertisch, eine kleine Rundbühne, eine Boulebahn, ein Maibaum und Sitzmöglichkeiten. Nandzik: „Wir möchten eine ausreichend große Wiese erhalten wissen, auf die man sich auch mal mit einer Picknickdecke setzen kann. Auf der die Kinder Fußball spielen können – und es dafür nicht etwa ein Verbot gibt, weil ein Ball auf einem Teller der Gäste des Gastro-Pavillons landen könnte.“

Der Aspekt der tunlichst zu vermeidenden zusätzlichen Flächenversiegelung hat auch Peter Nickels von der Attac-Gruppe Wurmtal zum Gegner des Projekts gemacht: „Der jetzt ja endlich beschlossene Klimamanager sollte mal den ökologischen Fußabdruck dieses Vorhabens ausrechnen“, fordert er.

Nandzik betrachtet zudem den Kostenaspekt: 70.000 Euro, so sagt sie, könnten im Zuge der Platzgestaltung rundweg eingespart werden: 30.000 Euro würde das Umsetzen des Pferdedenkmals kosten, was an Ort und Stelle bleiben könnte, wenn kein Pavillon gebaut würde. Und mit 40.000 Euro würde der Ratsbürgerentscheid zu Buche schlagen, der überflüssig wäre, wenn sich die Politik am Dienstag gegen die Pläne aussprechen würde ...

Keine zusätzlichen Parkplätze

Große Sorge bereitet den Anwohnern auch die jetzt schon angespannte Parkplatzsituation, wie sie auch jetzt nochmal betonten: Die Verwaltung legt in der Sitzungsvorlage dar, dass es im Umfeld nicht geplant sei, weitere Parkplätze zu schaffen, da dies aus Ermangelung an Flächen nur auf dem Platz selbst geschehen könne. Und das wolle ja niemand.

Vielmehr wird das Neubauvorhaben so bewertet, „dass die nach Prüfung des Bauantrags erforderlichen notwendigen Stellplätze abgelöst werden können“. Im übrigen sei die Anbindung über den öffentlichen Personennahverkehr sehr gut, zum Teil in enger Taktung mit dem Bus und der Bahn. Zudem sei eine Elektrifizierung der Bahntrasse geplant, wodurch sich gegebenenfalls weitere Taktverbesserungen ergäben.

Darüber hinaus stünden ausreichend fußläufig gut zu erreichende öffentliche Stellplätze Am Wasserturm und nahe der Dietrich-Bonhoeffer-Schule zur Verfügung ... Dazu Nandzik: „Diese Parkplätze benutzen die Gäste des ,Gelazzo’ ja jetzt schon nicht, obwohl sie da noch näher dran sind!“