August-Schmidt-Platz: Entscheidung über Gastro-Pavillon vertagt

Gastro-Pavillon oder nicht? : „Mediterraner Wind“ weht auf August-Schmidt-Platz (noch) verhalten

Erst einmal vertagt hat der Herzogenrather Bau- und Verkehrsausschuss die Entscheidung über die mittlerweile reduzierten Pläne für einen Gastro-Pavillon auf dem Merksteiner August-Schmidt-Platz.

Das Publikumsinteresse im Ratssaal war wieder einmal groß, die Planung für die Umgestaltung des August-Schmidt-Platzes stand auf der Tagesordnung. Bekanntlich zieht eine Investoren-Anfrage, auf Höhe des Action-Kaufhauses einen Gastro-Pavillon zu errichten, mittlerweile einen tiefen Graben zwischen Befürworter und Gegner dieses Vorhabens. Auf den potenziellen Investor „einzuwirken“, seine Baupläne im Sinne einer deutlich kleineren Grundfläche abzuspecken, hatte der Bau- und Verkehrsausschuss der Verwaltung in der Juli-Sitzung aufgetragen.

Das Ergebnis stellten Tamer Basaran, Geschäftsführer des Restaurants „Gelazzo“, das er gerne vor allem wegen der Außengastronomie von der stark befahrenen Geilenkirchener Straße auf den August-Schmidt verlegen möchte, und Architektin Claudia Lambertus mittels einer Power-Point-Präsentation vor.

Weitere Initiativen im Blick

„Mediterraner Wind auf dem August-Schmidt-Platz“ hatten sie ihren Vortrag überschrieben. „Wir wollen ein Teil des Platzes werden und ihn nicht beherrschen“, konstatierte Basaran, weswegen der Pavillon dezent an einer Ecke des Platzes vorgesehen sei. Ein zeitgemäßeres und moderneres Angebot möchte er seinen Gästen bieten. Und eventuell zusammen mit anderen Akteuren auf dem Platz Initiativen einleiten, etwa für Wein- und Oktoberfeste oder einen Weihnachtsmarkt. In der Hoffnung, so auch mehr Menschen nach Merkstein zu ziehen. Die Zahlen, die Basaran bislang schon nennen kann, sind durchaus beeindruckend: Rund 300 Gäste bewirte sein Restaurant in Merkstein täglich, und die stammten unter anderem aus den den Niederlanden, Baesweiler, Übach-Palenberg und Alsdorf.

Mit Blick auf von Günter Prast (SPD) beim vorhergehenden Tagesordnungspunkt geäußerte Sicherheitsbedenken hinsichtlich der vom Technischen Beigeordneten Ragnar Migenda als „dezent“ beschriebenen künftigen Beleuchtung des Platzes stellte Basaran fest: „Wir haben 364 Tage im Jahr von 11 bis 23 Uhr geöffnet.“ Soziale Kontrolle des Terrains sei also gewährleistet.

Noch etwas führte Basaran im Ratssaal vor Augen: „Mit solch einem teuren Vorhaben gehe ich ein nicht geringes Risiko ein. Das würde ich nicht tun, wenn ich nicht zu 100 Prozent davon überzeugt wäre.“

Die an die Wand geworfenen Planskizzen indes fielen allerdings nicht auf den fruchtbaren Boden, den sich Investor und Verwaltung erhofft hatten: Sie sehen einen gläsernen Bau auf 230 Quadratmetern Grundfläche im Erdgeschoss mit einem 117 Quadratmeter messenden Staffelgeschoss sowie einem Keller von 112 Quadratmetern vor, der parallel zum Action-Kaufhaus errichtet werden soll. Laut Verwaltungsvorlage entsprechen diese Dimensionen knapp 7 Prozent der Gesamtfläche des rund 3350 Quadratmeter großen Platzes.

Die Planung, so führte Architektin Lambertus aus, sei gegenüber dem ersten Entwurf um rund 25 bis 30 Prozent reduziert worden, „um dem Platz Luft zurückzugeben und nicht dominant zu wirken“. In transparenter, sprich gläserner Bauweise soll das Grün der umstehenden, zu erhaltenden Bäume weiter gut zur Geltung kommen. Auch die Planerin sieht ein Potenzial als Anziehungspunkt für Familien sowie für benachbartes Gewerbe gleichermaßen.

Zwecks Errichtung des Pavillons müssten zwei Bäume – ein mittelgroßer und ein kleiner – gefällt werden. Darüber hinaus werde ein „sehr kleiner Baum“, der unmittelbar neben dem avisierten Baufeld steht, ebenfalls entfernt. Dieser und der erwähnte „kleine“ Baum, so führt die Verwaltung weiter aus, werden auf jeden Fall weichen müssen, unabhängig davon, ob der Gastro-Pavillon realisiert wird oder nicht, „da sie dem Gestaltungskonzept für den August-Schmidt-Platz entgegenstehen“. Der Ausgleich für diese Fällungen soll „in unmittelbarer Nähe des Vorhabens“ erfolgen.

Was die erforderlichen Stellplätze angeht, so geht die Verwaltung davon aus, dass diese nach Prüfung des Bauantrags abgelöst werden könnten. Denn die Anbindung über den ÖPNV in Kombination mit öffentlichen Stellplätzen Am Wasserturm und nahe der Dietrich-Bonhoeffer-Schule sei gut.

„Ordentlicher Frittenfilter“

Per Erbbaurechtsvertrag würden die Besitzverhältnisse festgelegt, erläuterte Migenda. Die Frage nach einer Folgenutzung, falls das Restaurant einmal aufgegeben werden sollte, war erneut aus dem Publikum gekommen. Eine mögliche Geruchsbelästigung durch die Restaurantküche beschäftigte einen anderen Bürger. Was Migenda mit der Feststellung versah, dass zu jeder Gaststätte ein „ordentlicher Frittenfilter“ gehöre. Und sollte es dennoch Beanstandungen geben, so kündigte er an, „dann gehe er nicht nur bei einem, sondern bei allen schnüffeln“.

Was die Kosten des in Rede stehenden Ratsbürgerentscheids angeht – auch eine Frage aus dem Publikum – so würden die bis zu 40.000 Euro betragen.

Ob es dazu kommen wird, dass nämlich die Bürger der Stadt Herzogenrath anstelle des Stadtrats über das überaus strittige Thema abstimmen (wozu – reine Formalie – die entsprechende Satzung angepasst werden müsste), steht noch in den Sternen. Denn auf Anregung von Grünen-Fraktionschef Dr. Bernd Fasel („Auch in unserer Fraktion wird kontrovers diskutiert“), ist der Beschluss über die als „final anzusehende Planung“ einstweilen vertagt worden.

Der stellvertretende SPD-Fraktionschef Wolfgang Goebbels merkte an, dass die kritisierte Grundfläche nur „unwesentlich geändert“ worden und dies eben „nicht mit dem bekannten Willen der Merksteiner Bürger vereinbar“ sei. Weswegen seine Partei nicht zustimme. Was Reimund Billmann (CDU) zur Feststellung bewegte: „Wer natürlich von vornherein dagegen ist, findet immer einen Weg, dagegen zu sein.“ Im Großen und Ganzen sei seine Partei „eigentlich für die Pläne“ – und nach wie vor für einen Ratsbürgerentscheid: „Herzogenrath ist mehr als nur Merkstein.“

Toni Ameis (Linke), der sich grundsätzlich für die Pavillonpläne zur Belebung des Platzes ausgesprochen hatte, möchte die Pläne nun noch gründlicher bebildert bekommen, um sich ein besseres Bild von den Größenverhältnissen machen zu können. Auch Hans-Günther Fischer (UBL) fand die Präsentation nicht aussagekräftig genug und wollte Details zur Außenbestuhlung wissen. Außengastronomie, so erläuterte Referatsleiter Jürgen Venohr, müsse immer erst separat beantragt werden, und dann werde man sehen, „was die Fläche hergibt“.

Sobald die vom Architekturbüro an die Politikerwünsche angepassten Pläne vorliegen, soll entschieden werden, ob die nötigen weiteren Beschlüsse in einer vorgezogenen Sonder- oder einer regulären Sitzung des Bau- und Verkehrsausschusses (Anfang November) gefasst werden.

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